Sie kommen morgen, sprach Gunther, geh' und bereite dich nun.
Brunhilde kam den Gästen entgegen in großerPracht. Die Königinnen küßten einander. Nie zuvor hatte man in Worms Feste gesehen, wie sie nun gefeiert wurden. Von allen Teilen des Burgunder-Landes kamen die Ritter gezogen. Zehn Tage lang ertönte in der Stadt der festliche Klang der Glocken und dazwischen in den Kampf-Spielen das Schlagen der Schwerter, das Stoßen der Lanzen. Selbst die Königin Brunhilde schien ihren Kummer zu vergessen im Geräusch und in der Freude des Festes.
Doch das Unglück kam schnell.
Am elften Tage waren die beiden Königinnen zusammen und sahen dem Kampf-Spiele zu. Da sprach Krimhilde, voll Freude und Stolz auf Siegfried sehend:
Sieh' nur, Schwester, sieh' auf Siegfried! Habe ich nicht einen Mann, der wohlverdiente Herr zu sein über alle Länder?
Bist du allein auf der Welt mit deinem Siegfried? erwiderte Brunhildegereizt.
Harmlos sprach Krimhilde weiter: Aber so sieh' doch nur, Brunhilde, wie schön und stattlich er ist!
Mag sein, sagte Brunhilde; und er ist doch nur Gunthers Vasall.
Nicht Vasall, liebe Schwester, GunthersGenosse ist er und ein König wie Gunther, sprach Krimhilde noch immer harmlos.
Nein, er ist Gunthers Vasall! rief Brunhilde. Das hat er mir selber gesagt, als er mit deinem Bruder nach Island kam.