Glaubst du, daß der stolze König von Burgund seine Schwester einem Vasallen giebt? Drum, liebe Schwester, lasse den Streit und wisse: er ist kein Vasall.
Den Streit laß' ich nicht! rief Brunhilde. Siegfried ist ein Vasall, und von heute an wird er mir besser dienen, als bisher!
Das wird er nicht, rief Krimhilde, denn Siegfried ist ein König, und er ist werter, als mein Bruder Gunther!
Duüberhebst dich! schrie Brunhilde.Erweist man dir so große Ehren wie mir?
Nein; weil ich bescheidener bin, als du, sprach jetzt Krimhilde. Aber du sollst heute noch sehen, daß ich vor dir in die Kirche gehen kann.
Und sie stand auf, ging zu ihren Mädchen und befahl ihnen, ihr die schönsten und reichsten Kleider anzulegen. Dann ging sie mit ihnen zur Kirche. Alle wunderten sich, daß die beiden Königinnen nicht, wiesonst, zusammen zur Kirche gingen. Vor der Kirche aber stand Brunhilde und erwartete Krimhilde.
Halt! rief sie, als Krimhilde nahte. Geh' nicht in die Kirche vor mir, der Königin.
Sieh', stolze Brunhilde, sprach jetzt Krimhilde, wenn du schweigen könntest, das wäre dir besser, dann müßtest du nicht die bittere Wahrheit hören. Und nun will ich es dir auch sagen: Es war nicht Gunther, der mit dir kämpfte, es war mein Gemahl, der dich zweimal besiegte! Und damit du wissest, ich spreche die Wahrheit, so schaue! Erkennst du diesen Ring und diesen Gürtel als dein? Im Kampfe hat Siegfried dir beide genommen, und mir gab er sie dann zum Geschenke. Brunhilde war starr vor Schrecken und sie konnte nicht hindern, daß Krimhilde vor ihr eintrat in die Kirche.
Da war Musik und Gesang in der Kirche; aber eine saß da und hörte nichts davon, — es war Brunhilde.
Und da sie wieder in ihrem Palaste war, fand sie noch keine Ruhe, und sammelte ihre treuesten Ritter und bat unter Thränen: Overschafft mirRache, Rache an Siegfried!