So erreichte er sein Heim. Da aber stand sein Weib an der Thüre und erwartete ihn mit liebendem Blicke, mit offenem Arme. Sie nimmt ihm die Waffen ab, sie führt ihn zum Herde an das erwärmende Feuer und dann zum reichlichen Mahle, das sie bereitet.
Dem Manne wird wohl, er fühlt sich glücklich und er weiß, daß er dieses seinem treuen Weibe zu danken hat; er erkennt den Wert ihrer Wohltat — und ehrt und liebt das Weib.
Was die Natur im Norden dem Manneversagt hat, das giebt ihm reichlich das Weib.
Wundern Sie sich nun, daß die rohen Germanen das Weib höherschätzten, als die kultivierten Römer? Wundern Sie sich nun, daß die Minne-Sänger, diese Dichter des Nordens, im Weibe das Symbol alles Guten und Schönen sahen, während die Troubadours, diese Dichter des Südens, im Weibe nur die Geliebte des Mannes erblickten? Und wundern Sie sich nun, Bella, daß auch ein Germane in der neuen Zeit uns das höchste Ideal eines Weibes gegeben hat?
Gretchen: Und von welchem Manne sprichst Du, Papa?
Herr Meister: VonGoethe[IV-7].
Frau Meister: Ich dachte es.
Martha:Goethe[IV-8], Papa?Goethe[IV-9], meinst Du?
Herr Meister: Ja, liebe Martha; und denkst Du nicht, mein liebes Weibchen, daß unsere TöchterGoethes[IV-10] »Iphigenie« oft und recht oft, und gut und recht gut studieren sollten?
Frau Meister: Gewiß, Wilhelm, ich denke wie Du; und ich denke auch, daß alle jungen Damen dasselbe tun sollten. Es würde uns allen sehr lieb sein, wenn Du jetzt ein wenig über dieses wundervolle Werk erzählen wolltest.