Als die Bauern hörten, daß wir aus Amerika kämen, traten viele zu uns und fragten, ob wir den Bruder nicht gesehen hätten oder die Schwester, oder ihren Onkel, oder ihre Tante; sie wären doch auch in Amerika. Auch fragten sie uns, ob wir Eisen-Bahnen hätten und ob es wahr wäre, daß man in Amerika alle Tage Fleisch essen könnte und Butter auf dem Brote; und zuletzt fragten sie, in welchem Monate die Kirmes bei uns in Amerika gefeiert würde.

Die Leute sind noch sehr naiv, nicht wahr? — Aber sie sind gut. Es sind treue, brave Menschen, und zufrieden mit ihrem Loose und voll Poesie und Musik.

Wir blieben über Nacht in dem Dorfe, schlafen aber konnte ich nicht, denn kaum hatte die Dorf-Uhr langsam und phlegmatisch zehn geschlagen, da ertönte ein mächtiges Horn, und ein Mann mit einem großen Hunde und einem langenSpieße ging durch die Straßen und sang, so laut er nur vermochte:

»Hört ihr Herren und laßt euch sagen:
Die Glocke hat zehn geschlagen.
Nehmt in acht das Feuer und Licht,
Daß niemandem Schade geschicht. «

Und jede Stunde machte der Mann die Runde und jede Stunde ließ er an allen Ecken seinen Gesang ertönen, bis die Uhr drei schlug. Da sang er folgendes:

»Hört ihr Herren und laßt euch sagen:
Die Glocke hat drei geschlagen!
Der Tag vertreibet die finstere Nacht,
Ihr lieben Christen, seid munter und wach
Man weiß ja nicht, wenn der liebe Gott kommt
Und uns in seiner Gnade wegnimmt.
Drum wachet alle Stund' undlobet Gott den Herrn.«

Dann war es still im Dorfe und ermüdet schlief ich endlich ein und schlief recht lange und erwachte, als die Sonne hoch am Himmel stand. — Weißt Du, liebe Schwester, was Spinn-Stuben-Lieder sind?

Dieselben Bauern-Mädchen, die so froh und lustig sind, wenn die Kirmes kommt, sind ernst und fleißig zu allen anderen Zeiten des Jahres; und im Winter am Abend kommen oft viele zusammen in einem Hause und jede bringt ihr Spinn-Rad mit. Da sitzen sie im Kreise und spinnen und erzählen Märchen und singen — Lieder, das sind Spinn-Stuben-Lieder.

Als wir aus dem Dorfe fahren wollten, sah ich zwei Kinder, es waren zwei Knaben. So schön habe ich noch niemals Knaben gesehen; der eine von ihnen war zwei und der andere drei Jahre alt. Ah, Bella, Bella, welche Augen! Welche Locken-Köpfe! Jetzt weiß ich, daß Raphael seine Cherubim-Köpfe auf Erden gesehen hat. — Ich werde sie niemals vergessen.

Nun aber, Schwester, will ich kein Wort mehr schreiben und nur sagen: Lebe wohl und grüße alle Freunde tausendmal von mir. Vergiß auch nicht, Louis zu grüßen von Deiner