Diese Besserung aber und auch die Errichtung der Karls-Schule war das Werk seiner Gemahlin. Diese Herzogin war aber zuvor eines andern Mannes Frau gewesen; der Herzog hatte sie jedoch mit Gewalt zu sich genommen.

Louis: Und der Mann, was tat denn der?

Martha Meister: Nichts, Louis; er konnte nichts tun. Karl war einarger Tyrann — und auch in der Schule. Ihr könnt euch wohl denken, daß es Schiller niemals recht gefiel, schon deshalb nicht, weil er kein Prediger werden konnte und Medizin studieren mußte.

Die Schule war berühmt geworden, und oft kamen hohe Herren von allen Teilen Deutschlands, um sie zu besehen. Einmal war auch der junge Herzog Karl August von Weimar mit seinem FreundeGoethe[V-4] gekommen. Wie Schiller den jungen Poeten anstaunte! O, rief er aus, wie jung er ist, und doch schon so berühmt! Und ich, ich habe noch nichts getan, und wer weiß, ob ich wohl jemals etwas Großes tun werde!

Da standen sie zum ersten Male zusammen und sie gingen von einander und wußten nicht, daß sie einst die beiden großen Poeten Deutschlands und die besten Freunde werden sollten.

Ein anderes Mal kam Lavater nach der Karls-Schule. Lavater war damals berühmt; nicht allein, weil er ein geistreicher Mann und ein sehr frommer Prediger war, sondern auch deshalb, weil er ein Werk geschrieben hatte über Physiognomie.

In der Karls-Schule führte man ihm die Schüler vor, daß er sie sehe und ein Urteil abgebe über ihren Charakter und ihreFähigkeiten. Nachdem er schon viele gesehen und beurteilt hatte, kam auch ein langer, hagerer Mensch. Lavater befühlte seinen Kopf, sah ihm scharf in die Augen,musterte ihn von oben bis unten und rief voll Entsetzen: O, o, das wird ein großerSpitzbube werden! —

Schiller war es; dieses Mal hatte sich der gute Lavater arg getäuscht.

Nachdem Schiller genügend studiert hatte, wollte er auch sein Examen machen in der Medizin und schrieb seine Arbeit. Die Professoren prüften sie und fanden sie gut; — doch meinten sie: Schiller denke nicht immer so wie sie; er habe zu viele eigene Ideen und allzu viel Feuer.

Wohl, sagte der Herzog, so soll Schiller noch ein Jahr bei uns bleiben, wir wollen ihm das Feuer erst legen. — Und Schiller mußte noch ein Jahr länger in dieser Anstalt bleiben, die er haßte.