In diesem Jahre schrieb Schiller sein erstes Drama, aber die Professoren und der Herzog durften es nicht wissen. Nachts im Geheimen mußte er schreiben, und da er zuletzt sein Werk beendet hatte und es seinen Freunden fern im finstern Walde vorlas, da war ihr Enthusiasmus unbeschreiblich, — solche Gedanken in deutscher Sprache hatten sie nie zuvor weder gelesen noch gehört.

Bald hatte Schiller auch sein Examen gemacht und war Arzt geworden in einem Regimente, das in Stuttgart stand. Nun ließ er sein Drama drucken, und es ging in die Welt und entflammte alle Herzen. Überall, überall, wo man deutsch verstand, las man »Die Räuber,« in den besten Theatern spielte man dieses Stück und Schiller war mit einem Male berühmt geworden.

Der Herzog selbst war stolz darauf, denn Schiller war ja aus seiner Schule hervorgegangen; und doch wollte er ihn verhindern, ferner Poesie zu schreiben. »Bücher über Medizin mag der Schiller schreiben, keine Poesie,« — so etwa schrieb der Tyrann an den Poeten.

Louis: Es ist ein Glück für diesen Herzog Karl, daß ich nicht zu seiner Zeit gelebt habe. Schiller hat doch Poesie geschrieben, nicht wahr?

Martha Meister: Gewiß, aber das ist eine lange Geschichte, und ich fürchte, es wird Ihnen zu viel, Herr Louis.

Louis: O nein, mein Fräulein. Sie wissen sehr wohl, wiegespannt ich nun bin. Bitte, seien Sie so gut und erzählen Sie weiter.

Martha Meister: Zur selben Zeit lebten auch in Stuttgart die Herren Wolzogen; sie waren Schul-Kameraden und Freunde von Schiller, und ihre Mutter nahm großes Interesse an dem jungen Poeten und gehörte zu denen, die ihn bewunderten, und sie hätte gar zu gerne einmal »Die Räuber« im Theater zu Mannheim gehört.

Schiller reiste dahin mit ihr und einer andern Freundin; aber da er heimlich, ohne des Herzogs Wissen, Stuttgart verlassen hatte, so hatte er die Damen gebeten, mit niemandem darüber zu reden. Das versprachen denn auch die Damen sehr schnell.

Und sie kamen zurück und hatten »Die Räuber« gesehen und dazu die Begeisterung der Menschen; — und sie konnten nicht schweigen, es war ihnen unmöglich! — Und nur einer Freundin erzählten sie es; aber sie sagten zu ihr, daß sie es niemandem weiter erzähle. Und die Freundin hatte auch eine Freundin und diese wieder eine andere; und eine Freundin erzählte es der andern, aber hatte immer zu derselben gesagt: »Ja nicht weiter erzählen« — und so war es endlich doch zu des Herzogs Ohren gekommen.

Der Herzog warergrimmt, daß Schiller, ein Offizier des Regiments,es gewagt hatte, ohne seine Erlaubnis die Garnison zu verlassen, und er gab ihm daher einige Wochen Arrest. Schiller aber hatte beschlossen, frei, für immer frei zu werden.