Was Katze und Hund da sagen,will wenig bedeuten. Aber höret mich an; ich habe zu sprechenwider Reineke Fuchs. Da ich harmlos den Weg wanderte durch den Wald, hörte ich ein Weinen undWimmern links imGebüsch. Verwundert trete ich zur Seite und sehe: Reineke hält Lampe, den Hasen, an den Ohren undzauset ihn fürchterlich; und wäre ich nicht gekommen, — Lampe wäre nun tot. Solches aber ist doch nicht recht in diesen Tagen des Friedens.

Reineke's Neffe aber, der Dachs, trat vor den König, gedankenvoll und lächelnd; denn er war ein Advokat, sehr gelehrt undschlau, und begann seine Rede also:

Mein König, es ist ein altes Sprichwort: »Ein Feind wird niemals Gutes von dir sagen.« Kein Wunder also, daß diese Herren Schlechtes reden wollen von Reineke, meinem teuern Onkel. Er selbst ist nicht hier; sonst würden sie wahrlich solches nichtwagen. Aber wer ist es, der hier auftritt zu klagen. Isegrimm, der Wolf? Hat der ein Recht dazu? Er, der so übel gehandelt an Reineke? — Ich bitte, o König, höret, was ich jetzt sage:

Einmal war Freundschaft zwischen dem Wolfe und dem Fuchse; alleBeute wollten sie teilen nach Recht. Da kam eines Tages der Wolf und war sehr hungrig, — und hungrig ist er ja immer — zu meinemOheim und verlangte zu essen. Ah, sagte freundlich mein Oheim, hier habe ich nichts. Aber da weiß ich ein fettes Schwein; das hängt nicht weit von hier beim Bauern; wenn ihr warten wollt vor dem Hause, so will ich es durch's Fenster werfen, aber gebt mir auch die Hälfte. Gewiß, sagte der Wolf, und beide gingen. Mein Oheim tat, wie er gesprochen, und warf die fette Beute hinunter durch das Fenster; doch, da er selbst zu essen verlangte, lachte der Wolf — es war dieser Wolf, — und sagtehämisch: Hier, mein Freund, wünsche guten Appetit — und gab meinem Oheim das breite Stück Holz, woran das Schwein gehangen hatte. So teilt der Wolf. — Aber das ist noch nicht alles.

Ein anderes Mal hatte er wieder großes Verlangen nach Fischen. Da kam er zum Fuchse. Und gut, — wie Reineke ist, — sprach er: Auf jener Straße kommt heute Nachmittag ein Mann von dem Strome; der bringt Fische in dem Wagen. Da können wir essen, — und beide gingen zusammen.

Der Fuchs aber legte sich auf die Straße und lag ganz still, als wäre er tot. DerFuhrmann kam und sah den toten Fuchs und freute sich nicht wenig. Er nahm ihn, warf ihn auf den Wagen und fuhr die Straße entlang. Mein Oheim aber, der Fuchs, warf die Fische vom Wagen herab auf die Straße. Es folgte der Wolf undfraß. Endlich sprang der Fuchs vom Wagen, ging zum Wolfe und wollte auch von den Fischen essen. Da sagte der Wolf: Nehmet, Reineke, nehmet; hier ist für euch, — und gab ihm von den Fischen — dieGräten. — Sohandelt der Wolf. — Soll ich noch mehr von ihm sagen? Nichts Gutes, o König, würdest du hören. —

Und wegen des Hasen! Es ist wahrlich zum Lachen, wie falsch der Panther gesehn hat. Wohl hatte mein Oheim den Hasen beim Ohre. Der Hase ist ja meines Oheims Schüler. Er war zu ihm gekommen und wollte lernen, die Psalmen zu singen. Nun aber hat der Hase kein feines Gehör und kann die Töne nicht lernen. Daverlor mein Oheim die Geduld und zauste den Hasen an den Ohren. — Aber das ist doch wohl das Recht des Lehrers! — Wo soll denn Ordnung sein, wenn nicht der Lehrer das Recht hat, die Ohren des Schülers zu zausen?

Nein, das muß ich hier sagen, hier vor dem König, daß mein Oheim ein frommes, gutes Leben führt und betet und fastet und seit Wochen kein Fleisch ißt, sondernGras und Kräuter. Laßt ihn kommen, o König, vor euch selbst und sehet, ob es nicht also sei.

Reineke's Neffe hatte gesprochen, und der König hatte gehört. — Da kam Henning daher, der Hahn; — und hinter ihm trug man eine Henne ohne Kopf und Hals. Er selbst war traurig und er begann zu sprechen vor Nobel, dem König: Höret mich an, o König! — Vor wenigen Tagen noch lebte ich still und glücklich inmitten meiner Familie. Da kam der Fuchs daher, als Mönchgekleidet. Die Hände gefaltet, mit den Lippen betend, blickte er aufwärts zum Himmel und sagte zu mir: Wisse, Freund Henning, der König hat befohlen, daß alle Tiere im Walde und auf dem Felde in Frieden leben und nicht wiederstreiten oder einander töten in böser Feindschaft. Du siehst, ich selbst bin nun ein Mönch geworden und nichts hast du von mir zu fürchten, auch nicht deine Söhne und deine Töchter. So sprach der Fuchs und zeigte einen Brief mit großen Siegeln vom König. Mit Freude hörte ich alles und sagte es den anderen. Die sprangen hinaus vom sichernHofe in das Feld, das Beste zu suchen in Busch und Wald. Doch kurz war das Glück, und traurig das Ende.

Der falsche Fuchs hatte sich hinter einerdichten Hecke versteckt und sprang hervor und mordete fürchterlich. Von allen meinen stolzen Söhnen und lieblichen Töchtern ist niemand geblieben. Die letzte hat er heuteerwürgt, sie, die Unglückliche, die letzte meines Stammes. Also sprach Herr Henning und weinte bitterlich.