Arthur: Also — in dem Punkte scheinst du doch ernst zu werden.
Rudolf: Nun, denkst du vielleicht, es sei einSpaß, eine Frau zu haben und doch keine zu haben, oder stundenlang vor der Thüre seinerAngetrauten vergebens zu stehen und auf alles Klopfen, Bitten, Beschwören, Drohen keine andere Antwort zu hören, als Seufzen und Schluchzen und Weinen? — O, laß mich nicht mehr daran denken, es macht michrasend.
Arthur: Still, Rudolf — was willst du von mir, ich habe dir ja kein Leidzugefügt.
Rudolf: Du? — nein, das ist wahr.
Arthur: Ich kann es nicht begreifen: du der liebenswürdigste Mensch, einen Streit mit deiner Frau — und noch dazu am Hochzeits-Tage. Warum, Mensch, konntest du nicht warten bis später?
Rudolf: Als ob ich einen Willen gehabt hätte! Der abscheuliche Putz, die Hüte, sind daran schuld.
Arthur: Die Hüte?
Rudolf: Ja, der Hut und deine Schwester!
Arthur: Oho, — nun gar meine Schwester!
Rudolf: Höre mich an. Alles war glücklich überstanden: Trauung und Gratulation und Küssen und Hände-Schütteln, Vorstellung und Empfangen und Weinen und Abschied-Nehmen &c. &c. und glücklich sitze ich schon im Wagen neben meiner himmlischen Luise undjuble im Herzen — da fällt es ihr mit einem Male ein, daß sie noch den einen Hut haben muß. Ich muß wieder aussteigen und in's Haus zurückeilen. Kaum trete ich ein, so erblickt mich mein Cousin und Wehmut im Auge umschlingt er mich mit beiden Armen und seufzt: Bruder, noch eine Flasche Champagner, — noch eine — und zieht mich fort mit sich, ob ich will oder nicht. Da kommt deine Schwester Antonie. Und nun zieht sie mich am andern Arm fort, fort in den Tanz-Saal und sagt: »Ich muß erst meinen Tanz haben, Rudolf; eher kommen Sie mir nicht fort.«Verblüfft steht da mein enttäuschter Cousin und hält die Champagner-Flasche in der Hand; er weiß nicht, was er allein damit tun soll, undschlüpft sie mir schnell in die hintere Tasche meines Frackes. Beim Tanzen geht der Kork los, explodiert — dem General vom Bombenfeld an die Nase. Er schreit laut auf vor Schmerz, der Champagner spritzt nach tausend Seiten auf alle; alles flieht entsetzt auseinander, und ich entrinne glücklich, komme zurück in den Wagen und rufe dem Kutscher zu: Vorwärts, vorwärts — undflugs gehts dahin. Ich aber falle in die Ecke und beginne zu lachen und lache übermenschlich, und nähmest du mir das Leben, ich konnte mich nicht halten. Luise fragt nach ihrem Hute; ich kann nicht antworten. Sie beginnt zu weinen und je mehr sie weint, desto mehr muß ich lachen und an die Champagner-Scene denken. Als ich endlich zu mir komme und alles erklären will, sitzt sie in der Ecke und weint und will kein Wort von mir hören, dem herzlosesten Menschen auf der ganzen Gottes-Erde. Wir kommen hier an in dem Hotel — sie eilt in ihr Zimmer, schließt sich ein und mich aus — nun, du weißt ja den Rest dieser herrlichen Hochzeits-Reise.