Kling' hinaus bis an das Haus,
Wo die Blumen sprießen.
Wenn du eine Rose schaust,
Sag', ich laß sie grüßen.
Das Gewitter.
Urahne, Groß-Mutter, Mutter und Kind
In dumpfer Stube beisammen sind;
Es spielet das Kind, die Mutter sich schmückt.
Groß-Mutter spinnet, Urahne gebückt
Sitzt hinter dem Ofen im Pfühl —
Wie wehen die Lüfte so schwül!
Das Kind spricht: »Morgen ist's Feier-Tag,
Wie will ich spielen im grünen Hag,
Wie will ich springen durchTal[G-9] und Höh'n,
Wie will ich pflücken viel Blumen schön!
Dem Anger, dem bin ich hold!« —
Hört ihr's, wie der Donner grollt?
Die Mutter spricht: »Morgen ist's Feier-Tag,
Da halten wir alle fröhlich Gelag,
Ich selber, ich rüste mein Feier-Kleid;
Das Leben, es hat auch Lust nach Leid,
Dann scheint die Sonne wie Gold!« —
Hört ihr's, wie der Donner grollt?
Groß-Mutter spricht: »Morgen ist's Feier-Tag,
Groß-Mutter hat keinen Feier-Tag,
Sie kochet das Mahl, sie spinnet das Kleid,
Das Leben ist Sorg' und viel Arbeit;
Wohl dem, der tat, was er sollt'!« —
Hört ihr's, wie der Donner grollt?
Urahne spricht: »Morgen ist Feier-Tag,
Am liebsten morgen ich sterben mag;
Ich kann nicht singen und scherzen mehr,
Ich kann nicht sorgen und schaffen schwer,
Was thu' ich noch auf der Welt?« —
Seht ihr, wie der Blitz dort fällt?
Sie hören's nicht, sie sehen's nicht,
Es flammet die Stube wie lauter Licht,
Urahne, Groß-Mutter, Mutter und Kind
Vom Strahl mit einander getroffen sind;
Vier Leben endet ein Schlag —
Und morgen ist's Feier-Tag.
Lieber Sterne ohne Strahlen,
Als Strahlen ohne Sterne —
Lieber Kerne ohne Schalen,
Als Schalen ohne Kerne —
Geld lieber ohne Taschen,
Als Taschen ohne Geld —
Wein lieber ohne Flaschen,
Als umgekehrt bestellt!
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