Bittend steht er unter ihnen, reicht ihnen einen Oliven-Zweig und sagt: Meine Herren, diesen Zweig habe ich im Auslande gebrochen, Ihnen denselben zu reichen als Zeichen des Friedens und der Freundschaft, auf daß wirgemeinschaftlich das große Werk beginnen und beenden.
Aber sie wollen nicht auf ihn hören und lassen ihn stehen. Unverstanden undverkannt muß er densteilen Weg aufwärts klimmen, ganz alleinplanend undübermenschlichschaffend. Wie groß, wie wahrhaft groß er da unter den Menschen erscheint. — Im Herzen aber hatte er Gott, der ihn kennt, und vor sich seinen König, der ihm traut; er selbst aber glaubte an den Sieg des Guten und in diesem Glauben fühlte er sich stark und groß. Fest und sicher und schnell geht er vorwärts undunternahm jenegewaltige Operation — nun, Sie kennen sie ja.
Herr Meister: Ja, ja, wir kennen sie! Aus jenem Deutschland, das einstzerstückt und bald den Nachbarn zugefallen wäre als willkommene Beute; aus dem Deutschland, das kraftlos und einSpott der Welt geworden war, aus diesem unglücklichen Deutschland hat er ein einiges Reich geschaffen, das wieder stark ist, wieehemals; den Deutschen gab er wieder ein großesVaterland und pflanzte in sie einen höhern Sinn.
Dr. Albert: Und das konnte Bismarck nur tun, weil er groß ist. — Weil er selbst groß ist und gut, zieht er Tausende mit sich auf eine bessere Höhe.
Aber, mein Herr, ich sage noch mehr: Deutschland ist ein deutsches Land geworden zuerst durch Bismarck. — Er hat vollendet, was Arminius einst begonnen hatte: — Das Werk der Einheit und Freiheit. — Aber dieses Werk hatte geruht viele hundert Jahre, hatte geruht im ganzenMittelalter, denn was war das Deutschland desMittelalters, das sich so gern das heilige römische Reich nannte? — Es war kein deutsches Land mit deutschemGeiste, — es war eine schwacheNachahmung des alten römischen Reiches, nichts mehr.
Aber solche wunderbare Macht besaß einst Rom, daß noch der große Kaiser Karl und alle Kaiser nach ihm nichts Höheres kannten, als den Titel »Kaiser von Rom.«
Wie der lieblicheSchmetterling in die glänzende Flamme und insVerderben flattert, so zogen die deutschen Kaiser zu ihrem eignen Unglück nach Rom. Mancher starke Mann fand den Tod in Roms Gefilden.
Während England durch die schirmenden Wogen des deutschen Oceansgeschützt war und frei und groß und stark wurde, — und während Frankreich lieblich und eins wurde, richteten die deutschen Kaiser ihre Augen auf fremde Länder, auf Böhmen, Italien, Sicilien, Spanien. — Darum hatten Deutschlands Söhne fremde Kriege zu kämpfen auf ihrem eignenBoden. Deutschlands blühendeFluren wurden zerstampft von den Hufen derKriegsrosse; und Deutschlands Dörfer und Städte wurden niedergebrannt von wilden, fremdländischenHorden, und die Wohlfahrt wurde vernichtet.
Das Unglück war groß. — Daerbarmte sich Gott des geliebten Landes und sandte ihm die Männer vom Hause Hohenzollern.
Herr Meister: Es sind Männer voll Kraft undTugend, die von Hohenzollern.