Das Mädchen aber merkte seine Worte. Sie blieb im Walde, wohnte in einem hohlen Baume, sprach kein Wort und spann Flachs für die Hemden. — So waren sechs Jahre vergangen, aber das siebente Jahr war noch nicht zu Ende.

Da kam einmal ein Prinz in den Wald. Er sah das liebliche Mädchen und dachte zuerst, sie wäre ein wirklicher Engel. — Er sprach mit ihr; sie aber antwortete nicht; sie schüttelte nur mit dem Kopfe.

Armes Kind, sagte der Prinz zu seinen Dienern, — sie iststumm; aber sie ist schön. Keine Prinzessin der Welt kann schöner sein; — und nahm sie mit sich in seinen Palast.

Der Prinz aber hatte eine Schwester, die war hart und grausam. — Was willst du mit dem fremden Mädchen? fragte sie ihren Bruder. — Ich werde sie mir zur Gemahlin nehmen, antwortete der Prinz. — DieseHexe deine Gemahlin? rief die Prinzessin. — Ja, sie ist eine Hexe! Sie kann wohl sprechen; aber sie darf nicht und sie will nicht! — Sage das nicht, Schwester, sprach der Prinz; — sie ist gut, aber sie ist stumm. Armes Mädchen!

Die Prinzessin aber sprach zu allen Leuten, daß alle mit ihr dachten und sprachen: Ja, sie ist eine Hexe, und sie muß verbrannt werden; — und einScheiterhaufen wurde errichtet und sie wurde dahin geführt.

Der Prinz küßte sie tausendmal und wollte sie nicht lassen. Er weinte, daß alle mitweinen mußten, die es hörten. Auch sie weinte und blickte hinauf zum Himmel; aber sie sprach kein Wort.

So ging sie und trug die sieben Hemden unter dem Arme und kam an denScheiterhaufen und mußte hinauf steigen. — Und da sie oben stand, wollte man das Feueranzünden, — und betend sah sie hinauf zum Himmel, — — da kamen sieben Raben und flogen und flogen um denHolzhaufen; denn in diesemAugenblicke waren die sieben Jahre zu Ende.

Sie warf einem jeden von den Raben ein Hemd zu, und da standen vor ihr sieben schöne Ritter.

Schwester! Treue, liebe Schwester! riefen alle. — Da sind sie wieder, meine Brüder! rief sie. O, meine Brüder!

Alle erstaunten. Das Feuer wurde nicht angezündet. — Sie erzählte ihre Geschichte, und der Prinz stieg auf den Scheiterhaufen. Engel! o mein Engel! rief er, — und trug sie hinunter und führte sie in seinen Palast; und bald war sie sein Weib.