Martha Meister: Das will ich Dir wohl sagen:
Vier Jahre war Elisabeth alt, — da empfing ihr Vater, der König von Ungarn, eines Tages die Boten desLandgrafen von Thüringen; — sie baten um die Hand seiner Tochter für den Sohn des Landgrafen.
Der König von Ungarn hörte dieses gerne, denn er wußte, daß das Thüringer-Land reich und schön war und seine Landgrafen edel.
In einem goldenen Wagen verließ Elisabeth dasUngarnland, begleitet von ihrerAmme, von vielen edlen Jungfrauen und Rittern; und da sie nach Thüringen vor die Wartburg kamen, wurden sie mit großer Freude empfangen.
Der junge Prinz öffnete selbst die Thüre zum Wagen und hob seine Braut aus der silbernen Wiege, in welcher sie lag, und alle erstaunten über ihre große Schönheit und über die große Anzahl der Wagen, die ihr folgten, gefüllt mit Gold und anderen kostbaren Dingen.
Der Prinz und die Prinzessin aber liebten sich und waren wie Bruder und Schwester und spielten mit einander; denn beide waren noch jung; der Prinz war erst zehn und die Prinzessin nur vier Jahre alt.
Und da Elisabeth älter und größer wurde, vermißte sie nie die Kirche; und sie betete immer zu Gott, daß er sie gut machen möchte, und daß sie den Menschen gutes tun könnte.
Den Armen gab sie, so viel sie nur konnte, und die Kranken besuchte sie und tat ihnen viel Gutes und sie war gegen alle Menschen so freundlich, besonders aber mit den Traurigen.
DieLandgräfin aber, des Prinzen Mutter, war darüber oft hart mit ihr, denn sie sagte, sie wäre eine Prinzessin und würde einst die Gemahlin ihres Sohnes werden, und es wäre nicht recht, sich so gemein zu machen. — Und einst sagte die Landgräfin sogar: Wir wollen sie zurückschicken nach Ungarn!
Da aber zeigte der junge Prinz auf einen großen Berg und sprach: Siehst du den Berg vor uns? Wäre er auch vom feinsten Golde, so wollte ich doch eher ihn vermissen, als meine Elisabeth. Ich habe nichts lieber auf dieser Welt, als sie.