So schwer war es ihr noch niemals geworden, zu tun, was ihr Gemahl ihr gebot und ihrWeh war so tief, daß die härtesten Ritter mit ihr weinten.
Sie kam zur Burg zurück. Es war ein harter Tag für sie. — Aber ein Tag folgte, der noch härter war; das war der Tag, da man ihr die traurige Botschaft brachte, daß ihr Gemahl im Kampfe gefallen war.
Da war das Licht der Sonne ihr nicht mehr golden; und der zarten Blümchen Schönheit sah sie nicht mehr und hörte nicht mehr auf den lieblichen Sang der Vögel, und die Landschaft und die ganze Welt schien ihr schwarz. Da war keine Freude mehr für sie auf dieser Erde.
Und der Bruder ihres Gemahls kam auf die Burg und machte sich zum Herrn des Landes undvertrieb die Witwe seines Bruders.
Es war finstere Mitternacht, da er siehinausstieß vor das Burg-Thor. Der Regen fiel in Strömen; aus schwarzen Wolken zuckte der Blitz; der Donner rollte fürchterlich durch die Berge und greulich heulte der Sturm.
Elisabeth ging den schmalen Pfad den Berg hinab. Auf schwachem Arme trug sie das jüngste Kind, an der linken Hand führte sie das zweite, und ihr ältestes Söhnlein mußte dieFackel tragen, um den schlüpfrigen Weg zu beleuchten.
Und zuletzt kam sie an den Fuß des Berges und nach Eisenach. In der Stadt, wo sie einst Gaben gespendet, mußte sie nun selbst um milde Gaben bitten; doch niemand wollte der Unglücklichen einObdachgewähren; und still ertrug sie die Not um ihres Heilands willen, der so viel mehr gelitten hatte für die Menschheit; — und sie ertrug alles mit Geduld, bis sich der Landgraf ihrer wiedererbarmte und sie zurückrief; aber sie wollte nicht mehr zurück in die Burg.
Deutschlands großer Kaiser, Friedrich II., flehte sie an, daß sie seine Gemahlin würde; — aber ihr Herz gehörte dem einen, der nicht mehr bei ihr war; ihm wollte sie treu bleiben.
Eines nur hatte sie erbeten für sich: Das Gnaden-Brot bis an ihr Ende, und da gab man ihr die Stadt Marburg. Hier lebte sie im Kloster als Nonne, überallSegen verbreitend bis eines Tages ihr Wunsch erfüllt war.
Ihr Geist war zu ihm hinüber gegangen in jene selige Welt.