Hohe Frau, nun laßt mich gehen! Ich will nach Rom zum Papste und ihn bitten, daß er meine vielen Sünden mir vergebe.
Sie bat ihn: Bleibet hier, mein Ritter, bleibet bei mir. Hier ist es wahrlich schön, tausendmal schöner, als unter den Menschen da oben. Tannhäuser schüttelte traurig sein Haupt und sagte: Ich kann nicht, ich kann nicht, beste Frau. Und sie kniete nieder vor ihm und blickte ihn an mit ihren schönen Augen und flehte.
Nein, o nein, sagte er; ich kann nicht.
Sie hing sich an seinen Hals und weinte. Da riß er sich los und eilte hinaus; — und im Pilger-Kleide und mit dem Stabe in der Hand, wanderte er barfuß und barhaupt manchen Tag und kam nach Rom.
An demselben Tage aber war eine große Prozession; und Tannhäuser, der Ritter, fiel auf die Kniee vor dem Papste und rief:
Vergebet mir, o Vater, meine vielen Sünden!
Und es sprach der Papst: Dein Blick ist scheu, mein Sohn, und deine Wangen sind so hohl, sag an: Was hast du böses getan?
Und der Ritter sagte: O Vater, vergebt mir; ich wohnte im Berge bei Frau Venus.
Der Papst aber sprach darauf: Wohntest du da? — Wahrlich, so wie dieserStab in meiner Hand nie blühen kann, so kann ich dir solche Sünde nicht vergeben; — du bist verdammt hier und imJenseits.
Und Tannhäuser ging traurig und mit gesenktem Kopfe aus der heiligen Stadt.