Martha Meister: Habe keine Besorgnisse um mich, liebes Gretchen. Ich habe letzte Nacht wenig oder gar nicht schlafen können, — sonst ist es nichts.
Gretchen: Du hast nicht schlafen können? Dann bist Du krank, Martha.
Martha: Nein, Schwester. Ich versichere Dich, mir ist wohl; wirklich, sehr wohl; ich bin sogar glücklich.
Gretchen: So? Und davon wird manbleich? Das, Schwester, ist ganz neu für mich.
Martha: Weißt Du, Gretchen, ich habe in der letzten Nacht sehr viel denken müssen.
Gretchen: Ach, das böse Denken und Sorgen! Das ist recht häßlich! Das macht alt, bringt Falten in das Gesicht und macht die Haare grau.
Martha: Aber, Schwester, kann die Erde es hindern, daß die Gräsersprossen? Kann die Pflanze es hindern, daß die Knospen kommen? — Nun, so wenig können wir das Denken verhindern. Gedanken kommen von selbst.
Gretchen: Ist das so mit Dir? — Ich glaube, mit mir ist es anders.
Martha: Denkst Du nicht auch, Gretchen, daß es recht traurig ist, wenn ein großer Mensch nicht den rechten Platz gefunden hat in der Welt und in einem kleinen Zirkel schaffen muß ohne Freude?
Gretchen: Ja, das ist recht unglücklich für ihn. Dann ist er wie der Fichten-Baum, von welchem der Dichter singt: