Martha: Willst Du heute bei uns bleiben, Bella? Du könntest mit Schwester Gretchen plaudern. Wenn Mama und ich heuteVormittag ausgehen, werde ich diesen Strauß Deiner Mama bringen und ihr sagen, daß Du heute bei uns bleiben möchtest. Ist es Dir recht?
Bella: Das ist mir sehr lieb, Martha. Für wen hast Du alle diese Blumengepflückt?
Martha: DiesenStrauß gebe ich Dir, meine liebe Mama, und diesen stelle ich meinem Papa auf den Schreib-Tisch. Er ist gewohnt, jeden Morgen frische Blumen dort zu finden, — und diese Blumen kommen in das Hospital für die armen Kranken.
Frau Meister: Die Blumen kommen ihnen immer wie eine Himmels-Gabe. — Ich glaube, meine Tochter, es wird bald Zeit, daß wir gehen. Ihr aber bleibt ruhig hier; es ist hier schön.
Martha: Adieu, Gretchen; adieu, Bella. Auf kurze Zeit nur.
Frau Meister: Adieu, meine Lieben!
Bella: Ihr habt aber ein schönes Blumen-Haus, Gretchen.
Gretchen: Papa hat es für Martha gebaut. Sie liebt die Blumen.
Bella: Wer liebt nicht die Blumen? — Vorgestern Abend saß ich bei meiner guten Mama. Sie blicktetiefsinnig auf einen herrlichen Strauß, der vor ihr stand. Ich aber las ihr vor aus den Psalmen: »Die Himmel erzählen die Ehre Gottes« — ja,unterbrach mich Mama, — und die Blumen erzählen von der Liebe Gottes.
Gretchen: Ja, ja. Deine Mama liebt Blumen und Vögel und Musik und Poesie. Ihr geht es wie mir. Jede Blume ist für mich ein poetischer Gedanke der Natur. Begreifst Du das wohl? Viele Blumen haben auch einen Charakter wie die Menschen; das ist ganz gewiß wahr, Bella. An manchen kann man die Freude sehen, an anderen wieder dieSchwermut oder die Liebe, auch den Haß und denStolz oder dieBescheidenheit.