Also meine Schwester is schon Frau Dokter Moor. Sie sin auf der Hochzeitreise in unbekannte Lender. Es is Fride un Rue im Haus un Bettis Fiße kennen sich ausruhn. Sie sagte, sie thun ihr weh wi Zahnschmerzn, wi sie sich zu Bedt legte — forderhand fir einer Woche — aber Susann gab ihr fier fon ihre alte Kleider, die nich gut genug fir einer Braut warn, un die habn die Schmerzn prachfoll kurihrt. Ich hadte trotz allen eine sehr gute Unterhaltung auf der Hochzeit. Dokter Moor liß mich im Bedt lign, un gab mir Brechwurtz, alle 4 Schtundn eimal, aber ich schpukte es jedesmal aus. Ich blib aber in Bedt un echzte un schtellte mich greßlich krank un wi wenn ich nich schlukn kennt. Ich las dem ganzn Robinson un die Familje Robinson 3 mal, wi keiner schaute un am nachmitag fon der Forschtellung — di sehr nobl um finf Uhr wahr — kam Mamma herauf zu mir un sagte es tut ihr sehr leid, das ich nich mitkommen kann un auch dem Dokter, aber es were nich gut schon aufzuschtehn. Oh wi ich lachte, wie sie draußn wahr! Denselbn Momment hadte ich auch schon meinen Plahn fertig ihm grad so firn Narrn zu haltn, wi er mich wollte.
Ich konnte keine Kleider findn, außer ein paar zerißne Hosn in die ich den ganzn Winter den Higl hinuntergerutscht bin, weil Betti sie alle fortgetragn hadte, un meine Pantoffl aber es ging ganz gut, weil ich mir eine Deke fon Bedt nahm un durch den Gang in ein Hinterzimmer schlipfte — fon dort kledterte ich auf das Dach fon der Kiche un auf der Regnrehre hinunter ibern Zaun un rannte wi der Blitz durch die Gasse, weil schon keine Zeit mehr zu ferlirn wahr, dann durch eine Hintergasse un bis ich sicher wahr lif ich schnurgrad zur Kirche. Die Leite warn noch nich drinnen — ich war zufleiß so frih gekommen — aber der Meßner hadte schon aufgeschperrt un fing an die Lichter anzuzindn un wi er sich umdrehte, schlipfte ich hinein ferkroch mich unter der Kanzl un wiklte mich in der Deke ein, wi wenn es das weiße Gewand fon den Predger wer un lag ruig.
Ich war schtill wi eine Maus, wehrend der ganze Zeit, in der die ganze Befelkerung fon der Schtadt in der Kirche hereinschtrömte. Jeder Sitz wahr angefropft, obwol ich sie nich sah, herte ich sie doch raschln un wispern.
Nach langer langer Zeit, wi mir schon die Knie wehtatn, herte ich enlich sagn »da kommen sie!« Herr Slokem kam for der Sakrestei herein, die Orgl schpilte sehr sanff un die Zermonih fing an. Ich wartete bis zu der Schtelle wo er sagt: »Wenn jemand gerechte Grinde oder Hindernisse diser Ehe forzubringen hat —« dann schprang ich grad auf der Kanzl un sagte laut un deitlich: »Ich habe, Herr Geißlicher.«
So eine Menge fon iberraschte Gesichter hab ich noch nie gesehn. Die meistn fon ihnen schtandn auf un die Weiber krischn, wi wenn ich ein Bär wer. Susi wurde so bleich wi ein Geschpens un pakte den Dokter bein Arm, wi wenn si sich firchtn mecht, das er ihr fortlauft. Mamma un Papa un der Dokter echztn ein bischen — ich glaub sie fihltn sich entmutigt. Wi Herr Slokem noch heraufschtarrte um zu sehn, wer es is, redete ich schnell weiter, weil ich firchtete, das sie mich nich ausredn lassn.
»Ich mechte wissn ob es schön is gegn einen kleinen Bubn einen Dokter zum Schwager krign, der herzlos genug is, forzugebn, das er krank is un ihm Brechwurtz zu gebn um ihm im Bedt zu haltn, damit er nich mitkommen kann, wenn seine leibliche Schwester heiratet?«