»Was meins du?« fragte sie.
»Weil, wenn du wolltest,« sag ich, »bitte fahr nachaus befor Gesellschaff is. Sie wolln dich den Abend nich hir habn. Ich herte sie so sagn. Erzehl aber nich das ich dirs gesagt hab, Tante, sondern fahr nur ruig nachaus den Tag for nechstn Donnerstag un ich wer dir mein Lebnlang dankbar sein.«
Ich glaube es wahr nich schön fon ihr, zornig zu wern, wenn ich so heflich zu ihr redete — un ganz gemein war es, gleich heneinzulaufn um es zu erzehln, wenn ich sie ausdriklich gebetn hadte, es nich zu ferratn, was sie aber tat so schnell sie nur konnte, un den nechstn Tag wahr sie auf und davon un sagte sie wird uns nie un nie un nimmermehr besuchn.
Aber das is noch nich alles. Es scheint mein Papa hadte Geld fon ihr ausgeborgt, weil die Zeitn so schlecht sin un sie machte ihm Forwirfe, das er Gesellschaffn mit ausgeborgten Geld gibt. Der ganzer Zorn fon alle fiel auf mir armen 8 Jar altn Jungen. Un noch was andres fiel auf mir. Ich will dir nich di Schande antun, libes Tagbuch un heneinschreibn, was, es is genug wenn ich sag das sie das Kind ferdorbn habn, obwohl sie dem Schtock nich schpartn. Betti bedauerte mich un machte mir ein weiches Kissn aus einen altn Polster. Ich will nich ausgehn, damit die Jungen nich merkn es is was passihrt — die Zeit fergeht greßlich langsam. Ich mechte mir nichs draus machn Robinson zu sein. Wenn ich eimal groß wer, un einen kleinen Jungen hab, ich wer ihm nich so behandln. Ich mechte ihm nich beschtrafn fir etwas, was er gar nich tun wollte, sondern ihm dreimal in Tag mit Schaumkuchn fittern un seine eltern Schwestern nich so grob zu ihm schprechn lassn, als wer er ein Monstrem.
Die ganze Zeit war ich nich ruig wegn die Fotografihn. Ich glaubte jedn Augnblick, es muß herauskommen, was ich angeschtellt hab. Ein Tag nach den andern ferging, enlich kam der Gesellschaffsabend. Betti zog mir mein neies Gewand an, band mir meine schönste Krawatte um un schittete mir einen Liter parfehm auf mein Taschntuch, meine Schwestern predigtn mir eine halbe Schtunde, wi ich mich benemen muß wenn ich nich zubett geschikt wern will un lissn mich enlich in Sallohn kommen. Das ganze Haus war beleichtet, iberall warn Bukehs un ein Mann war da zum Klawirschpiln. Der Mund wesserte mir, wenn ich an dem Gefrornen dachte un den Kuchn, die Oranschen und das Scheleh, die Hihner un belegte Butterbröder die in Schpeißzimmer warn. Die Medchen schautn greßlich hibsch aus, in Weiße Kleider, die Loknwikl herausgenommen, die Augn hell un Blumen im Haar.
Die Gesellschaff kam an. Alle die jungen nobln Damen aus den Ort die zu uns kommen flegn, kamen — die Uhr schlug nein — der einzger Herr der da war, war Doktor Moor, der Susann heiratn wird. Meine Schwestern fingn an unruig auszuschaun. Ich zidterte in meine Schue.
Der Kerl bei den Peano schpilte un schpilte. Ein par fon die Medchen faßten sich um der Taillje und walztn herum aber es schin ihnen nich sehr zu gefalln. Die Uhr schlug halb zehn!!!
Oh wi mein schlechtes Gewissn mich henunterdrickte! Ich sagte zu mir selbs: »Die Bombe is geladn, die Lunte angeschteckt, jetz kann sie platzn!«