»Ein Folksfeß, Mamma. Wenn große Leite einen Oksn bratn, so glaub ich, kennen wir Jungen ganz gut ein kleinwinziges Kalb nemen. Es is beina schon fertig — wollt ihr alle dableibn un ein Schtikchen kostn? Wir habn auch eine Menge Obswein aus Henschens Keller. Wir wolln es ganz genau so machn, wi di großn.«
»Habt ihr das arme Ding lebendig gebratn?« schrih meine Schwester.
»Aber was, Elsbett, sihs du denn nich, das wir es tot gebratn habn?«
Es is sonderbahr, wi wenig manche Medchen wissn. Es is unferninftig fon Mamma, so einen Schpetakl zu machn, wegn einen elendn kleinen Kalb. Hansi wurde nachaus geschikt un keiner fon uns beidn krigte nich eimal zu kostn dafon — aber Papa konnte sich follschtopffn, so fihl er wollte, das weiß ich. Je älter ich wer, desto mehr Ungerechtigkeit erleb ich.
NB. Hansi erzehlte mir heit frih in fertraun, das er fergessn hat, dem Haan umzudrehn, weil er sich firchtete, das di Kechin im erwischt, un so is das ganze Faß foll Obswein ausgelauffn. Aber ein Trohst is uns doch geblibn. Ich herte Papa sagn, das es hibsch fihl Geld kostet dem Presedenntn zu wehln. Er sagte, es were ihm auch geschikt worn un gesagt, er soll es auf dem Plaz ferwendn, wo es am meistn nitzt. Ich glaube, das Kalb un der Obswein missn in di Ausgabn fir die Waal eingerechnet wern. Alles, was ich bedauer is nur, das sie nich auf dem Plaz ferwendet worn sin, wo sie am meistn genitzt hedtn — weil mir un Hansi nich erlaubt wurde, sie zu essn un zu trinkn. Wir wern aber nechste Woche noch eine Menge Schpaß habn. Der sommerschproßige Junge is heite frih dreimahl for unsern Haus auf un ab gegangen. Wenn Karoh nich auf der Eisnbahn getetet worn wer, mecht ich ihm auf ihm hetzn.
[Er mischt sich in Politik]
Libes Tagbuch, weißt du, das Lischen gestern in dem Brunn gefalln is? So ein Geschrei un Gekreisch hab ich noch nich gehert, wi im ganzn Haus wahr, di Leite lifn, um sie herauszuzihn, befor sie ertrunkn is un der Knech fon Hansis Fater kam so schnell wi er nur konnte, mit der Leitter heriber. Er liß sie henunter un fischte sie auf un brachte sie heraus un Elsbett pakte sie un Mamma rif ihr un der Kechin zu, nur schnell ein pahr Dekn zu wermen, weil sie so fom Wasser triffte un riß Elsbett das arme Kind weg — un zuletz fandn sie, das sie sich nich hedtn so zu tummln brauchn — es wahr gar nich Lischen, sondern ein falsches Medchen, das ich gemacht un heneingeworfn hadte — ich schaffte Lischen ruig hinter den Holtzschupfn lign zu bleibn, werend ich es heneinschmiß un dann schrih: »Oh, oh, oh! sie wird ertrinkn, oh armes Lischen!« Dann kamen sie gelaufn un sahn die Stropuppe im Brunnen un machtn dem greßlichstn Schpetakl. Es wahr wirklich ungerech fon Papa mich ohne Nachmal in meinem Zimmer zu schikn, weil die Leite ein falsches Medchen nich erkennen, wenn sies so sehn. Ich sagte ja nich, das sie ihm Brunn is, ich sagte nur: »Armes Lischen, oh! oh!« Un jetz hat jemann den Dekl offn gelassn un di Katz fihl henein, aber ich wahr zohnig un sagte kein Wort un heit is ein großes Gesuch um di Katz — was is nur geschehn mit ihr? — ich wer mich nich bemihn, es zu erklern, sie wern es bald genug wissn, wenn das Wasser fon ihre Iberbleibsel richt. Ich winschte, der Schleicher fon driber der Schtraße wer heneingefalln un hedt sich das neie blaue Gewand runihrt.