»Oh da sin sie,« sagte Mamma un schaute ganz erleichtert aus. »Wo ist Milly, Schorschi? Sag ihr sie soll zum Essn kommen un du komm auch. Es is Platz fir beide.«
»Oh wir schpiln Scharl Roß un Milly is ferlorn.«
»Wo is sie ferlorn?« sagte Mamma un lechelte.
»Oh filleich eine Meile fon hir,« sagte ich un setzte mich zun Tisch. Aber sie schprangen alle auf, wi wenn der Blitz eingeschlagn hedte un es hadte doch nur grad ein bischen gedonnert.
»Schprichs du im Erns?« fragte Papa un pakte mich bei der Axl, das ich glaubte ich muß schrein, so fest hilt er mich.
»Ja Papa. Wir wolltn es schpiln un sie wahr Scharly un ich war der Kerl der ihm enfihrte un ich liß sie ein gutes Schtik fon hir schtehn, damit man sie nich leicht findn kann. Ich bin jetz engslich weil es regnet, wi mit Heigabln. Ich glaube wenn ihr ein Schtikchen auf der Nordschtraße hinausgeht un in alle Zauneckn schaut, werdet ihr sie gleich findn.«
Keiner außer mir aß auch nur einem Munfoll Nachmahl. Frau Dennis schlug die Hende zusamm un sagte ihr Kind wird sich zu tod firchtn, sie erschrekt so for Blitz un Donner un sie wirde dem Tod dafon habn, das sie so durchneßt wird — alles zusamm zehlte sie filleich ein Dutzen Sachn auf fon di sie schterbn mißte, wenn man sie nich gleich findet. Aber ich sah gar nich ein, das man so eiln muß, sie wahr doch nich fon Zucker oder Saltz, aber ihre Mamma wahr greßlich aufgeregt.
»Du bist ein böser, Böser, BÖSER Junge,« sagte Susann, un riß mir den Kuchn for der Nase fort wi ich mir ein Schtick nehmen wollte.
»Wi kanns du die Frecheit habn, dich hir ruig niderzusetzn, wenn der armer kleiner Engl draußn ist in der kaltn kaltn Nacht! Was schaut da aus deiner Tasche heraus, du kleiner Thunichgut?«
»Nichs, nur Millys Haar,« sagte ich. »Ich mußte ihrs abschneidn sons hedtet ihr sie daran erkannt. Ihr mißt wissn, sie is ferkleidet. Ihr dürft kein Medchn suchn, sondern einen Jungen, ihr Haar is so kurz un sie is so sonnferbrannt, ihr werdet glaubn, sie is ein Westindejahner. Wenn ihr einem kleinen zerlumptn Bubn begegnet mit meine alten Kleider an, das ist sie.«