[Der letzte Strohhalm]
Ich hab alle Jareszeitn gern, besonderst Weinach weil es meistens so lustig is. Di Kechin is zo giftig weil sie Feffernisse backn muß un Fruchtkuchn oder Gefligl filln, das ein Junge nich eimal ein Pak Zibebn oder ein Schtik Zimmt nehmen kann ohne das sie ihm anschnappt wi eine Feierrakette. Sie will mir nich erlaubn mit di Muskattnisse Kugl zu schpiln oder den Leffl abzulekn mit den sie den Teig umrihrt oder mein Drumm Kreide auf ihrn nei'n Reibeisn abzureibn oder irgend ein bischen Schpaß in der Kiche zu habn. Ich muß die ganze Zeit draußn bleibn — es richt so gut drin, es is hart fir einen Jungen.
Elsbett un Susi wolln zu Neujahr Besuch empfangen. Sie sagn es macht schreklich fiel Unbekwemlichkeit alle Tag Besuch zu bekommen un eingemachte Austern forzubereitn oder Kaffeh un kaltes Huhn un Kuchn un immer die neu'n Kleider anzuhabn. Ich glaube ich sollte ein par fon die Kerle bidten den andern zu sagn, wegzubleibn, weil meine Schwestern sagn, es macht sofil Unrue.
Ich hab schon seit mehr als einer Woche ein Gedankn in Kopf. Ich war in obern Schtock un unten. Gestern probihrte ich aufs Dach zu krichn un im Schornstein henunter zu gukn, aber es war so schlipfrig das ich beina henuntergerollt wär un mich erschlagn hedt, so daß ich es aufgebn mußte. Ich untersuchte den Kamihn in Mammas Zimmer ganz genau. Ich kann bei meinen Lebn nich einsehn, wi der alter Kerl durch so ein enges Loch henunterkommen kann. Wenn er filleich schtekn bleibt, das wer ein greßliches Mallehr.
Ich winsche, ich wißte, was er mir bringen wird. Ich weiß, was mir meine Schwestern gebn wern, weil ich in eine Schachtl gegukt hab unter einer andern Schachtl in den Kastn in ihren Zimmer un ich sah ein par Schlidtschue fon ungefehr meine Greße eine greßlich hibsche Schreibmappe un ein par Taschnticher mit G. H. eingeschtikt. Also erzehlte ich dem Dokter Moor in fertraun, daß Susi ihm das hibscheste Rauchschakett schtikt, was man sich nur denkn kann, weil ich durchs Schlißlloch gukte un sie dran arbeitn sah.
Er sagte: »Du bist ein trauriger Schurke, Schorschi.«
Aber ich bin gar nich traurig, außer wenn Papa sagt: »Geh in dein Zimmer un warte bis ich komm.« Das macht mich erns.
Ich bin aber doch ein bischen traurig, weil Sankt Klaus sich nich durch unserm Schornschtein durchzwengn kennen wird. Es ligt mir immer im Kopf. Ich kann es nich abschidtln. Ich fragte Papa, ob er nich filleich die Maurer kommen lassn will un ihm greßer machn lassn, aber er schidtlte den Kopf. Er sagte, er hofft der alter Klaus wird gescheid genug sein un sich selbs in ach zu nehmen.