Das hadte Frau Pitkins geschribn. Ich hab es hir zum abschreibn in mein Tagebuch. Ich kann nich lign. Ich iberschrib es also, wi ich es habn wollte un las es sehr laut und schnell for. Sie wußte nich das ich es abgeendert hadte:
»Die Schule. Die Schule is schreklich. Kleine Jungen dern Eltern si in der Schule schikn, sin zu bedauern. Die armen Kinder auf der Schtraße unterhaltn sich besser. Sie schpiln fon frih bis abens templhipfn un Kugeln. Ich mechte liber ein Schtraßnjunge sein.
»Erziungsanschtaltn sin die schlechsten. Budter oder Eingemachtes krigt man nur eimal, Haferbrei is mehr da zum essn, als sons was. Man muß auf dem Kopf in der Ecke schtehn wenn man nur das geringste thut. Wenn ich groß wär un eine Schule hädt, ich wer nich so widerlich, wi Frau Pitkins. Das is alles was ich fon der Schule weiß.«
Ich glaub die Leite fandn es fir sehr gut fir so einen kleinen Jungen. Alle lachtn; der Professer un Frau Pitkins lachtn auch, aber so, wi wenns ihnen weh thäte. Wi sie wegwarn, un ich mir grad die Rihmen auf meine Schlidtschue festmachte, damit ich den ibrign nachmittag noch ein bißchen Schpaß hab, kam Frau Pitkins zu mir un sagte sehr siß:
»Du brauchs dich nich zu bemihn mit deine Schlidtschue, Schorschchen, du kanns den ibrigen nachmidtag im Schulzimmer bleibn un addihrn. Warum has du das abgeendert, was ich geschribn hab, du godtloser Junge? Du mußt fon Natur aus ferdorbn sein. Wenn dein Fater fir 2 Jungen bezaln mecht, wer es noch kein Ersatz fir di Mihe so einen schlechtn Jungen bei sich zu habn, der die andern Schiler ferdirbt!«
Sie fiehrte mich zum Schulzimmer, schtiß mich henein un ferschperrte die Thir. Ich hadte mich die ganze Woche auf Freitag gefreit. Ich konnte hern, wi di andern Jungen jauchztn un sich unterhiltn. Das Feier wahr ausgegangen. Ich hadte so Heimwe, das ich glaubte ich muß in 10 tausend Schtike zerschpringen. Bei jeder Zal di ich addihrn wollte, fihln mir die Trenen auf der Tafl, das ich den Schwamm gar nich in Wasser zu tunkn brauchte. Meine Finger warn so schteif, das ich das Ofnthirl aufmachte um zu schaun, ob das Feier noch brennt — es wahr grad nur eine Kohle mehr drin. Ich zerriß ein Schreibheft un legte das Linjahl drauf; es brannte wunderschehn. Ich schmiß noch eine Menge Rithmetikhefte drauf bis mir ganz warm wahr. Wi ich aber die Ofnrehre fest machn wollte, fihl das alte rostige Ding herunter. Ich konnte sie nich mehr festmachen. Der Rauch wahr greßlich. Ich schrie, weil es so in die Augn biß; dann fing ich an zu erschtikn. Ich pumperte an der Thir un rif Frau Pitkins sie soll mich herauslassn. Aber sie wahr mit den Schlißl in der Tasche in der Schtadt gegangen. Fräuln Haven sagte ich soll ein Fenster aufmachn un den Kopf henausschtekn, bis sie einen Mann findet, der aufmachn kann. Aber die Fenster warn fest eingefrorn un wolltn sich nich rihrn. Fräuln Haven draußn wahr greßlich außer sich. Sie schrie herein: »Schlage ein Fenster ein, Schorschi, befor du erschtikst!«
Ich fihlte mich ganz erleichtert, wi ich das herte. In zehn Menutn war nich eine ganze Scheibe in alle 5 Fenster. Ein Mann kam un brach di Thir auf. Der Professer war bleich for Wut, wi er di Ferwistung sah.