Fon Agnes sagt man sie is das hibscheste un modischte Medchen in der Schtadt. Unsre Lil is ferheiratet un weg; un so wahr Susi firchterlich eifersichtig un weinte bis sie nich mehr konnte un wollte nich zum Nachmahl henuntergehn, so das ich nich wußte wi ich aus der Kammer herauskommen soll. Ich glaubte ich muß zutot hungern, aber wi es sehr finster wahr schlipfte ich henaus, so schtill wi eine Maus. Wi sie ihrn Gummischuh nich fandn, sagte Elsbett immer, eine Ratte muß ihm weggeschlept habn, um drin zu schlafn.
Wi ich allein mein Nachmahl aß, nur mit Betti, di mir ein Schtik Pastehte brachte, die sie nich mehr zum Essn brauchte, iberlegte ich mir, ich bin zu schlecht etwas zu essn, außer Pastehte un noch ein Schtikchen Kuchn, wenn Susi sich obn mit langsamen ferhungern selbsmordn will, un dachte mir, wenn ich irgend was thun kann, um das Unglik gut zu machn, das ich angeschtellt hab, so will ichs thun. Ich sagte zu Betti: »Sage den Leutn, sie solln nich besorgt um mir sein — ich geh nur zu einen Freund un bin in einer halbn Schtunde wider zurik.«
Damit schlipfte ich aus den hintern Thor. Filleich 10 Menutn schpeter leutete ich bei Richter Schtein.
»Is Fräuln Agnes zuhaus?« fragte ich.
Sie sagte ja un so fragte ich, ob ich sie einen Momment sehn kann. Sie sagte: »Geh nur in den Sallohn hinein.«
Ich nahm dem Hut ab un ging henein.
Fräuln Agnes wahr bei den Peano, großartig angezogn, das Haar herausgeputzt, di Wangen rot.
Sie fing zu lachn an, wi sie mich sah.
»Wi gehts dir, Schorschchen?« sagte sie.