Ich schrie, er soll die Griffe auslassn, aber er sagte kein einziges Wort, wi wenn er tot wer un ich nahm ihm die Griffe aus der Hand un sagte ihm er soll sich aufsetzn, aber er herte mir nich zu un ich firchtete mich, weil ich ihm sehr lib hab un holte ein paar Menner, die auch durchs Fenster kledtern mußtn. Sie schpritztn ihm mit Wasser an un sagtn ich bin ein schlechter Junge — sie glaubtn ich hab ihm umgebracht un trugn ihm nachaus un seine Mudter wollte nich einmal schprechn mit mir. Ich glaube, sie hädte dankbahr sein solln, das er enlich nach langer, langer Zeit zu sich kam. Fom Dokter krigte ichs greßlich. Er sagte, ich runihre ihm seine ganze Prakses — di Leite firchtn sich, seine Medizihnen zu nehmen aus Angs, ich habe die Hende dabei gehabt — un das ich ein so liber, kleiner Junge bin, wi nur meglich, wenn ich mich anschtendig benehm, aber ich soll seine Sachn nich anrihrn.
Ich sagte ihm, es thut mir sehr leid — ich werde es auch nich wider thun. Ich wollte mein Ferschprechn auch wirklich haltn un wi ich das nechstemal bei ihm wahr, bemerkte ich eine Maus di immer in un aus ihren Loch kroch. Ich dachte, ich will ihm eimal eine Gefellikeit thun, weil ich ihm schon sofihl Schadn gemacht hab — un wi er am Abens zu uns zum Tee ging, schtekte ich die Katze im Ladn, damit sie schnell di Maus fangt un der Dokter sie nich sehn soll. Er ging zu Susi auf Besuch nach dem Nachmahl un ich fermutete, er wird zimlich lang dort bleibn. Wi er zur Potheke zurikkam, wo er im rikwertign Zimmer schlaft, herte er die greßlichste Katznmusik, wi wenn 1000 Katzn jammern mechtn. Er schperrte die Thir auf un zindete so geschwind er nur konnte ein Licht an.
Arme Miez! Die Maus war auf der Stellasch geschprungen, un sie ihr nach, weil alle Flaschn heruntergeschmissn un zerbrochn wahrn — so eine Beschehrung war noch nich da! die heßliche Medezihn auf seinen neien, hibschn Teppich — aber der armen Miezekatze gings am schlechstn. Eine Flasche mit Witreol war zerbochn un sie hadte dem Fuß heneingeschtekt, kein Wunder, das sie miaute un herumschprang wi ferrikt, so das sie dem Dokter wi er hereinkam grad ins Gesicht fuhr, aber er hob zum Glik den Arm auf — das redtete ihm die Augn — so das sie blos seine Nase un Schtirn zerkratzte — das machte ihm so komisch ausschaun am nechstn Tag — un wi er sie zuletz abschittlte, schprang sie direk zur Thir un nimand hat sie seitem gesehn. Das schrekliche Witreolöl fraß ein großes Loch im Teppich, was noch nich so arg gewesn wär aber es fihl auf dem Sofa, befor es auf dem Fußbodn rollte un goß eine Menge fon den greßlichn Schtoff über seinen neien Anzug, dem man ihm am selbn Tag gebracht hadte un in dem er heiratn sollte. Er wahr ganz runihrt. Ich glaub es wer noch nich so schlecht gegangen — arg wi es wahr — nur fing Susi, wi er am nechstn Morgn kam, um den Unfall zu erzehln, so zu lachn an, wi sie sein Gesicht foll Hefftpflaster sah un seine Nase 2 mal so groß wie gewehnlich, un sie lachte un lachte wi wenn sie nich aufhern kennt, bis er sagte: »Es mag fir sie Schpaß sein, Fräuln Hacker, fir mich is es der Tod. Ich habe genug fon ihren kleinen Bruder gehabt un auch fon ihnen — wenn das der ganze Dank is fir das, was ich schon hab ertragn missn. Ich glaube nich das ich in di Familjeh eines Jungen wi Schorschi heiratn werde. Un so lebn sie wohl Fräuln Hacker — fir immer!« un er schlug di Thir sehr fest zu un ging so schteif weg, wi wenn er gefrorn wer.
Dann aber ferging Susi das Lachn — aber es wahr alles umsons — er wahr nich bei uns seitdem, un das is 2 Wochn her; so schikte ich also ferschtohln di Anzeige zu der Zeitung un sie wird gewiß heneingesetzt wern.
Die ganze Familjeh is withend auf mir wegn der Katze un ich hab es doch nur in der bestn Absich gethan. Wer hedte es foraus wissn kennen, das Susann als alte Jungffer schterbn wird, blos weil ich di Katz in der Potheke fon ihren Bräutegamm liß, um eine Maus zu fangen? Das is nun einmal mein Pech. Ich bin ein sehr ungliklicher Junge. Susi ißt nich eimal sofihl wi ein Vogl zum lebn braucht un Elsbett orfeigt mich jedes mahl, wenn sie nur nah genug kommt, grad als ob der Dokter auch nur ein bischen früer zurikkäm, wenn sie mich orfeigt. Susann sagt, sie kennte ihm alles fergebn, bis auf dise Anzeige in der Zeitung: »es wahr nich die Schuld des Herrn.« Gut, war es filleich? Das sagte ich ihr auch, aber ich hoffe un bete, das sie es nich endekt, wer es gethan hat. Ich hab schon genug angeschtellt, ohne erwischt worn zu sein; das were der Kipflpunkt.
Gestern hadte Susi wider ein bischen zu weinen, di Medchen warn in ihren Zimmer un ich ferschtekt in ihrer Kammer nebnan, weil ich grad einen fon ihre Gummischue in Schtreifn zerschnidt, um mir einen Balln draus zu machn, un ich herte wi Elsbett ihr sagte, das man sich erzehlt der Dokter ginge jedn Abns zu Agnes Schtein.