—Unweit nördl. liegt das Kloster * Pi-yün-ssĕ[Bi-yün-ssĕ, »Kloster der nephritgrünen Wolken«], reich an herrlichen Marmorbauten; es wurde zur Zeit der mongolischen Yüan-Dynastie (1280-1364) gegründet, doch stammen die schönen Bauten meist aus dem 18. Jahrh., wo das Kloster ein Lieblingsaufenthalt der großen Mandschukaiser war. Einen sonderbaren Eindruck macht die Halle der 500 Lo-han[Lōŏ-han], das sind buddhistische Heilige; 500 überlebensgroße, aus Lehm geformte und vergoldete Figuren sitzen an den Wänden und in der Mitte einer ausgedehnten Halle. In einer Seitenhalle sind Hölle und Paradies in Tonfiguren dargestellt, die 18 Martern und 9 Belohnungen im Jenseits. Am Fuß der Berge von Pi-yün-ssĕ und Hsiang-shan ein Besichtigungsplatz der alten Mandschutruppen mit Pavillon des Kaisers, Beobachtungsterrasse der Kommandanten am Ende der Bogenschießbahn und einer Stadtmauersilhouette für Eskaladierübungen.—NW. von Pi-yün-ssĕ, von Bäumen halb verdeckt, liegt das schöne Kloster Yü-hüang-t'ing.
Weiter nö. liegt in einem Seitental das Kloster Wo-fo-ssĕ[Wōŏ-fōŏ-ssĕ], das »Kloster des liegenden Buddha« mit der Kolossalfigur des Buddha moribundus, die den geschichtlichen Gautama Buddha Sakhyamûni in dem Augenblick seines Eingehens in das Nirwana darstellt.—Nö. das Kloster Yi-kuan-ssĕ[Yi-gūăn-ssĕ], in dessen Nähe das Grab des nicht anerkannten Ming-Kaisers Ching Ti [Dyíng-di], der sich 1450-57 der Herrschaft bemächtigt hatte, nachdem sein Bruder, der Kaiser T'ien Shun [Tiĕn-schún] in der Schlacht bei T'u-mu-pu als Gefangener in die Hände der Mongolen gefallen war.—Nw. von Yi-kuan-ssĕ in einer Schlucht das sehenswerte Kloster Pao-tsang-ssĕ[Bào-dsang-ssĕ], 1439 von einem Lama aus Tibet gegründet, Sommerquartier der Eunuchen des Palastes. —Auf den anliegenden Bergabhängen fallen einige sonderbare Bauwerke in tibetischem Stil auf; sie sind von Kaiser Ch'ün Lung errichtet, bevor er die Eroberung Tibets begann, damit sich seine Gardetruppen im Erstürmen hochgelegener tibetischer Häuser üben sollen. Die Chinesen nennen diese Bauten Hsi-tsang-tien[Chi-dsung-diĕn, »Tibetische Hallen«].
Südl. von allen bisher genannten Klöstern liegt am Abhange der Westberge die Klosteranlage Pa-ta-ch'u[Bà-da-tschú] mit den Sommerquartieren der englischen Gesandtschaft.
Hat man mehrere Tage zur Verfügung, so empfiehlt sich auch folgende Tour:
1. Tag: Von Peking an den kaiserlichen Sommergärten vorbei über Wang-êrh-shan[Wàng-örl-schan] (schwieriger Paß! sonst Umweg um den Berg herum) nach Hei-lung-t'an[Hè-lung-t'án,»Teich des Schwarzen Drachen«] mit Tempel und hübschem Quellteich. Hier Frühstück. Dann weiter über das Kloster Wên-ch'üan-ssĕ[Wȫön-tchüĕn-ssĕ, »Tempel der warmen Quellen«] mit heißen Schwefelquellen und primitiven Badeeinrichtungen, nach dem schönen Kloster Ta-chüeh-ssĕ[Dá-dyüĕ-ssĕ, »Tempel der großen Erleuchtung«], früher Sommerquartier der deutschen Gesandtschaft.
2. Tag: Zu Fuß mit Führer auf ziemlich beschwerlichem Bergpfad (zweimaliger Auf-und Abstieg) in etwa 4-6 St. nach dem berühmten Wallfahrtsort Miao-fêng-shan[Miāŏ-fong-schăn], wo man am besten übernachtet; rüstige Fußgänger können auch nach Ta-chüeh-ssĕ zurückkehren.
3. oder 4. Tag: Zurück nach Peking.
Empfehlenswert ist auch die folgende oft erprobte Tour:
1. Tag: Entweder zu Pferde von Peking über T'áng-shan (Besichtigung der Quellen, des kaiserlichen Gartens und Frühstück) nach Ch'an-p'ing-chou[Tschàng-ping-djŏū], wo leidliches chinesisches Gasthaus, oder mit der Mongolischen Bahn nach Nankou und von dort zu Fuß oder mit Esel nach Ch'ang-p'ing-chou.—2. Tag: Besichtigung der Ming-Gräber (S.296 ). Frühstück am besten mitnehmen und Picknick bei den Gräbern. Dann am Fuße der Berge entlang nach Nankou (S.295 ).—3. Tag: Durch den sogen. Nankou-Paß bis zur Großen Mauer (S.296 ). Aufstieg auf der l. Seite, da r. die Mauer teilweise zerstört ist. Frühstück in einem der Türme, dann zurück nach (ca. 20 km) Nankou.

—4. Tag: Mit der Bahn zurück nach Peking oder zu Pferde am Fuße der Westberge entlang nach dem Kloster Ta-chüeh-ssĕ (s. oben).— 5. Tag: An den kaiserlichen Sommergärten vorbei zurück nach Peking (vgl. oben).

Ausflug nach der Großen Chinesischen Mauer und den Minggräbern.

Vgl. den Karton auf Karte S.275.

Man rechne 2-3 Tage. 1. Tag: Eisenbahn (Mongolische Bahn, 1909 bis Kaigan, 1911 bis Suiyüen, 510 km von Peking, eröffnet. In Kalgan Railway Hotel wie in Nankou; Fahrzeit 11 St., Fahrpreise Peking-Kalgan: I. Klasse $ 8,10, II. Kl. $ 5,40; Bahnhof vor dem NW.-Tor Hsi-dschi-mönn, wohin mit Auto, Wagen oder Rikscha) tägl. früh etwa 8,40 Uhr (Fahrplan ändert oft!) in 3 St. bis Ching-lung-chiao (Tching-lung-tchiāo) am Fuße der Großen Mauer (der Aussicht wegen stelle man sich auf die vordere Plattform, die Lokomotive schiebt, mehrere Tunnels). Von hier geht man etwa 1 / 2 St. bis zum Tor der Mauer. Rückfahrt mit der Bahn 6,43 Uhr Nm. ab Ching-lung-chiao (oder auf von Nankou aus vorausgeschickton Eseln) nach (44 km von Peking) Nankou, wo man im Railway Hotel (gelobt, Pens. $ 6) übernachtet. —2. Tag: Früh 1 / 2 -5 Uhr auf Eseln zu den Minggräbern, zum Tiffin ins Hotel zurück und 12,30 Uhr Mitt. Eisenbahn zurück nach Peking.—Ausrüstung wie S.295 beschrieben.
Der Ausflug führt in das nordwestl. von Peking sich hinziehende Gebirge, den Nankouschan, das infolge der rostförmigen, durch Bruchbildung entstandenen Anordnung seiner Höhen dem Verkehr und im besondern der großen Karawanenstraße, die von Peking über Kalgan durch die Gobi nach Urga, der Hauptstadt der Mongolei, und weiter über Kjachta nach Sibirien (und Europa) führt, große Schwierigkeiten bereitet. Auch der Bau der Bahn von Peking über den Nankoupaß nach Kalgan hat technisch große Schwierigkeiten verursacht. Anderseits besitzt Peking im Nankouschan eine starke natürliche, durch die Große Mauer noch künstlich verstärkte Sicherung. Der Warenaustausch zwischen China und der Mongolei, der früher ausschließlich und auch heute noch größtenteils durch Kamelkarawanen, erfolgt, ist sehr bedeutend; die Mongolei liefert an China vor allem die Produkte ihrer Viehzucht, China der Mongolei in erster Linie Tee.—Bis Nankou ist die Gegend eine einförmige Ebene, dann beginnt ein landschaftlich schönes Tal. Die Berge sind baumlos.

Man verläßt die Mandschustadt durch das NW.-Tor Têschêng-mên[Dōĕ-schong-mönn,»Tor der siegreichen Tugend«], am Gelben Tempel (S.291 ) und weiter nördl. am alten Mongolenwall T'u-ch'êng[Tú-tschong] des Khan Balik vorbei durch sandige Gegend über (10 km) Ching-ho[Tsching-hōŏ], nw. nach (23 km) Sha-hô[Schá-hōŏ, »Sandfluß«], mit chinesischer Herberge; vorher über eine schöne Marmorbrücke und hinter dem Ort eine siebenbogige Brücke. Die Straße, auf der man malerische mongolische Kamelkarawanen sieht, führt nnö. weiter, vorbei an (36 km) Ch'ang-p'ing-chou[Tschăng-ping-djŏū] (gute chinesische Gasthäuser), einer großen, alten, mit hohen Mauern umgebenen Kreishauptstadt.—Von hier aus kann man auf bequemem Weg (7 km nördl.) die Minggräber (S.296 ) erreichen, doch empfiehlt es sich, zunächst über (44 km) Stat. Nan-kou[Nán-kŏū] (210 m; Quartier im neuen Railway Hotel, am Bahnhof, gelobt, Pens. $ 6) zu fahren. Die Bahn fährt weiter; nach dem ersten Drittel des Passes vorbei an der Talsperre Chü-yung-Kuan[Dyü-yung-gwan] (200 m); dort ein Torturm (1258 erbaut), auf dem Hindureliefs, Buddhafiguren und siebenköpfige Schlangen und zwei Inschriften von 1345 in sechs Schriften: Sanskrit, Tibetanisch, Mongolisch, Uigurisch, Nuchên und Chinesisch.—Etwa 4 km aufwärts liegt die zweite Talsperre Shang-kuan[Scháng-kwan] (450 m). Etwas weiter aufwärts tauchen die ersten Bruchstücke der Großen Mauer auf. Vom Bahnhof Ching-lung-chiao (s. oben) erreicht man zu Fuß in ca. 1 / 2 St. die Paßhöhe Pataling ( Nankoupaß ) [Bà-da-ling, »die acht großen Berggipfel«], 633 m ü. M., wo die Große Mauer den Paß kreuzt.

Die Große Chinesische Mauer ( Wanlitschangtschöng = Mauer von 10000 Li, d. h. chinesischen Meilen, mongolisch Jagan Kerme = weiße Wand), das mächtigste Bauwerk der Erde, 2450 km lang, ist in drei Zeitabschnitten erbaut, zuerst zur Zeit der Punischen Kriege (von dieser Mauer sind nur Reste übrig), dann zur Zeit Karls des Großen als»äußere Mauer«von Schanhaikuan (S.329 ) bis zum Hoangho, den sie auf nahezu 40° nördl. Br. an der Grenze der Mongolei erreicht, von wo sie in sehr unregelmäßiger Linie westl. läuft und jenseit Kantschou auf etwa 39° nördl. Br. und 100° östl. L. in der Provinz Kansu endet. Diese Mauer ist nw. und nördl. von Peking doppelt (die Mauer bei Pataling ist im 15. Jahrh. von den Ming gebaut), so daß man etwa 130 km nw. von Pataling bei Kalgan nochmals auf eine Mauer trifft, von der aber nur noch Ruinen der Wachttürme erhalten sind. Außerdem lief eine zur Zeit Rudolfs von Habsburg von einem Mingkaiser erbaute, jetzt gänzlich verschwundene»innere Mauer«von Schanhaikuan nö. durch die Mandschurei als Palisadenwall. Die Mauer ist überall etwa 16,5 m hoch, unten 8 m, oben 5 m und mehr breit, mit guter Straße auf ihrer Plattform, mannshoher Brüstung auf beiden Seiten und regelmäßige Zinnen, Basteien und etwa alle 100 m Wachttürme; die Mauer windet sich malerisch über Bergkämme (bis 1700 m ü. M.), durch Täler und Abgründe. Jetzt stehen die Tore der Mauern offen und unbewacht; stellenweise liegen alte Geschützrohre in den Wachttürmen. Zweck der Mauer war der Schutz gegen Einfälle der Hunnen und Mongolen.

Man besteige die Mauer westl. (l.) vom Tor, Aufstieg bei der eingestürzten Stelle, gehe dann etwa 1 / 2 St. bis zum höchsten Wachtturm, von dem man prächtige *Aussicht über die Mauer, den Engpaß und die Gebirge hat. Etwa 4 km nö. unterhalb der Mauer liegt die ummauerte Stadt Ch'a-tao[Tschá-dao] (491 m; Herberge), wo man zur Not übernachten kann.

Von da führen die Eisenbahn und eine Karawanenstraße nach Kalgan ( Tschangkiakou; 200 km von Peking), 825 m ü. M., etwa 70OOO Einw.; Kalgan ist wichtiger Handelsplatz an der äußern Doppelmauer, an der Handelsstraße nach Kjachta, dem alten Überlandweg von Europa nach Peking. Die Mongolische Bahn, die durch die Mongolei hindurch an das sibirische Eisenbahnnetz angeschlossen werden soll, war Mitte 1911 bis Suiyüen, 290 km über Kalgan hinaus, betriebsfertig.

Nach Besichtigung der Mauer kehre man nach Nankou zurück (20 km von Pataling), wie oben angegeben, übernachte hier und reite am nächsten Morgen am Fuß der Berge östl. 8 km zu den * Minggräbern ( Mingling ). Sie liegen, je etwa 1 km voneinander entfernt, in einem halbkreisförmigen Tal am Fuße der dieses einschließenden Berge. Die Straße dorthin ist prachtvoll geschmückt durch Marmortore und überlebensgroße Marmorstatuen.