Die Peihan-Eisenbahn ( Imperial Peking Hankow Railway, auch Ching-Han Railway genannt), 1209 km, tägl. Frühzug (gegen 7 Uhr) in 12 1 / 4 St. bis Tschangtöfu (von da Frühzug in 10 3 / 4 St. bis Tschoumatien, von da wieder Frühzug in 10 St. bis Hankau, also 3 Reisetage). Jeden Di. Expreßzug mit Schlafwagen in 30 St., ab Peking früh 9,20, an Hankau Mi. 3 Uhr Nm.; Fahrpreis für den Expreßzug Peking-Hankau I. Kl. $ 65,40, II. 43,60; für gewöhnliche Züge I. Kl. $ 43,50, II. 29. Abfahrt vom Bahnhof der Ching-Han [Dying-Han], d. h. Peking-Hankau-Bahn, westl. vom Kaisertor.
Die Bahnlinie führt am Westrande der Großen Ebene entlang, nahe dem mauergleichen Randabfalle des westl. Gebirgslandes, der bis zum Hoanghodurchbruch südwärts als Taihangschan bezeichnet wird; er ist dadurch entstanden, daß der östl. Teil des einst weiter ausgedehnten Gebirgslandes in die Tiefe sank; die Große Ebene befindet sich jetzt an seiner Stelle. Der Gebirgsrand wird von den Flüssen in engen Schluchten durchbrochen und bereitet dem Verkehr zwischen dem Westen und dem Osten (auch dem Bau der Bahn nach Tayüenfu) große Schwierigkeiten; als Verkehrsweg sehr wichtig ist infolgedessen der Hoanghodurchbruch, der zwar der Schiffahrt wenig Nutzen, aber Raum für eine große Verkehrsstraße bietet und jetzt auch schon von einer Bahnlinie benutzt wird. Die Große Ebene greift hier in einem spitzen Winkel ins Gebirgsland ein. Wie die Berge waldlos und kahl, so ist auch die Ebene in ihrem nördl. Teil steppenhaft und außerhalb der zahlreichen Dörfer fast baumlos. Je weiter man aber nach S. kommt, um so freundlicher wird die Landschaft; schon in der Gegend des Austritts des Hoangho aus dem Gebirge, einer der fruchtbarsten und dichtest besiedelten in ganz China, wechseln die Felder der Chinesen vielfach mit Baumgruppen, Obstpflanzungen, Gräberhainen u. dgl., dann werden am südl. Honan die subtropischen Hartlaubpflanzen immer häufiger, Teestrauch und Bambus erscheinen, und das Landschaftsbild nähert sich dem Südchinas immer mehr. Die Bahn führt hier an den östl. Ausläufern des Tsinlingschan (S.300 ) entlang und übersteigt schließlich das Hwaigebirge (Hwaijangschan), das, wie S.215 angegeben, als Fortsetzung des Tsinlingschan das östl. Nord-und Südchina scheidet, und erreicht bald darauf Hankau.
Die Bahn tritt aus der Chinesenstadt beim Tore Hsipienmön (Chí-biĕn-mȫnn) zwischen dem Tempel des himmlischen Friedens, T'iĕn-ning-ssĕ, (l.) mit zwölfstöckiger Pagode, der ältesten in Peking, in schönem Park, und dem taoistischen Kloster der Weißen Wolken, To-yün-kuan, (r.), fährt bei (7 km) Wanghailóŭ am Rennplatze (l.) vorbei und überschreitet auf 450 m langer, 15bogiger Brücke den Hunho; l. sieht man in 5 km Abstand die sogen. * Marco Polo-Brücke, von dem berühmten venezianischen Reisenden Marco Polo zuerst beschrieben (chines. Lu-kou-ch'iao[Lú-gōŭ-tschiáo, »Schiffgrabenbrücke«]), 1189-94 aus Marmor erbaut; sie hat 11 Bogen und trägt auf dem Steingeländer je 140 Säulchen mit Löwenfiguren auf jeder Seite; die Brückenköpfe bilden zwei Pavillons mit gelben Ziegeldächern, unter denen kaiserliche Inschriften auf Tafeln stehen.— Bei (21 km) Ch'ang-hsin-tien (Tschàng-chin-diĕn) sind die Eisenbahnwerkstätten. —Von hier Ausflug auf Eseln in 3 St. zum Kloster Chich-tai-sze[Dyīĕ-tai-ssĕ], aus der Zeit der Tang-Dynastie (8. oder 9. Jahrh.), mit breiten Terrassen, alten Bäumen und interessanten Tempeln am Gebirgshang; es ist jetzt Sommerquartier der deutschen Gesandtschaftswache. (Von hier 2 St. zu Esel zum Kloster Tan-chê-sze[Tàn-djōĕ-ssĕ].) Eisenbahn weiter über (31 km) Lianghsiang-hsien[Liang-chiang-chiĕn], Kreishauptstadt, und über (64 km) Cho-chou[Djōŏ-djŏū], eine sehr alte, um 200 v. Chr. gegründete Stadt mit großen Mauern, nach (84 km) Kao-pei-tien[Gàŏ-bê-diĕn].
Zweigbahn von hier nach (35 km) Liang-yu-chuang ([Liàng-yō-djwáng]; bei diesem Tempel steht der Sarg des 1908 verstorbenen Kaisers Kuang Hsü bis zur endgültigen Beisetzung vorläufig aufgebahrt. Das ca. 6 km davon gelegene Mausoleum [sehr interessante Bauart!] soll in etwa 4 Jahren fertig sein); dann zu Esel etwa 1 St. nach * Hsiling[ Chi-ling ], den »Westgräbern« der herrschenden Dynastie (Besichtigung gestattet), wo man beim Kommandanten Meh-dajen gegen Gastgeschenk (Wein, Kaffee, Sekt, Zigaretten) gute, saubere Unterkunft im Fremdenzimmer findet; zum eignen Gebrauch Feldbett und in der heißen Zeit Moskitonetz mitnehmen. Wer Zeit hat, sollte im Frühling oder Herbst mehrere Tage auf den sehr lohnenden Ausflug verwenden. Dann mit Pony durch schöne Landschaft bergan zum Tze-ching-kuan[Dsĕ-dying-gwă mit Gasthaus und Tempel; von der Mauer des Passes (501 m) *Aussicht auf die Große Mauer (S.296 ). Hier fanden am 28. und 29. Okt. 1900 Gefechte deutscher Truppen unter Major v. Förster statt. (Von Hsi-ling bis Tze-ching-kuan und zurück sind 40 km, also eine anstrengende Tagestour; nur mit Pony, den man aus Peking mitbringen muß.)
Die Hauptlinie läuft von Kaopeitien über (92 km) Tinghsinghsien und (122 km) An-su-hsien nach (146 km) Paotingfu[ Báu-ding-fu ], Hauptstadt der Provinz Tschili, mit 80000 Einw.; die Stadt ist seit 1402 mit Mauern umgeben und hat seit 1901 eine Universität.— Eisenbahn weiter über (178 km) Wangtuhsien nach (262 km) Tschöngtingfu[ Dschĕng-ding-fu ], einer großen, mit Mauern umgebenen Kreisstadt, Sitz eines Bischofs der katholischen Lazaristenmission und des sehenswerten Klosters Tafouo, erbaut 586, mit großem bronzenen Buddhastandbild, einer großen Gebetmühle, sehr alten Wandgemälden und einem Standbilde der Göttin der Fruchtbarkeit.
Zweigbahn. Von Schikiatschwang bei Tschöngtingfu führt eine schmalspurige Gebirgsbahn ( Cheng-Tai Railway ) durch den Südzweig der Großen Mauer in etwa 1000 m Paßhöhe und durch die malerischen Landschaften des unwegsamen Taihangschan über Pingtingtschou (950 m) und Schouyang (1480 m) nach (243 km) Taiyüenfu (930 m), mit etwa 250000 Einw., am Fönnho, einem Nebenfluß des Hoangho, am Nordrand eines fruchtbaren, lößerfüllten Talbeckens, Hauptstadt der Provinz Schansi, mit berühmten Unterrichtsanstalten, Kunststickereien, Weinbau und Waffenfabriken.
Die Provinz Schansi enthält gewaltige Eisen-und Kohlenlager, die aber aus Mangel an Verkehrsmitteln noch fast nicht ausgebeutet werden können; auch der Ackerbau steht wegen der hohen Meereslage nicht sehr in Blüte. Trotzdem wohnen in Schansi die reichsten Leute Chinas, da seine Bewohner den Warenaustausch zwischen Südchina und der Mongolei vermitteln (eine wichtige Handelsstraße, auf der unaufhörlich Kamel-und Maultierkarawanen mit Salz, Tabak, Mehl etc. verkehren, durchzieht die Provinz von N. nach S.) und dadurch einen sehr regen Handelsgeist erworben haben; sie leben daher in ganz China als Bankiers (Angehörige der»Schansigilde«) und kehren später als reiche Leute zurück. Landschaftlich ist die Gegend von Taiyüenfu schon richtiges, gelbes Lößland.
Sibirische Bahn.
Die Hauptlinie fährt von Tschöngtingfu über Schuntöfu, eine alte, mit Mauern umgebene Stadt, dann über (507 km) Tschangtöfu und Weihweifu, kreuzt bei (614 km) Hsinhsiang die Bahnlinie von Taokou nach Tsinghua, den Kohlengruben der Provinz Schansi, und erreicht nahe vor (694 km) Tschöngtschou ( Chengchow ) den Hoangho, der auf einer 2700 m langen Brücke überschritten wird. In Tschöngtschou kreuzt die Hauptbahn die Bahnlinie von Kaiföngfu nach Honanfu ( Pienlo Railway genannt, der Anfang der großen chinesischen Mittellandbahn [ Central Trunkline ], die ostwärts nach Tschinkiang [S.255 ], westwärts über Tschöngtu [S.263 ] und Suifu [S.263 ] bis Yünnan geführt werden soll).
Tschöngtschou liegt an der Stelle, wo der Hoangho, der oberhalb zwischen hohen senkrechten Lößwänden fließt, von diesen verlassen wird, wo also die untere, durch die häufigen Laufverlegungen berüchtigte Strecke des Stromes beginnt. Hier war es denn auch, wo am 28. Sept. 1887 der angeschwollene Hoangho den rechtsseitigen Deich ganz unvermutet durchbrach und sich durch die Talebene des Schaho dem Hwaiho zuwälzte, halb Honan u. Ngauhwei unter Wasser setzend.
Abstecher nach Honan und Kaiföng. Von Tschöngtschou auf der Piënlo-Eisenbahn westwärts am Nordrande des bis 2665 m hohen Gebirges Sungschan entlang über (20 km) Yungtsō und (60 km) Kunghsien nach (120 km) Honanfu (165 m), am Loho, dem r. Nebenfluß des Hoangho, als alte Kaiserresidenz früher Loyang genannt; in ihrer Umgebung viele prächtige Gartenanlagen und Grabmäler alter chinesischer Kaiser.—Von Tschöngtschou ostwärts führt die Piënlo-Linie über (30 km) Tschungmou nach (60 km) Kaiföng ( Piëntschöng ), Hauptstadt der reichen, fruchtbaren Provinz Honan mit 160000 Einw., 15 km südl. vom Hoangho in gut bewässerter Ebene gelegen, mit Mauern von 14 km Umfang. Der 40 km lange Außendeich, der die Stadt umgibt, obgleich auch die Hoangho-Ufer eingedeicht sind, bezeugt eindringlich die stete große Gefahr, in der diese fruchtbare Gegend beständig schwebt. Im nördl. Teil der Stadt liegt ein ummauertes Mandschuviertel. Kaiföng hat zahlreiche Pagoden, sechs Moscheen und Reste einer einst blühenden (chinesisch-)jüdischen Gemeinde. Der Gouverneur von Honan und viele Provinzialbehörden residieren in Kaiföng; wichtig ist der Handel mit Getreide und Salz.
Über (901 km) Tschumatien und Hsinyangtschou (von hier Verbindungsbahn über Föngyang nach der Tientsin-Pukou-Bahn [S.275 ] im Bau) tritt die Bahn in das Gebirge Hwaiyangschan, in dessen Granit sie auf 50 km Länge eingeschnitten ist; in 200 m Meereshöhe durchbricht ein 350 m langer Tunnel das Gebirge und erreicht dann bald (1209 km) Hankau (vgl. S.259 ).