Vgl. die Karten bei S.301,215 und271.
Reiseweg von Berlin über Thorn, Alexandrowo, Warschau, Moskau (oder über Wirballen, St. Petersburg, Jekaterinburg), Tscheljabinsk, Irkutsk, Mandschuria nach Charbin; von hier östl. weiter nach Wladiwostok (Dampfer nach Japan) und südl. über Mukden nach Dairen (S.323; Dampfer nach Tsingtau und Schanghai) oder Peking (S.328 ) oder Söul (S.331 ).
Fahrzeiten: Berlin-Moskau (1949 km) 37 oder 40 St.; Moskau-Mandschuria (6532 w) 8 Tage; Mandschuria-Wladiwostok (1605 w) 1 1 / 2 Tag, insgesamt (401 km und 8137 w) mit Aufenthalt rund 11 Tage. Expreßzüge bis Peking in 12 Tagen von Berlin; bei günstigem Dampferanschluß in Dairen kann man die Reise Berlin-Tsingtau in etwa 13 Tagen, nach Schanghai in 14 Tagen machen.
Fahrkarten: Von Berlin nach Moskau Nordexpreß nur I. 130,50 M., Berlin-St. Petersburg I. 115,05 M.; von Moskau nach Irkutsk I. Kl.-Fahrkarte mit allen Gebühren 167,70 Rubel, II. Kl. 110,50 Rubel. Von Moskau bis Charbin I. 279,25, II. 182,39 Rubel; bis Wladiwostok I. 328,50, II. 213,82 Rubel. Beim Lösen der Fahrkarte ist anzugeben, ob man »Raucher«, »Nichtraucher«, »Damenabteil« und »untern Schlafplatz« oder »obern« haben will.
Die Schlafwagengesellschaft gibt folgende direkte Fahrkarten aus: Berlin-Charbin (über Moskau I. 581,20, II. 367,40 M.), Berlin-Wladiwostok (über Moskau I. 673, II. 424,75 M.), Berlin-Nagasaki (über Moskau und Wladiwostok I. 785,35, II. 537,05 M.), Berlin-Schanghai (über Moskau und Dairen I. 847,95, II. 599,75 M.). Die direkten Fahrkarten über St. Petersburg kosten I. ca. 35, II. ca. 22 M. mehr. Direkte Fahrkarten Berlin-Peking und Berlin-Tsingtau werden demnächst eingeführt.
Nordexpreß und Schlafwagen. Di. geht ein Nordexpreß von Berlin, Bahnhof Friedrichstr., frühmorgens nach Warschau in 10 St., bis Moskau in 37 St. Speisewagen und Schlafwagen laufen zwischen Berlin und Alexandrowo sowie Alexandrowo-Warschau und Warschau-Moskau, ferner Moskau-Irkutsk. Do. u So. je ein Nordexpreß von Berlin über Königsberg, Wirballen nach (1641 km) St. Petersburg mit Speise-und Schlafwagen in 30 St. Näheres, auch wegen Vorausbestellung der Schlafplätze und Fahrkarten, bei den Agenturen der Internationalen Schlafwagengesellschaft in Berlin (Unter den Linden 57/58), Warschau (Wolowa-Straße 42), St. Petersburg (Newsky-Prospekt 22), Moskau (Semlianoj Val, Jakovlevsky, Periulok, Haus Roop log 4), Irkutsk (Ecke Troitzkoje-Straße und Spasso Luterianskoe), Charbin, Wladiwostok, Mukden, Peking (Grand Hôtel des Wagons-Lits), Dairen, Tschimulpo und Söul: Rondon & Co.
Die Sibirischen Luxuszüge ( Transsibérien-Expreß ) gehen Mi. und Mo. abds. ab Moskau, und zwar Mi. mit Luxuswagen der Schlafwagengesellschaft, Mo. mit guten Salonwagen der russischen Staatsbahn (Kronswagen genannt). Ankunft der Züge in Irkutsk Di. und Fr. Ein Kronszug geht Sa. Vm. ab St. Petersburg über Tscheljabinsk, an in Irkutsk Fr. Von Irkutsk laufen wöchentl. drei Luxuszüge nach Charbin und Wladiwostok; ab Irkutsk Fr. So. Di.; in Charbin Mo. Mi. Fr.; in Dairen Di. Do. Sa.; in Peking Mi. Fr. Sa.; in Wladiwostok Mo. Mi. Fr. Ausführliche Angaben und den neuesten Fahrplan dieser Luxuszüge enthält der »Guide français et russe du Transsibérien-Express«, zu haben bei den Agenturen der Internationalen Schlafwagengesellschaft, bei denen man auch Plätze vorausbestellt. Im Frühling und Sommer sind die Züge so besetzt, daß man gut tut, einige Wochen vorher Plätze bei der Internationalen Schlafwagengesellschaft vorauszubestellen! Das Deutsche Reichskursbuch (Nr. 608) enthält den Fahrplan für diese Züge bis Wladiwostok, Dairen und Peking. Abfahrten von Berlin Di. früh mit Nordexpreß, Fr. abds. mit Schnellzug über Moskau, Do. abds. mit Nordexpreß über St. Petersburg.
Wer gemächlicher, interessanter und billiger (von Berlin bis Wladiwostok für ca. 200 M.) reisen und unterwegs das russisch-sibirische Volksleben kennen lernen will, benutze auf der Sibirischen Bahn den dem Lokalverkehr dienenden, aber von Tscheljabinsk bis Irkutsk durchfahrenden Postzug (je 1 Zug tägl.). Er bietet gleichfalls Schlafgelegenheit, und durch Verständigung mit dem Schaffner kann man es ganz bequem haben. Auf allen größern Stationen werden gute Eßwaren feilgehalten. Die Benutzung dieses Postzugs ist jedoch nur Russisch Sprechenden zu empfehlen.
Wagenwechsel in Alexandrowo, Warschau (Nordexpreß nicht, Bahnhofwechsel vgl. S.304 ), Moskau (Bahnhofwechsel vgl. S.305 ), Irkutsk; für Dairen noch in Changchun (S.324 ), für Peking noch in Mukden.
Einrichtungen der Wagen. I. Kl. ist blau, II. gelb, III. grün. Die russischen Schlafwagen sind besser als die deutschen. Waschraum ist überall vorhanden, aber oft mangelhaft; im Speisewagen des Sibirischen Luxuszuges befindet sich auch eine Badekammer. Gummiwaschbecken, Wasserkanne, Handtuch und Seife, Wäsche, Kopfkissen, wollene Decke, zuverlässige Handlaterne halte man selbst bereit.
Man tut gut, sich durch Zahlung von 1 / 2 Fahrkarte, 1 / 2 Schnellzugzuschlag und einem vollen Schlafwagenzuschuß ein kleines Abteil (nur in I. Kl.) für sich zu nehmen, was viele Vorteile hat, auch am besten gegen Diebstahl etc. sichert, da man das Abteil verschließen kann. Auf der Sibirischen Bahn wird sehr viel gestohlen; insbesondere achte man auf Brieftaschen und Pässe. Während der Mahlzeiten im Speisewagen lasse man vom Schaffner sein Abteil verschließen. Alleinreisende Damen müssen in jeder Hinsicht, auch gegen fremde Mitreisende, sehr vorsichtig sein! In der Mandschurei entferne man sich nicht zu weit vom Bahnhofe. Geld nehme man wenig mit, sondern Kreditbriefe an deutsche Firmen oder Banken, z. B. Deutsch-Asiatische Bank in Schanghai. Kunst & Albers in Wladiwostok etc. Vorausbestellung der Plätze ist anzuraten (s. oben). Die Lüftung der Wagen läßt oft viel zu wünschen übrig.
Eisenbahnzeit ist für die russischen Fahrpläne bis nach Wladiwostok Petersburger Zeit, d. h. 1 St. 1 Min. vor gegen M. E. Z., ebenso auf den Bahnhöfen bis Mandschuria, von da ab Charbiner Zeit, d. h. 7 St. 25 Min. vor gegen M. E. Z.
Bahnpersonal ist sehr höflich und auch meist zuverlässig; die Schaffner verstehen zuweilen etwas Deutsch, ebenso die Kellner des Speisewagens. Unter den mitreisenden Russen werden stets einige Deutsch verstehen und liebenswürdig Hilfe leisten bei Verständigungsversuchen. Fahrtunterbrechungen muß man sofort dem Stationsvorstand melden, außerdem vor Fortsetzung der Reise die Fahrkarte am Schalter abstempeln lassen.
Verpflegung soll im Speisewagen des Luxuszugs gut sein, in den Kronszügen besser (gut bürgerlich und preiswürdig), aber da die Bedienung knapp, muß man frühzeitig bestellen und doch oft länger als 1 St. warten. Wenn der Zug stark besetzt ist, wird Frühstück und Mittag in zwei Folgen gereicht; bei der Folge, mit der man anfängt, bleibt man für die ganze Reise. Auf Stationen mit größerm Aufenthalt (nur wenige) kann man in russischen Delikatessen: Kohlsuppe, Kaviar, Stör, Lachs, Sardellen etc., schwelgen. Empfehlenswert ist gelegentlich ein echter Wodka (Regierungsschnaps); unabgekochtes Wasser meide man wie Gift. Für die Fahrt durch die Mandschurei und China halte man Vorrat an Konserven, Kakes, Schokolade, Rotwein, Zitronen oder Fruchtsaft; dazu Geschirr.
Reiseapotheke ist im Speisewagen; ein Schlafwagenführer jedes Zugs ist als Krankenwärter ausgebildet. Ärztliche Hilfe telegraphisch auf großen Stationen bestellen.
Gepäck nehme man so wenig wie möglich mit, da die Gepäckfracht sehr teuer ist, man auch sehr viel Scherereien beim Zoll und beim Umsteigen hat; man schicke großes Gepäck 4-6 Wochen früher mit Frachtdampfer (der Hamburg-Amerika Linie oder des Norddeutschen Lloyd) voraus nach dem zweckmäßigsten ostasiatischen Hafenplatz. Gepäck aus Deutschland nach Moskau vorausschicken, ist sehr unzweckmäßig, teuer, macht auch große Zollschererei. Freigepäck 50 kg auf Fahrkarten, die außerhalb Rußlands gelöst sind, in Rußland nur 24 1 / 2 kg. Zuschlag für je 4 kg von Moskau nach Wladiwostok 2,69 Rubel, bis Schanghai 2,89 Rubel. Handgepäck wird viel in die russischen Schlafwagen mitgenommen.
Zolldurchsicht ist meist sehr streng, erfolgt auf Hinfahrt in Alexandrowo (russisch) und Mandschuria (chines.), auf Rückfahrt in Mandschuria (russisch) und Alexandrowo (deutsch). Gepäckträger besorgt das aufgegebene Gepäck an die Zollschranke, wenn man ihm den Gepäckschein gibt. Um Schwierigkeiten zu vermeiden, nehme man nur bereits getragene Kleider, Wäsche, Stiefel, Handschuhe etc. mit; man meide das Mitnehmen von Zeitschriften und Zeitungen, da diese zur Zensur zurückbehalten werden; sogar zum Einwickeln benutze man kein Zeitungspapier. Zigarren (bis 100 Stück) und Tabak sind nur in angebrochener Kiste zollfrei, ebenso Mundvorrat an Wein etc. Waffenerlaubnis ist durch die Kaiserliche Botschaft in St. Petersburg mindestens einen Monat vorher einzuholen; für Fahrrad oder Automobil ist der Zoll an der Grenze zu hinterlegen, er wird bei späterm Nachweis der Wiederausfuhr zurückerstattet. Spielkarten, Schießpulver u. a. werden mit Beschlag belegt.
Paß muß in Deutschland vom russischen Konsul visiert sein und gilt sechs Monate. Die Paßvorschriften in Rußland sind sehr streng: an der Grenzstation Alexandrowo wird der Paß von einem Gendarmen abgenommen, nach der Zollbesichtigung des Gepäcks fordert man sich den Paß zurück. Wer keinen vorschriftsmäßigen Paß hat, muß sofort nach Deutschland zurück. Für Israeliten gelten besondere Vorschriften. In jeder Stadt, wo man sich aufhält, muß der Paß zur Polizei geschickt werden zur Anmeldung. Man trage ihn stets bei sich und fordere sofort den Beistand des deutschen Konsuls, wenn man Schwierigkeiten mit russischen Behörden hat. Für längern Aufenthalt als sechs Monate in russischem Gebiet gelten besondere Vorschriften; man reicht den Paß der Gouvernementskanzlei ein, erhält dafür einen russischen Aufenthaltsschein für ein Jahr. Auch muß der Paß durch die Polizeibehörde vor der Abreise aus russischem Gebiet mit Erlaubnisvermerk versehen sein, daß man abreisen darf; wer einen russischen Aufenthaltsschein hat, muß vor der Abreise einen Reisepaß lösen. Wer aus Deutschland nach Ostasien oder umgekehrt nur durch Rußland hindurchfährt, bedarf außer dem Eintrittsviso des russischen Konsuls (in Deutschland oder Ostasien) keiner Erlaubnis zum Verlassen Rußlands; der Vorweis einer durchgehenden Fahrkarte Berlin-Peking etc. genügt.
Geld. Man rechnet in ganz Rußland nach Rubel zu 100 Kopeken. 100 Rubel Papier kosten 215-216 M. Geprägte Münzen laufen um: in Gold 15, 10, 7 1 / 2, 5 Rubel (15 und 7 1 / 2 sind selten); in Silber l Rubel und 50, 25, 20, 15, 10, 5 Kopeken; in Kupfer 5, 3, 2, 1 Kopeken. Papiergeld: 500, 100, 50, 25, 5, 3 und 1 Rubel. Die Moskauer Banken zahlen auf Schecks nur nach Eingang des Avis; außerdem sind sie So. und noch in der Woche an sehr vielen russischen Feiertagen geschlossen. Wer nicht längern Aufenthalt in Moskau nimmt, lasse sich also kein Geld dahin zur Auszahlung überweisen.
Entfernungsangaben in Rußland nach Werst (abgekürzt»w«) = 1,067 km.
Russische Sprache. Die Mitnahme von Meyers Russischem Sprachführer (3 M.) ist dringend anzuraten. Da die Sprache sehr schwierig ist, tut man gut, außerdem vorher in Deutschland einige Stunden Unterricht in Lesen und Aussprache zu nehmen.
Von Berlin nach Moskau.
Eisenbahn von Berlin über Thorn, Alexandrowo und (627 km) Warschau nach Moskau 1949 km in 37 (Nordexpreß, s. S.302 ) und 40 St.
Von Berlin nach (401 km) Alexandrowo (Bahnwirtschaft, gut), russischem Grenzplatz; Paß-und Zolldurchsicht, etwa 1 1 / 4 St. Aufenthalt. Nun Fahrt durch die öde Weichselebene Polens über (34 w von Alexandrowo) Wloclawek (Bahnwirtschaft), alte Stadt mit 30000 Einw., und (86 w) Kutno (Bahnwirtschaft) nach (148 w) Skierniewice, Ort der Dreikaiserzusammenkunft im Jahre 1884 im Schloß südl. der Bahn; dann
(211 w) Warschau, Hauptstadt Polens mit 764054 Einw.; Ankunft auf dem Wiener Bahnhof am r. Weichselufer. Nur der Nordexpreß (S.302 ) wird auf Verbindungsbahn nach dem Brester (Moskauer) Bahnhof überführt; zu den Schnellzügen muß man mit Droschke (ca. 1 / 2 St. Fahrt) zum andern Bahnhof fahren. Das nach Moskau oder weiterhin aufgegebene Gepäck geht stets bis Moskau durch, ebenso umgekehrt.
Gasthöfe: Hôtel Bristol;— Hôtel de l'Europe, 235 Z. 1,50-15 R.;— Hôtel Brühl, Kotzebuestr. 12; 65 Z. 1,50-4,50, F. 0,40, Dej. 1, T.d'h. 1,25 R., und viele andre.— Cafés: Nitsche im Hôtel Bristol; Lourse im Hôtel de l'Europe; Jackowski im Sächsischen Garten u. a. — Post: Wareckiplatz; Tel.: Kotzebuestraße 3.— Droschken nach Tarif.— Generalkonsulate: Deutsches Reich, Aleja Jerozolimskaja 45, Freiherr von Brück; Österreich-Ungarn, Aleja Jerozolimskaja 23, Konsul Maurig v. Sarnfeld.