An der Ōfunazweigbahn (S.391 ) ist die nächste Station hinter Kamakura Zushi, der Bahnhof für das reizende Seebad Hayama (Gasthöfe: Hirayama Hotel; Chōjaen ), das 2,5 km sw. von Zushi an der Sagamibucht liegt. Etwa 3 km sö. von Hayama liegt das vorzügliche Seebad * Chōjasaki mit gutem Gasthof; in der Nähe ein Winterschloß des Kronprinzen. Endstation der Ōfunazweigbahn ist Yokosuka (Photographieren verboten! Gasthof: Mitomiya; europ. Restaurant: Kaiyō-ken, nahe der Marinewerft), wichtige Marinestation mit großer Werft und Stadt von 25000 Einw.; auf dem Hügel 1 / 2 St. vom Bahnhof *Aussicht und Grab von Will. Adams, des ersten Engländers, der von 1600 bis 1620 in Japan lebte. Von Yokosuka fährt man mit Rikscha auf schönem Wege (halbwegs in Ōtsu eine Wirtschaft an gutem Badestrand) 7 km bis Uraga ( Gasth. Tokudaya in Higashi-Uraga), Hafenstadt an beiden Seiten einer schönen, schmalen Bucht, mit zwei großen Trockendocks und lebhaftem Schiffsverkehr; Dampfergelegenheit nach Tōkyō täglich; Fahrzeit 4 St. Von Uraga Ausflug mit Rikscha 16 km nach Misaki ( Gasth. Aoyagi ) am Südende der Sagamihalbinsel; etwa 3 km nördl. davon liegt das Maritimbiologische Laboratorium ( Misaki Rinkai Jikken-jō ) der kaiserlichen Universität von Tōkyō.—Von hier kann man längs der Küste der Sagamibucht mit Rikscha 20 km nach Chōjasaki (s. oben) und dann über Zushi nach Yokohama zurückgelangen.

Eisenbahn Yokohama-Tōkyō (29 km), die älteste Bahnstrecke Japans, 1872 eröffnet, jetzt zur Tokaidōbahn gehörig; Fahrzeit 28-54 Min. Vom Hauptbahnhof über die Vorstadt (3 km) Kanagawa (das einst an Stelle des jetzigen Yokohama dem Fremdhandel diente) Higashi-Kanagawa (Zweigbahn nach Hachiōji ), Tsurumi, Kawasaki, Kamata (Irisgärten), Ōmori nach (24 km) Shinagawa (umsteigen, wer die Vorortbahn oder die Nordbahnen von Tōkyō benutzen will). Die Fahrt bietet l. schöne Ausblicke auf den Fuji (S.384 ), auf Dörfer, Brücken, Reisfelder und Kirschbaumpflanzungen (während der Blütezeit ein liebliches Bild). Kurz vor Tōkyō r. Ausblick auf die Tōkyōbucht und die Hafenbefestigungen (alte, von Niederländern gebaute Forts). Dann durch Vorstädte mit vielen Fabrikschornsteinen und vorbei am Shibapark und dem Sommerpalast Hama Rikyū zum Hauptbahnhof ( Shimbashi ) von (29 km) Tōkyō.

TOKYO.

Tōkyō.

Vgl. beifolgendenPlan.

Ankunft mit der Bahn, von Yokohama kommend am Shimbashibahnhof, von Nikkō kommend am Uenobahnhof, 7 km nördl. von ersterm; über Stadtbahn s. unter Eisenbahnen.
Gasthöfe: Imperial, japanisch Teikoku Hotel genannt (A.-G.; Pl. a), unter japanischer Leitung, nahe dem Kaiserpalast, dem Shibapark und den Gesandtschaften in Uchiyamashitachō, 5 Min. mit Rikscha vom Shimbashibahnhof; 100 Z. 4-15, F. 1, Lunch 1,50, Dinn. 2, Pens. 7-20 Yen; vergrößerter Neubau in der Nähe, für 250 Z., beabsichtigt.— Central (im Fremdenviertel), Tsukiji 12 (europ. Leitung); 25 Z., Pens. 5-8 Yen.— Seiyōken, in Tsukiji, Uneme-chō 33 und im Uenopark.— Atago (Tōkyō Hôtel) auf dem Atago-Berge (berühmte Fernsicht), sehr gut, Pens. 5 Yen.
Restaurants: Europäisches Essen: Shimbashi-Bahnwirtschaft (eine Treppe hoch im Bahnhof).— Yūraku-en, gegenüber dem Bahnhof, von europäischen Kaufleuten besucht, gutes Essen.— Fūgetsu-dō, Minami Nabe-chō, bei der Ginza-Straße.— Seiyōken, im Uenopark, gut.— Kwagetsu Kwadan, am Ende der Mukōjima-Allee.— Sanen-tei, im Shibapark.— Fujimi-ken, auf dem Kudanhügel (gegenüber Shōkonshapark), mit Zweighaus nahe der britischen Gesandtschaft.— Matsumoto-rō, Hibiyapark.—Japanisches Essen: Shin-Kira, Kobiki-chō, Nähe des Shimbashibahnhofs. — Yaozen, in San-ya, Asakusa.— Yaomatsu, in Mukōjima; Hirasei, in Fukagawa.— Tokiwaya, in Hamachō, Kyū Hana-Yashiki.
Post, Telegr. u. Fernspr.: Hauptamt Yedo-bashi, Nebenämter in jedem Stadtteil.
Wagen: Tōkyō Basha Kaisha, beim Shimbashibahnhof; Toda, im Grundstück des Imperial Hôtel; andre Gesellschaften in Tsukiji und Kanda. Preise: Victoria einspänn. 1 / 2 Tag 3,50, 1 Tag 6 Yen; zweispänn. 1 / 2 Tag 5, 1 Tag 7-8 Yen; Landau zweispänn. 1 / 2 Tag 5,50-6, 1 Tag 9-10 Yen.— Automobile: Ōkura Motor Car Co., Tōkyō Motor Car Co. (Yūraku-chō 1, chōme 3), Yamaguchi, Tsukiji, sehr teuer, für Fahrten innerhalb der Stadt wenig empfehlenswert.— Rikschas werden allgemein benutzt.

Preise stündl. wenigstens 20 sen mit 1 Kuli, 40 sen mit 2 Kulis (vorher ausmachen); das Imperial Hôtel hat bestimmten gedruckten Tarif für Entfernungen. Zweckmäßig ist es, am Shimbashibahnhof eine Rikschafahrkarte mit Preisangabe für die betreffende Strecke zu nehmen und Kuli rufen zu lassen.— Straßenbahnen in zahlreichen Linien fast nach allen Punkten der Stadt (sehr zu empfehlen), von Shimbashi ohne Umsteigen nach Ueno, Asakusa, Shinagawa etc.; Fahrpreis überallhin 5 sen (Fahrscheinhefte mit Ermäßigung; man verlange vom Schaffner Umsteigebillett, nori-kae-gippu, wo erforderlich).
Eisenbahnen: Vom Shimbashibahnhof die Tōkaidōbahn nach Yokohama und Kyōto. Von der Gofuku-bashi-Station im Zentrum der Stadt (unweit Nippon Ginkō) die Ringbahn, die innerhalb der Stadt als Hochbahn läuft, nach der Karasumori-Station beim Shimbashibahnhof, von da durch die Vororte nach (26 km) Akabane an der Nordbahn und von da nach dem Ueno- Bahnhof.—Von der Yorozuyobashi-Station (Kanda, bei Suda-chō) die Stadtbahn nach Shinjiku (Anschluß an die Ringbahn), von da nach Kōfu.—Vom Ueno-Bahnhof die Nordbahn nach Nikkō und (735 km) Aomori sowie nach Mito (Ostküstenbahn) und Sendai.— Vom Ryōgoku-Bahnhof eine Linie nach Chiba, Ohara etc.; vom Asakusa-Bahnhof über Kanegafuchi nach Ashikaga und Isezaki (Tōbubahn).—Fahrpläne in den Hotels.— The East Asiatic Commercial Intelligence Institute of the South Manchuria Railway Company, in Tōkyō, Azabu-Mamiana Nr. 4, gibt Auskunft über die unter japanischer Verwaltung stehende Südmandschurische Bahn, vgl. S.324.
Dampfer (klein und unbequem) tägl. nach Yokosuka, Uraga (S.392 ) und allen Plätzen im Golf von Tōkyō.
Banken: Yokohama Specie Bank (Korresp. der Deutschen Bank, der Berliner Disconto-Gesellschaft und der Allg. Deutschen Creditanstalt in Leipzig); Nippon Ginkō (»Bank von Japan«) und viele andre.
Theater: Kabukiza (Pl. 22), Kobiki-chō. — Meijiza, Hama-chō.— Hongō-za, Haruki-chō.— Tōkyō-za, Misaki-chō. — Shintomi-za, Shintomi-chō.—Ganz in europäischem Stil das Yūraku-za und das 1911 eröffnete moderne Theater Teikokuza, in der Yūraku-chō (Zentrum der Stadt, unweit Imperial Hôtel, gegenüber der Rückseite des Kaiserpalastes. Ringkampfspiele bei Ekō-in, Honjō, je 10 Tage im Frühling und Winter.— Teehäuser (mit Tanzaufführungen): Kōyō-kwan ( Red Maple Club ) im Shibapark, Einführung besorgt der Gasthofsbesitzer.— Nakamura-rō, in Ryōgoku.—(NB. Die großen Theater mit berühmten Schauspielern sind im Sommer geschlossen; in jedem Theater spielen entweder nur Männer oder [seltener] nur Frauen, man frage vorher.)
Reisebureaus: T. Minami & Sons, Tourist Agency, Rogetsu-chō 3, Shibaku (Fernsprecher: Amt Shimbashi, Nr. 3370), besorgt Fahrkarten für alle Dampferlinien und Bahnen; stellt Reiseführer, besorgt Post, Telegramme, Bankgeschäfte, Gepäck; hält Reisehandbücher vorrätig, gibt » The Excursion Journal « heraus (beachtenswert!). — Welcome Society, Yūrakuchō Itchōme 1 (in der Tōkyō-Handelskammer; vgl. S.345 ).— » Guide-Book for Tourists of Japan « der Welcome Society, 5. Aufl. 1910 (gut).— The Musashino, Monatsschrift für Fremdenverkehr, herausgegeben vom Imperial Hôtel (ein Heft 10 sen).— Fremdenführer: G. Iguchi, Meguro Shinfuji 1; Liste andrer, auch Deutsch sprechender Führer im Hotel; vgl. auch S.345.
Gesandtschaften: Deutsches Reich (Pl. 1), Botschafter Graf Rex.— Österreich-Ungarn (Pl. 2): Botschafter Freih. Call v. Rosenburg.— Schweiz: Gesandter de Salis.
Polizei in jedem Stadtviertel.
Arzt: Dr. Teusler im St. Luke's Hospital. —Die Professoren der medizinischen Fakultät der kaiserl. Universität sprechen sämtlich Deutsch und sind fast alle in Deutschland ausgebildet; darunter sind gute Spezialisten.
Buchhandlungen: Z. P. Maruya & Co. Ltd. ( Maruzen Kabushiki Kaisha ), Nihombashi, Tōri Sanchome.— Geiser u. Gilbert, deutsch, Kanda-ku, Kaji-chō 23.— Kyōbunkwan (Methodist Publishing House), Ginza Shichōme.— Nankōdō, Hongō, deutsche Bücher.— Hasegawa, Shitaya-ku, Kami-Nogishi 17 (jap. Kunstdrucksachen); für farbige Holzschnitte: Kobayashi, Asakusa Komakata. — Zeitungen: Japan Times (tägl.; jap.); Japan Advertiser (amerik.-engl.); vgl. auch Yokohama, S.389.

Klubhaus der deutschen Gesellschaft für Natur-und Völkerkunde Ostasiens: Kanda, Imagawa-kōji Itchōme 8, unterm Kudanhügel. Daselbst sehr wertvolle Bibliothek über Ostasiatica.
Deutsche Stube mit Bücherei und Leseraum ist im Seminar für fremde Sprachen eingerichtet.
Photographen: Oka, Kojimachi, Dotei sambancho 8 (spricht Deutsch). — Maruki, Azabu.— Okamoto, Ginza, Sanchōme (nahe dem Shimbashibahnhof); auch Kakemonoverkauf und Dunkelkammer verfügbar.— Ogawa, Kyōbashi Hiyoshi-chō 13.—Photographische Artikel: Asanuma & Co., Honchō Nichōme.— Kimbei, Takekawa-chō, Ginza.
Geschäftsadressen: Basare ( Kwan-kōba ) mit festen Preisen an der Shimbashibrücke, im Shibapark, im Uenopark ( Shōhin Chinretsu-jō ) etc.— Europäische Lebensmittel: Kameya, Ginza Takekawa-chō.—Japanische Kunstsachen (Curio dealer): Ikeda, Owari-chō Nichōme 13; Jōkō, Kyōbashi Yomi-chō; Kōko-Dō, Nakabashi Izumichō, und viele andre in Naka-dōri (parallel zur Hauptstraße zwischen Kyōbashi und Nihombashi).—Elfenbeinschnitzereien: Maruki, Sukiya-chō Nihombashi 6; Toyama Shōten, Ginza, Nichōme, Kyōbashiku; Kaneda, Naka-dōri. —Cloisonné-Sachen: Ando, Motosukiya-chō Ginza; Namikawa & Co., 8 Shin-Yemoncho, Nihombashi; Ueda, 2 Saegi-chō, Kyōbashi.—Porzellan: Mikawaya, Owari-chō, Itchōme; Kōno, 18 Shiba Tamachi, Shichōme (für Satsuma). —Bronzewaren: Mikawaya, Sotokanda, Hatago-chō Itchōme; Miyao, 1 Nihombashi, Hon-Shirokane-chō.— Silberwaren: Miyamoto Shoko, Kyōbashi, Yazaemon-chō 2.—Gemälde, Kakmonos, Farbenholzschnitte etc.: Suwa, Tatami-chō 2, nahe Kyōbashi; Shimbi Shein, Shinsakawa-chō 13.—Lacksachen: Kuhei Hayashi, Nihombashi, Muromachi; Kuroeya, Tōri Itchōme.— Bambusarbeiten: Fujimura, Kojimachi Itchōme.—Seidenstoffe: Iida, Takashimaya, 1 Nishikonya-chō, Kyōbashiku; Mitsukoshi, Nihombashi, Suruga-chō; Shirokiya, an der Nihombashibrücke; Mizushima, Honchō Itchōme; Hattori, nahe Imperial Hôtel; Nishimura u. a.—Alte Seidenstickereien: Shimizu, 1 Inabachō, Higashi-Naka-dōri; Iwamoto Denshichi, Naka-dōri; Morita, Nihombashi Sanai-chō 8.— Fächer: Haibara, 1 Nihombashi, Tōri Itchōme.—Spielsachen: Jikkendana (Ausstellung am 3. März, Mädchenfest, und 5. Mai, Knabenfest).
Zeiteinteilung: 1. Tag: Shōkonshatempel, Uenopark nebst Museum, Asakusa-Kwannontempel.—2. Tag: Shibapark, Red Maple Club und Gräber der 47 Rōnin.—3. Tag: Geschäftsstraßen, Atagoyama, Mukōjima und Yoshiwara. (Das altberühmte ist aber im Frühjahr 1911 durch Brand vollständig vernichtet worden. Man richte sich nach der Jahreszeit, wegen der Blüten-und Tempelfeste.)
Festlichkeiten: Von den vielen Tempel-und Volksfesten sind die sehenswertesten: am 17. u. 18. jedes Monats Kwannonfest im Asakusatempel; 9. April Feuergang (Hiwatari) im Ontake-jinja, Imagawa-kōji, Kanda; 17. April: Tōshōgūfest im Shiba-und Uenopark; 18. April: Sanja Matsurifest in Asakusa; etwa 20. April: *Sakura- (Kirschblüten-)Fest im Kaiserpark (Einladungen bewirkt die Botschaft, Anzug: Gehrock und Zylinder oder Uniform, Damen elegante Promenadentoilette); 6.-8. Mai: Shōkonsha-Fest mit Rennen und Ringkämpfen etc. in Kudan; 3.-14. Juni: Tennō Matsurifest in Shinagawa, Yotsuya, Asakusa; Mitte Juli (oder Anfang August): Kawa-birakifest, Eröffnung des Sumida-gawa, in Ryōgoku; 9. u. 10. Juli: Shiman Rokusen Nichifest im Asakusatempel; 15. Sept. Kanda Myōjin in Kanda; 17. Sept.: Feuergang (Hiwatari) im Ontaketempel; 11.-20. Sept.: Shimmei Matsuri im Shibapark; 12. u. 13. Okt.: O Eshikifest in Ikegami und Hori-no-uchi. Anfang November: Chrysanthemumfest im Aoyamapalast des Kronprinzen (nur auf Einladung); 3. Nov: Geburtstag des Kaisers, Parade auf dem Rempeiba; 22.-28. Nov.: O kō Mairi und im November Tori no Machi beim Asakusatempel.— Messen ( ichi ) am 17. und 18. Dez. im Asakusatempelbezirk, am 22. und 23. in Shiba; Näheres gibt die »Japan Times« bekannt.

Tōkyō (auch Tōkei, spr. tōkē, »Osthauptstadt«), Hauptstadt des japanischen Reiches und Residenz des Kaisers, früher Yedo genannt, am NW.-Ende der seichten Tōkyōbucht (Yedobucht; daher Yokohama die Hafenstadt von Tōkyō trotz dessen Lage am Meer) und am Südende der größten Ebene Hondos, an der Mündung des Sumidagawa, über den fünf große Brücken (Azuma-, Umaya-, Ryō-goku-bashu, Ōhashi, Eitai-bashi) führen, durchschnitten von Kanälen, Ausgangspunkt von Bahnen nach sechs Richtungen. Die Stadt, mit 2186079 Einw., wird von dem Sumidagawa in zwei Teile geschieden, einen kleinern östlichen, der bis zum Nakagawa reicht, und einen größern westlichen, den eine Mauer bis zum Fluß und zur Tōkyōbucht umgibt, und der den Palast des Kaisers (S.397 ) enthält. Diesen Stadtteil umschließt ringsum die eigentliche Stadt, zum größten Teil noch aus einstöckigen Holzhäusern bestehend, daher sehr ausgedehnt und oft durch Feuersbrünste heimgesucht. Die Geschäftshäuser in den Hauptstraßen bestehen daher gewöhnlich aus feuersichern Lehm-oder Backsteinspeichern, und auch die vornehmern Privatwohnungen sind meist mit solchen Dozō versehen (ähnlich im ganzen Lande). Unter den seltenen großartigern Gebäuden japanischer Bauart sind zu nennen einige prächtige buddhistische Tempel mit kunstvoller, vergoldeter Holzschnitzerei, Klöster, Grabdenkmäler der letzten Shōgune in Shiba und Ueno (S.398 ). Im westl. Teil der Stadt wohnen die Botschafter von Deutschland (Pl. 1), England (Pl. 3), Rußland etc., und hier steht unweit Shimbashi der Palast Hamagoten, der für fremde fürstliche Gäste des Kaisers bestimmt ist. Tōkyō ist Sitz der Regierung, des höchsten Gerichtshofs, des kaiserlichen Gardekorps und der ersten Division der Armee und der geistige Mittelpunkt des Reiches. Außer einer kaiserlichen Universität ( Teikoku Daigaku, in Hongō gelegen) besitzt es mehrere stark besuchte Privatuniversitäten, ein Realgymnasium (Erste Kōtō-Gakkō), eine höhere Normalschule, Blinden-und Taubstummenanstalt, Handelsakademie, Gewerbeschule, Ackerbau-und Forstschule, Musikschule, zahlreiche Mittelschulen, Lehrerseminare etc., eine kaiserl. Akademie der Wissenschaften mit 60 vom Kaiser ernannten Mitgliedern, eine Kunstschule und ein Museum im Uenopark, eine öffentliche Bibliothek von 300000 Bänden, eine zweite von 30000 Bänden in europäischen Sprachen, Geographische Gesellschaft, 316 Zeitungen und Zeitschriften, darunter die »Transactions of the Asiatic Society of Japan«und die »Mitteilungen der deutschen Gesellschaft für Natur-und Völkerkunde Ostasiens«. Die sehr bedeutende Industrie erzeugt namentlich Seiden-und Lackwaren, Fayence, Porzellan, Email; es bestehen große Schiffswerften und Maschinenbauwerkstätten. Der Handel mit dem Inland ist sehr bedeutend, während der mit dem Ausland meist über Yokohama geht. Die Stadt ist seit 1869 dem Fremdenverkehr geöffnet.— Yedo ist aus einem Fischerdorf entstanden, bei dem 1456 Ōta Dōkwan ein großes Schloß baute; die Stadt blühte erst auf, als der erste Tokugawa Shōgun Ieyasu 1603 seine Residenz hierher verlegte.

Rundfahrt. Vom Shimbashibahnhof, hinter dem nach der Seeseite der kaiserliche Sonderpalast Hama-Rikyū liegt, wo gegen Ende April jedes Jahres das kaiserliche Kirschblüten-Gartenfest abgehalten wird (Einladungen dazu, wie im November zum Chrysanthemumfest im Akasaka-Palast, vermitteln die Botschafter bei rechtzeitiger Meldung), fahre man mit Rikscha l. und nördl. in das Stadtviertel, in dem die Ministerien (in nüchternem, europäischen Stil erbaut) liegen; man fährt am Stadtgraben entlang bis zum Tōkyō-Klubhaus (Pl. 5), gegenüber dem Imperial Hôtel. Nahe beim Hotel der weite, erst in neuester Zeit angelegte Stadtpark Hibiya-Kōen mit Restaurants Matsumoto-rō und Sankyōtei, sowie der Hibiya Daijingū, eine Nachbildung des Großen Schreins von Ise. Auf einem Hügel liegt r. der Palast des Marquis Nabeshima, des frühern Daimyō von Hizen, lange Oberzeremonienmeister des kaiserlichen Hofes. Gegenüber auf bewaldeter Anhöhe steht der Sannōtempel.—Neben ihm beginnt das vornehmste Stadtviertel Nagata-chō, mit den Palästen der Prinzen Kitashirakawa und Arisugawa, den Gebäuden des Auswärtigen Amts, des Generalstabs (Pl. 6) und der fremden Gesandtschaften. Innerhalb dieses sogen. Daimyōviertels ( Daimyō Kōji ) liegt auf niedrigem Hügel, mit breitem Wassergraben und zyklopischen Mauern umgeben, das O-Shiro oder Schloß mit dem Kaiserpalast, das Schatzamt und andre Ministerien, Wohngebäude und prachtvolle Gärten, wo einst die frühern Daimyōs mit Gefolge residierten. Der Kaiserpalast (Zutritt nur bei Audienzen und Festlichkeiten durch Vermittelung der Botschaft, sonst dem Publikum unzugänglich), 1889 neu erbaut, hat viele Empfangsräume, meist durch Kristallglasschiebetüren getrennt, mit Seidentapeten und reichgemalten Holzdecken, viele Räume vornehm-einfach, andre, z. B. die Banketthalle, reich vergoldet. Die Möbel stammen zum Teil aus Deutschland. Der Park ist reich an Kirschbäumen.— Auf dem Platze gegenüber der Schloßbrücke Nijūbashi steht das 1900 errichtete Bronzestandbild des kaisertreuen Feldherrn Kusunoki Masashige (gest. 1336).—In der Nähe das 1910 errichtete Denkmal des Marquis Itō (berühmter Staatsmann und 1906 bis zu seiner Ermordung [1909] Generalgouverneur von Korea). In der Nähe die sehenswerte Regierungsdruckerei Insatsu Kyoku (Pl. 12) und mehrere Ministerien.—Nahe nördl. von der Nordbrücke, die zum Kaiserpalast führt, liegt der * Shōkonshatempel (»Schrein zur Einladung der abgeschiedenen Geister«, auch Yasu-kuni-jinja, »Schrein des friedlichen Landes«, genannt) auf dem flachen Kudanhügel, ein 1869 erbauter Shintōtempel reinen Stils, in welchem die Manen der im Restaurationsjahr 1868, in der Saga-Unruhe 1874 und in der Satsuma-Rebellion 1877 auf kaiserlicher Seite Gefallenen, sowie der im chinesisch-japanischen (1894/95) und russisch-japanischen (1904/05) Feldzuge gebliebenen Krieger von Staats wegen verehrt werden; vor ihm ein riesiger bronzener Torii; hinter ihm ein schöner Park. Gleich r. vom Tempel liegt das Waffenmuseum, * Yūshūkwan (geöffnet von 8-4 Uhr im Sommer, 9-3 Uhr im Winter, Eintritt 3 sen), mit sehenswerter Sammlung altjapanischer Waffen, besonders prächtiger Schwerter, Rüstungen, Schloßmodelle, und vielen Beutestücken aus dem chinesischen und dem russischen Kriege. Die den Rennplatz vor dem Tempel durchziehende Doppelreihe granitener Laternen wurde 1878 vom japanischen Adel gestiftet; hier steht auch die Bronzestatue des Patrioten Ōmura, das erste in Japan errichtete Denkmal (1892) dieser Art. Am Fuße des Hügels Kudanzaka steht der Ontakeschrein (Pl. 11), in dem der Feuergang am 9. April und 17. Sept. ausgeführt wird.—Nun über den äußern Graben zum Hōhei Kōshō (Arsenal, Gewehrfabrik) im Koishikawa-Distrikt. Zutritt nur mit Erlaubnis der Militärbehörden. Zum Arsenal gehört der schönste Landschaftsgarten Tōkyōs, der * Kōraku-en, einst Besitztum des Fürsten von Mito, im 17. Jahrh. von einem chinesischen Literaten, der beim Zusammenbruch der Ming-Dynastie in Japan Zuflucht fand, angelegt.—Nicht weit davon die Jūjitsu -Schule des Prof. Kanō; im N. des Distrikts der * Botanische Garten ( Shokubutsu-en ) der kaiserl. Universität, ebenfalls ein alter Daimyōpark mit schönen Landschaftsbildern (täglich bis 4 Uhr geöffnet; Pflanzenverkauf).—Im äußersten NW. des Koishikawa-Distrikts liegt der Buddhatempel Gokoku-ji mit Priesterseminar der Shingon-Sekte; der Hauptschatz des Tempels, ein ungeheures Kakemono von Kanō Yasunobu (Buddhas Eingang ins Nirvana), wird nur im April gezeigt. Dahinter die neuen Begräbnisplätze der kaiserlichen Familie (nicht zugänglich).—Östl. vom Botanischen Garten im Hongōdistrikt die kaiserliche Universität ( Teikoku Daigaku ), mit (Sept. 1909) 5699 Studenten, verteilt in sechs Fakultäten: Medizin, Rechts-und Staatswissenschaften, Ingenieurwissenschaften, Mathematik und Naturwissenschaften, Philosophie, Geschichte, Literatur, Agrikultur (letztere hat ihre weit ausgedehnten Grundstücke in der Vorstadt Komaba). Vorlesungen in japanischer Sprache, die fremden Professoren und Lektoren dozieren aber in deutscher (deutsche Literatur und deutsches Recht), englischer und französischer Sprache; ebenda die Universitätskliniken.—Nö. davon die Blumengärten von Dango-zaka (große Chrysanthemenausstellung im November). Darstellungen aus der japanischen Geschichte mit lebensgroßen Puppen in Chrysanthemumkleidern).—Von der Universität fährt man um den Lotosteich * Shinobazu no Ike herum zum südlichen Haupteingang in den * Uenopark, beliebten Ausflugsort, besonders während der Kirschblüte; vor dem Hügel führt r. eine Treppe auf eine Anhöhe, von der schöne Aussicht nach dem Asakusatempel hin und über die Stadt; l. ein kleiner buddhistischer Kwannontempel.—Dann zurück zum Hauptweg, der durch die berühmte * Kirschenallee führt; l. liegt der Lotosteich, auf dessen kleiner Halbinsel ein Heiligenschrein der Göttin Benten.—Etwas weiterhin das * Seiyōken-Hotel und Speisehaus mit schönem Blick über den Teich und die Universitätsbauten. Dicht neben dem Speisehaus ist ein Daibutsu, ein Bronzebuddha von 6,5 m Höhe aus dem Jahre 1660.— Weiterhin l. ein Tor mit Kugelspuren aus der Schlacht im Uenopark 1868; dahinter eine große Steinlaterne (eine der drei größten Japans) aus dem 17. Jahrh.—In der schönen Kryptomerienallee eine alte Pagode und am Ende einer Reihe von Steinlaternen der den Manen des Ieyasu geweihte Tōshōgū -Schrein. Das prachtvolle, geschnitzte und vergoldete Tor davor ist 1890 restauriert worden; das gleiche soll mit dem Tempel geschehen. Der Hauptweg führt zum * Ueno-Museum ( Hakubutsukwan ), geöffnet 8-5 Uhr im Sommer, 9-4 Uhr im Winter, geschlossen 25. Dez. bis 4. Jan. und alle Montage; Eintritt 5 sen.