Nikkō (610 m), Stadt mit 3500 Einw. in der Provinz Shimotsuke, ist ein berühmter Wallfahrtsort mit herrlichen Tempeln in reizender, vielbesuchter Umgebung am Abhänge des vulkanischen Gebirges Nikkōzan (Berge des Sonnenglanzes) oder Nikkogebirges, am Fuße des erloschenen Vulkans Nantaisan. Die Tempelstadt stammt aus dem 8. Jahrh. und wurde vom 2. Shōgun der Tokugawafamilie zur Grabstätte seines berühmten Vaters Ieyasu (gest. 1616) gewählt; 1651 wurde hier noch der 3. Shōgun, Iemitsu, begraben. Nikkō ist beliebter Sommeraufenthalt und zeigt Anfang November prächtige Laubfärbung der Ahornbäume. Ein japanisches Sprichwort sagt: Brauche nicht das Wort großartig, bevor Du Nikkō gesehen! (»Nikkō wo minai uchi wa, kekkō to iu na!«).
Rundgang. Man besucht zuerst den Palast ( Hombō ) des Abtes, meist Mangwanji (auch Rinnōji ) genannt; l. an der Allee der Westseite dieser Anlage steht ein kleiner Palast Chōyōkwan, Sommeraufenthalt der kaiserlichen Prinzessinnen Tsune-no-Miya und Kaneno-Miya. In der Mangwanjianlage steht die »Halle der drei Buddhas« ( Sambutsu-dō ) mit großen vergoldeten Figuren des Lichtgottes Amida in der Mitte, r. die 1000händige Kwannon und l. die pferdeköpfige Kwannon. Dahinter im Landschaftsgarten die kupferne Pfeilersäule * Sōrintō, 1643 gegen den Einfluß böser Geister errichtet. Breite Stufen führen zu dem 1618 vom Daimyō von Chikuzen gestifteten granitenen Torii und zum * Ieyasutempel, vor dem l. eine 31 m hohe, fünfstöckige Pagode steht.
Nikkō und Umgebung. Nikkō und Umgebung
Durch das Tor Ni-ō-mon (die buddhistischen Ni-ō sind aber durch die shintōistischen Ama-inu und Koma-inu ersetzt worden) gelangt man in den Tempelhof; oben am Tore sieht man das Fabeltier Baku, das gegen böse Träume schützt, und andre Tierschnitzereien: Löwen, Einhörner, Takujū (sprachbegabte Fabeltiere, die nur in der Ära tugendhafter Fürsten erscheinen sollen), Elefantenköpfe, Tapire, Tiger etc. Im Hof stehen Vorratshäuser für Festgerät und Tempelschätze. L. vom Tor eine große Kōyamakikonifere, die Ieyasu als kleine Topfpflanze gepflegt und auch auf Reisen stets bei sich getragen haben soll. Daneben der Stall für den heiligen Schimmel, dessen Tor die Affenschnitzerei ( Sambiki-saru ) zeigt. Sehr schön ist das Weihwasserbecken ( On Chōzuya ) aus einem Granitstück mit Drachendachschmuck. Dahinter steht eine Archivhalle, Kyōzō ( Warai-dō ), mit buddhistischen Schriften in prächtigen Rotlackbüchergestellen. Im Innern Engelsbilder. Mitten im Hof ein bronzenes Torii mit dem Tokugawawappen in Gold. Treppenstufen führen zum zweiten Hof, in dem zwei Steinlöwen, ein Glockenturm und eine Glocke sowie Bronzelaternen aus Korea, ein holländischer Kandelaber und ein Trommelturm stehen. — Am Ende l. steht der Yakushitempel, der innen sehr farbenprächtig ist. Von hier führen Treppenstufen zu dem prächtigen Tore Yōmeimon, von dem ein Pfeiler absichtlich, um den Neid der Götter zu meiden, fehlerhaft geformt ist; er heißt Ma-yoke no Hashira (Böses abhaltender Pfeiler). Verschiedene Säulenkapitelle und Architrave zeigen Einhorn-und Drachenköpfe, das Balkongeländer zeigt spielende Kinder ( Karako-asobi ). Durch dieses Tor gelangt man in den Festhof, in dem l. die Halle zur Aufbewahrung der schweren Palankine, worin die Geister von Ieyasu, Hideyoshi und Yoritomo bei Prozessionen umhergetragen werden; daneben ist eine Reliquienausstellung; r. hat man die Bühne für den heiligen Kaguratanz (vgl. S.368 ), der sehr sehenswert ist und gegen Geldopfer von der Priesterin ausgeführt wird.
Einige Stufen führen durch das Chinesische Tor ( Kara-mon ) zum Vortempel ( Haiden; Schuhe ausziehen!) mit Shintōgerät, Gohei und rundem Spiegel, und von da durch prächtige Korridore zum Honden (Allerheiligsten), dessen Seitenkapellen aber geschlossen sind. Zu * Ieyasus Grabmal gelangt man vom Kara-mon und an der Kagura-dō (Tanzbühne) vorbei an ein Tor an der Ostseite mit der berühmten Schnitzerei von Hidari Jingorō, »die schlafende Katze« ( Nemuri no Neko ); dann führt eine lange Steintreppe von etwa 200 Stufen zu dem Hügelgrab. Das Grabmal ist sehr einfach, ein hellfarbiger Bronzeguß, der einer kleinen Pagode ähnelt. Davor steht ein niedriger Steintisch, worauf ein riesiger bronzener Storch steht, der im Schnabel einen Messingleuchter trägt; daneben ein Rauchopferanzünder und eine Vase aus Bronze, mit Lotosblüten und Blättern geziert.—Nachdem man das Mausoleum des Ieyasu wieder verlassen hat, wendet man sich r. und gelangt durch die Allee und einen Torii zum Shintōtempel Futaara Jinja, begründet 782 und dem Friedensgott Ōnamuji geweiht, in dessen Honden alte Schwerter, Lacksachen, Magatama (S.399 ), Kostüme etc. zu sehen sind. In einer Ecke des Tempelhofs steht die Bronzelaterne Bakemono Tōrō, 1292 geschenkt, die nachts öfters Teufelsgestalt annahm, bis ein tapferer Krieger ihr den noch sichtbaren Schwerthieb über den Deckel gab.— Nach l. hinabsteigend, erreicht man zwei rotlackierte buddhistische Tempel ( Futatsu-dō ), durch gedeckte Galerie verbunden, deren größerer Amida geweiht ist. Innen viele buddhistische Bildnisse sowie die Gebeine von Yoritomo (daher der Tempel auch Yoritomo-dō heißt); ein zweites Grab von Yoritomo ist aber in Kamakura (S.391 ).— Durch die Galerie gelangt man in eine Allee, die zum Grabe des Abtes Jigen Daishi (auch Tenkai Daisōjō genannt) führt, das indische Stupaform hat und von lebensgroßen Steingötzen bewacht wird; l. davon führt eine Treppe zu den einfachen Gräbern der 13 Prinzäbte von Nikkō.—R. vor der großen Steintreppe liegt das Priesterhaus Ryūkō-in, dessen erstes Tor, ein Ni-ō-mon (mit zwei Paaren Ni-ō, das eine Paar aus dem obenerwähnten Ni-ō-mon des Ieyasu-Tempels hierher versetzt) zum Grabmal des Iemitsu führt, vorbei an einem granitenen Wasserbecken mit Drachendach, dann eine Steintreppe hinauf zum Tore Niten-mon; drei Treppen höher liegt das Teufelstor Yasha-mon, dahinter der Grabtempel, von dem r. eine Treppe auf den Grabhügel führt. Das Grabmal ist aus Bronze, ähnlich dem des Ieyasu; die Bronzetore tragen Sanskritinschriften.
Die Umgebung von Nikkō ist reich an schönen Spazierwegen, für die meist Führer nicht erforderlich sind.
Ausflüge: 1) Zum * Chūzenjisee, der beliebteste Ausflug, im Mai und Oktober besonders schön; zu Fuß 4 1 / 2 -5 St. (zurück 2 1 / 2 -3 St.), zu Pferde (2 1 / 2 Yen) oder in Rikscha (3 Kulis 3 1 / 2 Yen), mit Sänfte (4 Kulis 4 Yen) in 3 1 / 2 St. Unterwegs mehrere Teehäuser zum Rasten. Diesen Ausflug (am 4. Okt. 1904) beschreibt Karl, Prinz von Hohenzollern: »In der erquickenden Morgenkühle schritten wir rüstig einher auf gutem Sträßchen, l. den schäumenden Dayagawa und bewaldete Höhen, r. schroffere Hänge, von bewaldeten Schluchten durchzogen. Das Sträßchen führt 1 1 / 2 St. in mäßiger Steigung aufwärts bis zum ersten Teehaus ( Misawa ). Nun verengt sich die Schlucht, und an Stelle der grünen Hänge treten schroffe Abhänge und Felswände, von denen Wasserfälle ihre Sprühregen erfrischend herabsenden. Die Steigung wird größer, und bei einer Biegung haben wir zum erstenmal den Blick auf die kupferrot bis violett gefärbten Flanken des 2483 m hohen Nantaizan. Wir verlassen den über kleinere Felsabsätze sich donnernd überstürzenden Dayagawa und biegen in die trümmererfüllte Schlucht des Hannyabaches ein; eine starke und kurze Steigung, und wir stehen senkrecht 60 m über dem Hannya auf der Felsterrasse des zweiten Teehauses ( Naka no Chaya ). Worte können den herrlichen Blick, der sich dem Auge bietet, schwer schildern; er ist lieblich, ernst und großartig zugleich. Nach N. blicken wir in zwei Felsschluchten, deren Bäche sich uns zu Füßen vereinigen. Die eine zerreißt die Hänge des 1560 m hohen, in scharfem Horn endenden Tanzaiyama, der oben eine Rasenkappe trägt; in dieser stürzt der Hannyabach 40 m über eine senkrechte Wand, den Hannyadaki (Wasserfall) bildend; 300 m l. davon, durch bewaldeten Rücken getrennt, hat sich der Hodobach eine noch großartigere Schlucht in die Felsflanken des Nantaizan gegraben, in der er vor seiner Vereinigung mit dem Hannyabach den wasserreichen, sehr hübschen Hododaki bildet. Im W. rauschte mehr als 100 m unter uns der Dayagawa in seiner Felsschlucht. Auf ordentlich gehaltenen Wegen geht es mäßig steigend durch schönen Wald, Tannen und Bergahorn, aufwärts an den Ausläufern des Nantaizan empor, bis wir in 1 St. das dritte Teehaus erreichen. Der Blick in die Dayagawaschlucht ist großartig; fast 600 m unter uns sieht man den Fluß wie eine milchige Masse zwischen finstern Tannen und Felswänden hindurchrasen, und der Steilabsturz des Tanzaiyama scheint ihm den weitern Weg versperren zu wollen. Doch aufwärts! Nach 100 m weitern Steigens befinden wir uns auf einem Sattel, und dumpfes Donnern schlägt an unser Ohr. In lichtem Walde schreiten wir fast eben rüstig vorwärts und biegen (l.) auf einen Fußpfad ab, der sehr steil uns auf eine mit Geländer versicherte Felskanzel führt. Wir stehen vor einem herrlichen Schauspiel. Vor uns stürzt in einem gewaltigen Sprunge (80 m tief) der Dayagawa als Ausfluß des Chūzenjisees in einen Felskessel. Kegon-no-taki heißt dieser herrliche Wasserfall. Noch 1 / 4 St. haben wir zu gehen, und wir stehen am blauen Spiegel des Sees von Chūzenji.« Chūzenji ( Lake Side Hotel, gute europ. Küche, Mitt. 1 1 / 2 Yen, Pens. von 5 Yen an, Privattelephon zum Kanaya Hotel in Nikkō; jap. Gasthof Komeya; europ. Boote auf dem See tägl. 2 Yen, 1 St. 50 sen; jap. Boote stündl. 40 sen), Ort am gleichnamigen See, 1316 m ü. M., eingebettet zwischen Bergen von 1600-2483 m Höhe, beliebte Sommerfrische für Europäer, im Juli und August von etwa 10000 buddhistischen Pilgern besucht, die den erloschenen Vulkan Nantaizan (2483 m) besteigen. Der Aufstieg führt durch das Tempeltor am Ende des Dorfes (den Japanerinnen ist der heilige Berg verboten!), ist sehr steil und erfordert 3 St., oben besonders bei Sonnenaufgang wundervolle Aussicht. Man beginne mit Laternen zu steigen und nehme Strohsandalen unter die Stiefel! Bei klarem Wetter kann man den Fuji sehen.
Ausflug zum Yumotosee, von Chūzenji mit Rikscha (2 Mann, 2 Yen) in 2 St. oder zunächst in 1 St. im Boot über den 6 km langen und 2,5 km breiten malerischen Chūizenjisee nach Shōbu-no-Hama, von da zu Fuß in 10 Min. zumn Drachenkopfwasserfall ( Ryūzu-ga-taki ) und quer durch die große Schlachtfeldheide ( Senjō-ga-ara ), auf dem 1389 die Ashikaga-Shōgune gegen die südliche Mikadodynastie kämpften, eine von Wäldern eingefaßte Einöde, in 1 1 / 2 St. vorbei am »heißen«Wasserfall Yu-no-taki zum schönen Yumotosee, an dessen Nordende das Dorf Yumoto (1520 m; Namma Hotel, europ., Pens. 3,50-5 Yen, und andre japanische), mit zehn heißen Schwefelquellen, alles öffentliche Bäder. —Von Yumoto Aufstieg zum (1889 noch tätigen) Vulkan Shiranesan (2680 m), in 4 1 / 2 St. mit Führer, sehr steil und beschwerlich; 1 voller Tag erforderlich zur Besteigung, da die Gipfelbesichtigung Zeit fordert; Lebensmittel und Wasser mitnehmen! —Von Yumoto kann man auch bequemer als von Chūzenji in 4 1 / 2 St. auf den Gipfel des Nantaizan (S.407 ) gelangen, doch nur mit Führer.
Der Rückweg von Chuzenji nach Nikkō dauert kaum 2 1 / 2 St.
2) Zum Kirifuri-no-taki. Von der roten Kaiserbrücke Mihashi steigt man zunächst am r. Ufer des Dayagawa bis zu dem Stromwirbel Gaimman-ga-fuchi, wo an schroffer Felswand das Sanskritwort Hâmmam steht; in der Nähe mehrere luftige Teehäuser und 40 Amidafiguren in einer Reihe; von da zurück zur nächsten Brücke und durch den zierlichen Landschaftsgarten Dainichi-dō um den Fuß des Hügels Toyama (Aufstieg in 3 / 4 St., oben prächtige *Aussicht) herum in 1 1 / 4 St. zum fast 100 m hohen Staubnebelwasserfall Kiri-furi-no-taki. Vom Teehaus auf dem Hügel über dem Wasserfall schöner Blick auf den Fall und von dem Felsblock über dem Teehaus großartige *Aussicht; ein rauher, steiler Pfad führt zum Fuße des Wasserfalls.
3) Die Besteigung des Nyohō-zan (2470 m) erfordert von Nikkō aus einen vollen Tag, sehr früher Aufbruch nötig; der bequemste Weg führt über den Fujimi-tōge; man kann bis zu den Torii am Berghang reiten (Träger für Mundvorrat und Wasser etc. mitnehmen, Strohsandalen, warme Decken). Von Nikkō führt der Weg bis zum ersten Hause r. unterhalb Urami und ist dann auf 6 km Strecke sehr schlecht (im Dunkeln nicht zu machen), dann mehrere Kilometer durch Wald, der 2 km vom Fuße des Nyohō-zan zauberhaft schön wird. Nach 3 St. erreicht man die Torii, dann windet sich der Pilgerpfad meist unter dem Schatten schöner Bäume in 2 1 / 2 St. zum Gipfel des Nyohō-zan, auf dem ein Schrein des Gottes Onamuji steht. Prächtige *Aussicht über das Gebirge. Abstieg in 3 St.—Ein andrer Weg führt von Nikkō über die»Sieben Wasserfälle«( Nana-taki ), er ist beschwerlicher, aber noch schöner, erfordert 5 1 / 2 St. Zeit zum Aufstieg. (Nur bis Nana-taki und zurück kann der Weg in 5-6 St. gemacht werden.) Zur Besteigung auf jedem der beiden Wege ist ein zuverlässiger Führer erforderlich.
Von Nikkō nach Ashio, Ikao, Haruna, Myōgi und Karuizawa.
A. Entweder auf der Eisenbahn (in etwa 6 St.) von Nikkō über Utsunomiya, nach (69 km) Oyama (S.403 ), dort umsteigen in den Zug der Ryōmōlinie nach (151 km) Maebashi (Gasthof Shiroiya; europ. Speisehaus Akagi-tei ), wichtige Handelsstadt für Rohseide mit 34000 Einw., am l. Ufer des Tonegawa, alter Daimyōsitz.— Von hier mit Rikscha in 15 Min. bis zum Endpunkt der Straßenbahn (die auf Vorausbestellung bei der»Basha Tetsudō Kwaisha«auch Wagen am Bahnhof bereitstellt), dann mit dieser in etwa 1 1 / 2 St. bis Shibukawa, von da in 2 St. mit Rikscha (2 Kulis) bergauf nach Ikao (s. unten).