—Nun westl. zum Grabmal des heiligen Nizam-ud-din Aulia, einem Säulenprachtbau mit großer Kuppel; man steige aus und gehe durch die Säulenhalle Chausath Khambe, in deren Umgebung noch viele stimmungsvolle Grabdenkmäler liegen, darunter westl. vom Chausath Khambe das Grab des Dichters Amir Khusrau (der Papagei von Hindustan), gest. 1315; nahebei das Grab der frommen Jahanara, Tochter des Schah Jahan (gest. 1681). Auch das Mausoleum Safdar Jangs, etwa 1,5 km westl., ist sehenswert. Dann Rückweg auf der Hauptstraße nach Delhi, an der 3 km südl. vom Ajmer Gate r. (östl.) Jai Singh's Sternwarte liegt (1724 erbaut). Man tut gut, den Ausflug nach Alt-Delhi in Abschnitte (s. die Zeiteinteilung, S.71 ) zu teilen wegen der vielen Sehenswürdigkeiten.
2) Fahrt zum * Kutab Minar, der größten Sehenswürdigkeit Delhis, etwa 17 km südl. vom Ajmer Gate; beansprucht frühen Aufbruch, dauert etwa 4 St. (Dâk Bungalow, mit gutem Essen, vorhanden, man bestelle aber voraus; während der Reisezeit ist für Essen und Getränke genügend gesorgt, doch für größere Gesellschaften auch dann Vorausbestellung ratsam. Ein etwa 1 / 2 km vom Gasthaus entferntes Mausoleum ist als Dâk Bungalow für höhere englische Beamte eingerichtet; Reisende mit besondern Empfehlungen können auf Wunsch Erlaubnis zum Übernachten erhalten, um am nächsten Tag die alte Festung Tughlakabad (8 km; s. weiter unten) zu besuchen. Man fährt durch das Ajmer Gate an der Sternwarte Jay Singh's und dem Mausoleum von Safdar Jang (s. oben) vorbei; weiterhin liegt r. vom Wege (3,5 km nördl. von Kutab) der große verfallene Wasserbehälter Hauz Khas (vom Sultan Ala ud-din Khiliji 1293 erbaut) und südl. davon eine Gelehrtenschule und das Grabmal von Firoz Schah.—Das * Kutab Minar ist ein Riesenminaret (»Polarstern«-Minaret) von 76 m Höhe, 14,5 m unterm und 3 m oberm Durchmesser mit fünf äußern Galerien; 375 Stufen führen zur Turmspitze, von der prächtige *Aussicht auf die Trümmer von Alt-Delhi und über die weite Punjab-Ebene. Neben dem Minaret steht die teilweise verfallene Moschee Kuwat-ul-Islam (Bau 1191 begonnen), einst ein Prachtwerk ersten Ranges, im Innern eine Säule aus massivem Schmiedeeisen von 7 m Höhe und 40 cm Durchmesser mit Sanskritinschrift aus dem 3. Jahrh. n. Chr.; vor der NW.-Ecke der Moschee das älteste bekannte indische Grabmal des Altamsh (gest. 1236). Sö. vom Kutab Minar liegt das Tor Alai Darwazah, daneben das Grabmal des Imam Zamin und nördl. von dem großen Ala ud-din-Hof, der, mit Resten von Säulengängen umschlossen, die ganze Anlage quadratisch einfaßt, liegt der dicke, runde, niedrige Turm Alai Minar (etwa 1312 erbaut).—Etwa 8 km östl. vom Kutab Minar liegt die alte Festung *Tughlakabad und südl. daneben das schöne Grabmal des Tughlak.
Fortsetzung der Bahnfahrt nach Calcutta (s. S.82 ).
1. Seitentour: Delhi-Umballa-Simla.
219 M (352 km) Eisenbahn, in etwa 12 St. etwa für I. Kl. 37 Rup., II. Kl. 20 Rup.—Von Delhi nach Umballa zwei Linien: Die westliche kürzere über Panipat bleibt auf dem rechten Jumna-Ufer, die östliche macht einen Umweg über Meerut.
Man benutze den Schnellzug über (54 M) Panipat; der östlichste Teil des Punjab, den man hier durchfährt, wird von vielen kleinern, aus den Vorbergen des Himalaja kommenden Flüssen durchströmt, die sich später in der Tharwüste verlieren. Die Landschaft bleibt flach bis (123 M) Umballa ( Ambala ), Cantonment Station, Knotenpunkt mehrerer Bahnlinien ( Umballa City und Civil Station liegen 9 km westl.), Distriktshauptstadt von 80082 Einw. ( 1 / 2 Hindu, 3 / 8 Mohammedaner); Lumley's Hotel, nahe dem Bahnhof, Pens. 4 Rup. Droschken zu haben. Bank: Alliance Bank of Simla. Viele englische Läden, Kirchen, Krankenhäuser. Hier umsteigen in den Simla-(Kalka-)Zug, wenn man in einem Lahore-Zug fährt.—Das Land steigt allmählich und trägt gegen den Himalaja hin mit der Zunahme der Seehöhe und damit auch der Niederschlagshöhe immer reichere Vegetation.—(162 M) Kalka (730 m; Dâk Bungalow; Lowries Hotel, daneben PT), der Endpunkt der Hauptbahn, liegt schon in den Vorhöhen des Himalaja. Von hier führt eine Bergbahn in 7 St. hinauf nach
(219 M) Simla (2159 m; Hotel Cecil[Hotz, Schweizer], I. Ranges, Deutsch gesprochen, vorzüglich, Pens. von 7 Rup. an; Grand [Peliti's] Hotel, gut; Lowries Hotel, ähnliche Preise; Longwood Hotel, Pens. 6 Rup.; Elysium; Metropole, Pens. von 6 Rup. an; die Preise sind hoch; Banken: Alliance Bank, Delhi & London Bank Ltd., Korr. der Berliner Disconto-Gesellschaft; Klubs; PT bei der Union Church; Zeitung: Simla News; Photographen: Hotz (Deutscher), Bourne & Shepherds; europäische Schneider-und Modegeschäfte etc. vorhanden). Berühmter Himalaja-Luftkurort, Distriktshauptstadt mit 15000 (im Sommer 30000) Einw., europäisch gebauten Häusern, Palast des Vizekönigs etc. Simla ist eine großstädtisch angelegte europäische Sommerfrische, seit 1864 Sommerhauptstadt Indiens, in der der Vizekönig mit allen Regierungsbehörden sechs Monate jährlich den Amtssitz hat (im Winter in Delhi); es bietet jede Bequemlichkeit für verwöhnte Europäer auch für längern Aufenthalt; Konzerte, Theater, Bälle; Bibliothek, Schulen, auch katholische Schule und Kapelle; Sanatorien und Krankenhäuser. Mittlere Jahrestemperatur 12,8° C (Juni 19,4°, Januar 3,8°; die Jahrestemperatur von Simla entspricht also etwa der der französischen Riviera; doch sind die jährlichen und auch die täglichen Temperaturschwankungen geringer als dort. Darjeeling ist im Sommer nicht unbeträchtlich kühler als Simla). Die Regierungsgebäude liegen auf einem Bergrücken 2180-2450 m ü. M., weit verstreut inmitten des prachtvollen Pflanzenwuchses der subtropischen Bergwaldregion des Himalaja; Laub-und Nadelbäume, besonders prächtige Libanonzedern und Rosen (die noch im November blühen!). Prächtige Fernblicke auf die schneebedeckten Bergriesen des Himalaja. (Man lese Rudyard Kiplings »Under the deodars«.)
Die unvergleichliche Naturschönheit Simlas erkennt man erst voll, wenn man Fußmärsche in die Umgegend macht; einer der beschwerlichsten, aber lohnendsten führt nach Sultanpur (etwa 88 km in der Luftlinie nördl. Simla, Weg dahin etwa 200 km mit 11 Bungalows-Zwischenplätzen), dort guter Bungalow mit Verpflegung. Sultanpur, die alte Hauptstadt des Sultanats von Kullu, das schon großenteils Hochgebirgscharakter trägt, liegt im Kullutale; Jagdgelegenheit auf Fasanen und andres Wild, in den höhern Bergen auch auf Bären und Steinböcke.
2. Seitentour: Delhi-Umballa-Amritsar-Lahore-Peshawar.
627 M (999 km) Eisenbahn von Delhi nach Peshawar in 30 St. für I. Kl. 36 Rup., II. Kl. 18 Rup.
Von Delhi nach (123 M) Umballa, s. oben. Die Weiterfahrt mit der North Western Railway führt durch einen großen Teil des östl. Punjab; von den fünf Flüssen, nach denen es genannt ist, überschreitet man den Sutlej und seinen Nebenfluß Bias. Die Landschaft ist einförmig und mit Ausnahme der Regenzeit dürr, staubig und kahl; Dattelpalmen und Pappeln machen sich am meisten bemerklich.