Eisenbahn: East Indian Railway von Delhi über Aligarh nach Agra in 6 St. für I. Kl. etwa 11, II. Kl. 6 Rup.; — Great Indian Peninsula Railway (»Agra-Delhi Cord Line«) über Muttra in 4 1 / 2 St. (Speisewagen).
Die Great Indian P. R. ist die direkte Linie; sie hält sich in der Nähe des r. Jumna-Ufers, an dem sowohl Delhi wie Agra liegen. Die East Indian R. beschreibt einen Bogen durch das Gebiet zwischen Jumna und Ganges und überschreitet zweimal die Jumna. Sie durchfährt in ihrer ganzen Erstreckung die »Vereinigten Provinzen« (Agra und Audh), während die Great Indian zunächst den Südostzipfel des Punjabs durchläuft.

Obgleich das Land mit Hilfe der Kanäle, die seit 100 Jahren namentlich in dem zwischen dem Ganges und der Jumna gelegenen Gebiete angelegt worden sind, reich angebaut ist, macht sich die Trockenheit des Klimas in den der Regenzeit unmittelbar vorhergehenden Monaten (Februar bis Mai) durch große Dürre und Staubplage recht bemerkbar.

Von Delhi (S.70 ) führt die East Indian Railway zunächst nach

(78 M) Aligarh ( Kellner's Refreshment and Sleeping Rooms, am Bahnhof, bequem für kurzen Aufenthalt, auch Schlafgelegenheit; guter Dâk Bungalow ), Distriktshauptstadt und sehr alte Festung, die die Stadt Koil schützt; mit dieser zusammen 63715 Einw. ( 2 / 3 Hindu, 1 / 3 Mohammedaner), Sitz des Anglo-Oriental College zur Erziehung vornehmer Mohammedaner. Anfang Februar hier eine sehenswerte Messe. Beim dritten Meilensteine (5 km) südl. von Aligarh an der Straße ein riesiger heiliger Banyanfeigenbaum ( Ficus religiosa ), und in dessen Nähe ein Malteserkreuz zur Erinnerung an einen Überfall englischer Truppen während des Aufstandes 1857.—Bei (127 M) Tundla Junction (Bahnwirtsch.) muß man event. in den Zug nach Agra umsteigen, der in entgegengesetzter Richtung auf einer andern Linie noch 24 km westl. bis Agra läuft. Dicht vor Agra führt die Bahn auf großartiger vierbogiger Brücke über den Jumna-Fluß.

Fährt man mit der Great Indian Peninsula Railway, so empfiehlt sich der Besuch von (89 M) Muttra oder Mathura (Dâk Bungalow), uralter Stadt (schon Ptolemäus bekannt) von 60000 Einw., am r. Jumna-Ufer. Muttra wurde 1017 vom Afghanenfürsten Mahmud seiner kostbarsten Tempelschätze beraubt, ist noch heute mit der kleinern, 10 km stromauf an der Jumna gelegenen Stadt Brindaban (einem hochheiligen Wallfahrtsort der Hindus) einer der Hauptsitze der Brahmanen, mit zahlreichen Tempeln, in denen der Krischnakult gepflegt wird. Bootfahrt auf der Jumna, wo morgens Tausende vor den Tempeln baden (ein kleines Benares).

(142 M, 228 km) Agra (204 m), Ankunft Fort Station oder (über Muttra) auf Cantonment (Road) Station, 10 Min. von den Gasthöfen.

Gasthöfe: Hotel Cecil (Hotz, Schweizer), I. Ranges, Deutsch gesprochen, sehr gelobt, Pens. von 8 Rup. an.— Laurie's Great Northern Hotel (20 Min. sw. vom Bahnhof), Pens. 7 Rup.— Metropole. Savoy, Pens. 6 Rup.—Guter Dâk Bungalow nahe dem Postamt am Drummond Road.—Speiseräume im Bahnhof.— Droschken nach Tarif.— Post u. Tel. nahe beieinander, 2,5 km südl. vom Bahnhof.— Polizeiämter 1 km nw. vom Bahnhof.— Geschäftsadressen: Bank of Bengal, Korr. der Berliner Disconto-Gesellschaft.—Teppichfabrik Otto Weylandt (deutscher Besitzer), nahe Ftimad-ud-daulah.— Schals, Gold-und Silberstickereien: Ganeshi Lall & Sons, Johari-Basar.— Seifenstein und Marmormosaik: Nathoo Ram, gegenüber Agra College.—Miniaturmaler: Badri Pershad. —Photograph: Priya Lal.
Zeiteinteilung. 1. Tag: Vm. Fort, Nm. Fahrt nach Sikandarah, abds. nach Dinner *Taj Mahal (bei Mondschein); —2. Tag: Vm. Taj Mahal (bei Sonnenaufgang), dann Fahrt zum Ftimad-ud-daulah-Grab, zu Weylandt (Teppichfabrik) und Chinika-Roza-Grab, Nm. 2 Uhr mit Auto (Pers. 10 Rup.) in 1 St. nach Fatehpur-Sikri;—3. Tag: Nochmals Fort und Stadt.
Geschichtliches. Unter dem Lodhikönig Nizam Iskander (1488-1517) ward Agra, damals noch ein Dorf, Residenz; 1526 wurde es von Baber, dem Begründer des mohammedanischen Reiches der Großmoguln, genommen, der es jedoch wieder an die Afghanen verlor. Erst Akbar besetzte es 1559 dauernd und machte es zur Hauptstadt. Schah Jahan I. (1632-56) errichtete die Prachtbauten. Aber schon Aurangzeb (1656-1706) verlegte die Residenz nach Delhi, und nach seinem Tode wurde die Stadt von den Dschat, Persern, Afghanen etc. verwüstet, bis die Ostindische Kompanie sie den Mahratten nahm. Während des Sepoyaufstandes im Juli 1857 wurden die Engländer im Fort belagert, aber am 10. Okt. vom Oberst Greathed entsetzt.

Plan von Agra. Plan von Agra.

Agra, Hauptstadt der Division Agra, hat mit der Garnison 182419 Einw. ( 2 / 3 Hindu, 1 / 3 Mohammedaner, einige tausend Christen), starke Industrie in Schuhen, Pfeifen, Goldtressen und schönen Mosaikarbeiten sowie lebhaften Handel mit baumwollenen und feinen wollenen handgeknüpften Teppichen (die Fabrik des Deutschen, Herrn Otto Weylandt, ist sehr sehenswert) und bearbeiteten Steinen. Agra besitzt vier Colleges und ist Sitz der obersten Divisionsbehörden. —Die Stadt liegt in dem großen Bogen, den die schiffbare Jumna (Dschamna) hier nach O. macht; in der Tiefe des Bogens das Fort, südl. davon die Kasernen und nw. die Regierungsgebäude, dazwischen die besser als in andern indischen Städten gebauten Eingebornenviertel. Agra ist reich an Prachtbauten im reinsten maurischen Stil, die auf die Zeit zurückgehen (Mitte des 17. Jahrh.), da die Stadt die Residenz der mohammedanischen Großmoguln (turktatarischen Stammes, mit persischer Umgangssprache) war.

Rundgang: Das * Fort (zweimaliger Besuch von je 2 1 / 2 -3 1 / 2 St. sehr lohnend, es ist das schönste und mannigfaltigste seiner Art in Indien), aus rotem Sandstein etwa 1568 von Akbar begonnen, von seinem Sohn Jahangir fortgesetzt (die meisten Bauten stammen vom Schah Jahan, dem kunstsinnigen Enkel des großen Kaisers), berührt mit dem Nordturm das rechte Jumna-Ufer; seine Mauern sind fast 21 m hoch; sein »Water Gate« (Pl. 2) ist geschlossen, Haupteingang von NW. durch das Delhi Gate (Pl. 1); außerdem am Südende das Amar Singh Gate (Pl. 3). Innerhalb des Delhi Gate ist noch ein zweites Tor, Elephant Gate oder Hathi Pol. Geradeaus geht man über den Mina-Basar zur * Perlmoschee ( Moti Masjid, Pl. 4), der schönste weiße Marmorbau mit drei Kuppeln und prächtiger Vorhalle, in deren Mitte ein Marmorbecken.—R. von der Moschee der große Zeughausplatz, vor dessen Ostseite die große öffentliche Audienzhalle Diwan-i-Am (Pl. 5), mit Thronstufen in der Mitte. Einige Stufen führen nun in den großen Palast Schah Jahans (Pl. 6), der aus vielen prächtigen Einzelbauten von weißem Marmor besteht; zunächst vorbei am Machhi Bhawan zur kleinen dreikuppeligen »Edelsteinmoschee« ( Naginah Masjid ), für die Königinnen bestimmt; darunter lag ein Basar, wo die Hofdamen Einkäufe machten. Oberhalb nach dem Fluß auf offener Terrasse ein schwarzer Thron; südl. davon die Hausmoschee des Kaisers ( Mina Masjid ) und weiterhin die wunderbar schöne Privataudienzhalle Diwan-i-Khas mit Ausblick auf den Fluß und die Gärten (1637 erbaut). Im kleinsten Marmorsaal wurde der von seinem Sohn Aurangzeb entthronte Jahan 7 Jahre gefangen gehalten, gepflegt von seiner Tochter Jahanara; Jahan starb im kleinen Pavillon (mit schönen Fenstern), die Augen nach dem Taj Mahal (s. unten) gerichtet. Eine Treppe führt zum Saman Burj, eigentlich Jesamine (Yâsmin) Burj (Jasminturm, Wohnung der Favoritsultanin), mit Springbrunnen in einem schönen Pavillon; südl. daneben der »Goldene Pavillon« mit vergoldetem Dach und Frauengemächern; westl. von diesen Pavillons lagen die Marmorbäder der Prinzessinnen; von da durch den Weingarten ( Anguri Bagh ) gelangt man zu dem Shish Mahal (Spiegelpalast) in der NO.-Ecke des Gartens. Der alte, sehr sehenswerte, aus rotem Sandstein erbaute Jahangir Mahal (oder Akbar-Palast ) am Südende der übrigen Bauten ist gut erneuert und hat prächtige Sandsteinornamente.— Nahe vor dem Delhi Gate nw. jenseit der Bahn liegt die Hauptmoschee ( Jama Masjid ), erbaut 1644 vom Schah Jahan zu Ehren seiner Tochter Jahanara; nördl. davon die Kalan Masjid, älteste Moschee in Agra.—Von da fahre man über die Eisenbahnbrücke nach dem prachtvollen * Mausoleum von Ptimad-ud-daulah, einem reichgeschmückten weißen Marmorbau mit Mittelkuppel und vier Ecktürmen mitten in herrlichem Park; es enthält sieben Gräber, in der Mitte das des Wesirs Ghiyas Beg, Schwiegervaters Schah Jahangirs und Vaters der Nur Jahan.—Die Hauptsehenswürdigkeit Agras (etwa 3 km sö. von den Gasthöfen) ist der ** Taj Mahal (kurz Tadsch oder Tadschmahal = Kronpalast, eigentlich Taj bibi ka Roza = Grab der Kronendame), »ein Traum in Marmor«, am r. Ufer der Jumna; es ist das aus weißem Marmor ausgeführte und auf einer 18 m hohen Plattform ruhende Mausoleum Schah Jahans (regierte 1628-58) und seiner Lieblingsgattin Mumtaz-i-Mahal (Stolz des Palastes, gest. 1629), mit weithin sichtbarer Kuppel von 18,8 m Durchmesser, woran 20000 Arbeiter 22 Jahre unter Leitung des Baumeisters Austin von Bordeaux gearbeitet haben sollen. Der Taj ist vielleicht das schönste und stimmungsvollste Denkmal ganz Indiens und gilt für edler als die Alhambra und andre berühmte maurische Bauten. Im Innern, umschlossen von einem zart in Marmor ausgeführten Gitterwerk, stehen zwei Kenotaphe, die wie die Wände reich mit Blumen aus kostbaren Steinen und mit anmutigen Ornamenten geschmückt sind. Umgeben ist das Gebäude von einem prachtvollen Garten, in dem herrliche Zypressen und ein langes, geradliniges Wasserbecken mit vielen Springbrunnen liegen. Der Eingang zum Taj ist durch das Taj Ganj Gate, das zu dem prächtigen großen *Torweg ( Great Gateway ) des Gartenhofs führt (mit 26 Marmorkuppeln!); außerhalb eine schöne Karawanserei und andre Gebäude aus rotem Sandstein. Es ist dringend zu empfehlen, den Taj mehrmals, und womöglich einmal bei Mondschein, zu besuchen. NB. Die Hotels wissen die Zeiten, wann der Taj bis Mitternacht geöffnet bleibt! Im Mausoleum beten und bringen Blumen zu den Sarkophagen Vertreter aller Religionen Indiens, Hindus, Buddhisten, Mohammedaner und Parsi.