Ausflüge: 1) Nach Sikandarah, mit Wagen in 3 / 4 St. Man fährt durch die Eingebornenstadt, vorbei am Central Jail (Hauptgefängnis; Besichtigung der Teppichwebereien der Gefangenen empfehlenswert, man schicke seine Karte dem Inspektor), dann etwa 6 km nw. Der Weg führt an vielen Gräbern vorbei; in Sikandarah liegt das Mausoleum Begum Miriam, der angeblich christlichen Frau Maria des Kaisers Akbar, ein zweistöckiger roter, zurzeit recht verwahrloster Sandsteinbau; im Unterstock 40 Kammern, im Oberstock ein weißer Marmorkenotaph. Ein prachtvolles Tor aus rotem Sandstein, mit Einlagen von weißem Marmor führt zum * Grabe Akbars; von den Minarets zu Seiten des Tores schöne Aussicht bis nach Fatehpur-Sikri. Ein breiter Weg führt zum Mausoleum, einem vierstöckigen Pyramidenbau, die untern drei Stockwerke von rotem Sandstein, das oberste aus weißem Marmor; auf der Plattform steht der weiße Marmorkenotaph genau über der Stelle, wo unten im Kellergeschoß sein Sarkophag, umgeben von andern Gräbern, steht. Am Nordende des *Kenotaphs eine 1 m hohe *Marmorsäule, auf der lange Zeit der berühmte Diamant »Koh-i-Nur« lag, bis ihn der persische Eroberer Nadir Schah raubte (jetzt gehört er zum britischen Kronschatz).— In einem modernen Hause in Sikandarah befindet sich ein Waisenhaus. Man tut besser, Sikandarah früher als den Taj zu besuchen.
2) Westwärts nach (38 km) * Fatehpur-Sikri ( Dâk Bungalow, neu und groß, mit guter Verpflegung, für längern Aufenthalt eingerichtet; für kurzen Aufenthalt Frühstückskorb vom Hotel mitnehmen!) mit Wagen (25 Rup. in 3 1 / 2 St.) oder Automobil (45 Rup., einzelne Sitze bei Fahrten, die das Hotel unternimmt, 10 Rup., in 1 St.) auf guter, schattiger Landstraße, von Akbar d. Gr. angelegt, wie die alte verlassene Residenzstadt selbst, deren Paläste noch sehr gut erhalten sind. Durch das Agra-Tor einfahrend, sieht man r. von der Straße die alte Münze, gegenüber die Schatzkammer, dann fährt man in den Kaiserpalast hinein, vor den Diwan-i-Am; l. liegen die Räume der Sultana und daneben der Dâk Bungalow (wo man auf Wunsch meistens auch einen Führer erhält); gegenüber sind türkische Bäder.
In der NO.-Ecke des Palastes ist das Haus der türkischen Königin; am Nordende des Hofs eine schöne Privataudienzhalle Diwan-i-Khas, südl. davon der Panch Mahal (ein »Damenheim« oder Zenana) und sw. von diesem das kleine Haus der Miriam (Akbars angeblich christlicher Gattin, einer Prinzessin von Jaipur) mit Garten und Bad; westl. davon das geschmackvolle Birbal's Haus. Ferner sind zu erwähnen der Turm Harem (Hiran) Minar, mit steinernen Elefantenzähnen geziert, über den Gräbern des kaiserlichen Lieblingselefanten, und die Grabmoschee (weißer Marmor in rotem Sandstein) des heil. * Salim Chistis in der Nähe des großen Siegestors und dieses selbst.
3) Südwärts nach * Gwalior; von Agra Road Station mit der Indian Midland Railway durch steiniges, hügeliges Gebiet, die nördl. Ausläufer des Malwaplateaus, das schon zum Dekhan gerechnet werden muß, über (35 M) Dholpur und 6 km weiter südl. über eine schöne Brücke aus rotem Sandstein über den Fluß Chambal ( Chumbul ) nach
(76 M, 122 km) * Gwalior (161 m; Gwalior Hotel[von einem Parsen geführt], außerdem staatliches Fremdenhaus Musafir Khana, in dem Unterkunft nur bei Empfehlung und Vorausbestellung zu haben ist. Reitelefanten durch Hotelmanager zu bestellen, Bakschisch an den Führer. Droschken, mäßig, zu haben [im Notfall Sänfte nehmen]), Hauptstadt des Vasallenstaats der Mahratten, hat mit der neuen Garnisonstadt Lashkar 89154 Einw. (5/6 Hindu, 1/6 Mohammedaner), liegt in einer Flußebene zwischen den Ausläufern des Malwaplateaus und hat schmutzige Häuser. Vor den Toren der alten Stadt steht die schöne Hauptmoschee Jama Masjid; in der Stadt der prachtvolle * Palast des Maharadschah (einer der schönsten in Indien) sowie mehrere Dschaintempel. Die berühmte * Festung Gwalior erhebt sich auf einem 110 m hohen senkrechten Sandsteinfelsen (oben 1900 m lang und 600 m breit) an der Westseite der Stadt; sie ist noch jetzt eine der stärksten Indiens. Am NO.-Ende die sechstürmige Zitadelle.
Im Innern der Festung sind Acker und Wasserbecken, für 15000 Mann Besatzung ausreichend. Wahrscheinlich wurde sie 275 n. Chr. gegründet von Suraj Sen, der den Sonnentempel baute; jahrhundertelang war die Feste Herrschersitz, viel bestürmt und selten erobert. Englische Truppen nahmen die Festung 1803, 1844 und 1858; 1886 wurde sie an den Maharadschah übergeben. Zum Besuch der Feste ist keine Erlaubnis erforderlich, man schreibt sich ins Fremdenbuch am Eingang ein; der Leiter (»Keeper«) des Fremdenhauses (Musafir Khana) sorgt für Bereitstellung des Elefanten, falls der Maharadschah geneigt ist, solchen für Besucher zur Verfügung zu stellen. Vom Fremdenhaus fährt man bis zum Fuße der Feste, dort wartet dann der Elefant für den steilen Aufstieg. Ein steiler Weg führt durch folgende sechs Tore in die Feste: Alamgiri Gate (das nördlichste Tor, 1660 erbaut), * Badalgarh (oder Hindola ) Gate, ein schöner Hindubau; r. steht dicht unter dem Felsen der Festung der Gujari Mahal, Schloß der Königin von Man Sing, schon sehr verfallen; Bhairon (oder Bansur ) Gate, 1485 erbaut; dann das Ganesh Gate mit dem Taubenhaus ( Kabutarkhana ) davor und einem Hindutempel daneben; nun vorbei an dem Felsentempel Chatar-bhuj-mandir (erbaut 876), ein Wischnuheiligtum mit Wasserteich (in dessen Nähe sehr alte Skulpturen), durch das Lakhshman Gate weiter hinauf längs der Ostseite der Paläste zum »Elefantentor« Hathiya Pol ( Paur ), neben dem das Hawa Gate in den Man Singh Mandir führt, der, 1486-1516 erbaut, bunte Mosaikwände hat. Nördl. schließen sich noch vier Paläste an: Vikram Mandir, Karan Mandir, Jahangiri Mahal und Shah Jahan Mahal am Nordende der Feste. Von den elf Hindutempeln der Feste ist der mittelste, Teli-ka-Mandir (Anfang des 12. Jahrh.), der sehenswerteste; er ist dem Schiwakult gewidmet, auf höchster Berghöhe mit prächtiger *Aussicht erbaut und um 1880 wiederhergestellt. —Die Felsenskulpturen an den Abhängen der Feste, besonders die südwestl. Gruppe in der Schlucht Urwahi, sind ebenfalls sehr sehenswert, weil einzig in ihrer Art in ganz Nordindien; die meisten Skulpturen, im 13. Jahrh. hergestellt (laut Inschrift aus den Jahren 1440, 1453, 1497 etc.), wurden unter dem ersten Großmogul Babar zum Teil stark beschädigt. Es sind fünf Gruppen.
Das durchfahrene Gebiet gehört zu den reichsten Kulturgebieten Indiens; Audh, der Ostteil der »Vereinigten Provinzen«, ist schon so weit in Kultur genommen, daß die Wälder großenteils (außer im nördl. Randgebiet gegen den Himalajastaat Nepal hin) verschwunden sind und mit ihnen auch viele wilde Tiere, wie der Tiger. Dabei hat das Land, das großenteils von Natur genügend befeuchtet ist (der künstlich bewässerte Anteil des Kulturlandes wird, je weiter ostwärts, um so kleiner), schon ganz tropischen Charakter.
C. Von Agra über Cawnpore, Lucknow und Allahabad nach Benares.
Eisenbahn: Agra-Cawnpore in 5 1 / 2 St.; Cawnpore-Lucknow in 2 St.; Lucknow-Allahabad in 5 1 / 2 St.; Allahabad-Benares in 3 1 / 2 St.; Agra-Allahabad in 9 St.
Von Agra Fort Station (S.83 ) mit der East Indian Railway (am besten mit Nachtzug, der etwa 3 / 4 -12 Uhr abfährt) über die prächtige Jumna-Brücke mit 16 Bogen nach (15 M) Tundla; dort meist umsteigen in den von Delhi kommenden Zug, dann östl. weiter über Ferozabad nach (72 M) Stat. Etawah, Itawah (Bahnwirtschaft mit Gastzimmer; Dâk Bungalow, 1 km vom Bahnhof), Stadt mit 40000 Einw. in malerischer Lage zwischen Schluchten und Abhängen am Nordufer der Jumna, mit schöner Hauptmoschee; *Aussicht vom teilweise zerstörten Fort auf dem Hügel über der Stadt; unterhalb vom * Fort Bathing Gats am Flußufer.—Die Bahn erreicht im weitern Verlaufe das rechte Gangesufer bei
(158 M, 254 km) Stat. Cawnpore, Khanpur (Bahnwirtsch., gut; Civil and Military Hotel, gut; Empress Hotel, Pens. 7-9 Rup.; Victoria Hotel; die Bank of Bengal und die National Bank of India Ltd. sind Korr. der Berliner Disconto-Gesellschaft, letztere auch der Deutschen Bank; Droschken nach Tarif), Knotenpunkt von fünf Bahnlinien und an der untern Einmündungsstelle des östl. Gangeskanals in den Ganges gelegen, mit enger, schmutziger Eingebornenstadt von 197170 Einw. ( 1 / 4 Mohammedaner), wo auf den Basaren gute Früchte, Leder-und Juwelierarbeiten feilgehalten werden und interessantes Leben und Treiben herrscht. Die Stadt ist ohne andre Sehenswürdigkeiten als solche, die an den Aufstand erinnern; in Cawnpore ließ Nana-Sahib im Mai und Juni 1857: 446 englische Soldaten, Frauen und Kinder hinmorden, wofür die Engländer im November weit blutigere Rache nahmen. Wo General Wheeler sich gegen Nana-Sahib verschanzt hatte, steht die Memorial Church; etwa 3 km nördl. liegt nahe dem Gangesufer der Memorial Garden mit Gedächtnisbrunnen, in dessen Mitte ein Friedensengel (von Marochetti) aus Marmor.
Seitentour. Von Cawnpore mit der Indian Midland Railway oder mit einer Zweiglinie der Oudh and Rohilkhand Railway über die Ganges-Eisenbahnbrücke durch die reichbebaute Ebene von Audh nach (44 M, 71 km) Stat. Lucknow oder Lakhnau (122 m; Bahnwirtschaft; Wutzler's Royal Hotel[Bes. Deutscher], eins der besten in Indien, 2 1 / 4 km vom Bahnhof; Savoy and Imperial Hotel, Abbott Road, Pens. 7 Rup.; Civil and Military Hotel; Prince of Wales Hotel; mehrere Klubs; Bank of Bengal, Korr. der Berliner Disconto-Gesellschaft; Droschken nach Tarif), Knotenpunkt von 6 Bahnlinien, Stadt mit 264049 Einw. ( 1 / 3 Mohammedaner), am Gumti, einem schiffbaren l. Nebenflusse des Ganges; großstädtisches Leben, aber weniger sehenswert als Delhi und Agra. Auch die großen Prachtbauten von Lucknow sind architektonisch dürftig; von Engländern ebenso wie Cawnpore nur wegen der Ruinen und Gedächtnisstellen aus der Aufstandszeit (es wurden hier 2000 Engländer getötet) besucht.
— Rundfahrt: Nw. von der Residency, den Regierungsgebäuden, liegt im Machhi Bhawan Fort die interessante große Halle Great Imambarah in altem Palast, jetzt Zeughaus; man gelangt dann über die Iron Bridge zum Lichttempel Hussainabad, der nur von außen sehenswert ist. In der Nähe der interessante Kaisar Bagh (Kaisergarten mit Palästen). In der Stadt sind die Basare, besonders der Nakhkhas oder Vogelbasar, sehenswert. Filigran-und Goldschmiedearbeiten, Pfeifenmacher, Tonfiguren. Auch die Elefantenställe der Regierung sind sehenswert sowie das Museum (bis 3 1 / 2 Uhr offen; Fr. geschlossen) mit buddhistischen Reliquien aus Muttra (S.83 ) etc., und viele schöne Gärten.
Von Cawnpore weiter mit der »East Indian Railway« sö. nach