Gasthöfe: Sylk's Hotel, Inhaber G. D'Angelis & Son, Madras.— Rosemount Hotel. Shoreham House, empfohlen, Pens. 5 Rup. im Vorfrühling.— Farrington; Fir Crove; Centre Hotel. — Post u. Tel. nahe der St. Stephanskirche und dem NO.-Ende des Sees.— Wagen (Tongas) für Ausflüge; Ponys zum Reiten.— Bank: Bank of Madras. Sanatorium ist während des Sommers im Betrieb, dann sind auch Ärzte anwesend.— Buchhandlung und Geschäfte für europäische Bedürfnisse; Photograph: Wiele & Kleine.

Ootacamund ist die Hauptgesundheitsstation der Präsidentschaft Madras; im Sommer haben der Gouverneur und der Höchstkommandierende ihre Amtssitze hier. Die Bungalows des Ortes liegen weit verstreut in einem von Bergen umgebenen flachen Tale, der größte Teil von Ooty liegt nördl. und nö. von dem schönen (künstlichen) See (2201 m), der 2,5 km lang ist. Ortsvorsteher (Municipal Office), Postamt, Buchhandlung und europäische Läden liegen nö. vom Basar der Eingebornen, etwa 1 km nördl. vom NO.-Ende des Sees. Etwa 3 km südl. vom See liegt Lawrence Asylum, eine Knabenschule mit Turm. Das Regierungsgebäude ( Government House ) liegt etwa 1 km nö. vom Postamt; dicht dabei der prachtvolle * Botanische Garten, der in einer Reihe Terrassen ansteigt und neben der indischen auch die europäische und australische Flora berücksichtigt; Heliotrope erreichen hier 3 m Höhe und 9 m Umfang, eine Verbena-Art wird 6 m hoch. Am obern Hang des Talkessels ist eine Chinchonapflanzung (Chinarindenbaum, Lieferant des Chinins); auch Tee-, Eukalyptus-und Lorbeerpflanzungen finden sich in der Umgebung von Ooty, die sich durch wundervollen, parkartigen Pflanzenwuchs auszeichnet.

Ausflüge (stets Mundvorrat mitnehmen!) mit Tonga und zu Fuß sind sehr lohnend; der höchste Gipfel Südindiens, der 2628 m hohe Dodabeta, liegt etwa 4 km östlich vom See von Ooty: oben meteorolog. Observatorium: *Aussicht. —Um den merkwürdigen, aussterbenden Stamm der Todas, der hellfarbigen, großen, kräftigen Ureinwohner der Berge mit kühner Adlernase und fast europäischen Gesichtszügen, kennen zu lernen, muß man ihre Ansiedelungen, Mands, etwa 4 halbrunde Hütten, aufsuchen oder ihren heiligen Mand, die pyramidenförmige Strohhütte, Tiriri genannt, in der nur der Priester ( Pālāl ) mit seinem die heilige Büffelherde bewachenden und die Butter bereitenden Diener ( Kawilāl ) haust. Im Tiriri wird die heilige Büffelschelle aufbewahrt, als Sinnbild der Hauptgottheit, des Hiriadewa; dieser bringen die Priester Gebete (wobei sie den rechten Daumen auf die Nasenspitze halten und mit den übrigen gespreizten Fingern die Stirn berühren). Die Todas sind dem Christentum völlig unzugänglich. Man ist jetzt geneigt, sie für einen Zweig der drawidischen Völkergruppe zu halten, der sich hier in abgeschiedener Bergeinsamkeit besonders rein erhalten konnte, also das Urdrawidatum repräsentiert. Auf verschiedenen Hügeln, besonders auf dem Karoni Hill, 5 km südlich von Ooty, findet man die sonderbaren Steinkreise der Todas, Phins genannt, die Reliquien, Urnen und hübsche goldene Ornamente enthalten. Ein heiliger Ort der Todas ist der Murkurti Peak (2560 m), etwa 32 km westl. von Ooty, wovon aber nur 13 km im Wagen zurückgelegt werden können, den Rest muß man reiten (man nehme reichlich Lebensmittel und Jagdgewehr mit). Der Weg folgt den Windungen des Pavakflusses bis zur Gabelung mit dem Paikari-(Pykara-)Fluß; man folgt dann letzterm bis zu seiner Quelle, die nur 2,5 km vom Gipfel liegt. Die Westseite des Gipfels fällt schroff etwa 2000 m tief ab. (Vorsicht, da der Boden am Rande sehr locker und unsicher ist!) Oben *Aussicht auf den Kundah (2240 m) und den Avalanche Hill (2590 m). (Andre lohnende Ausflüge nach dem Ranga Swami -Tempel, den Wasserfällen auf dem Sigur Ghat und bei U-Yal-Hatti.)

Den Rückweg von Ootacamund nimmt man am bequemsten über Coonoor nach Madras, s. S. 100.

Von Ootacamund durch das Nilgirigebirge und das südliche Dekhan über Mysore und Bangalore nach Madras; für Jagdfreunde und kräftige Wanderer sehr lohnend, aber anstrengend. Man miete in Ooty einen Bullockcar (etwa 40-45 Rup.) und lasse sich vom »Transitman«, dem Fuhrunternehmer, schriftlich die Bezahlung, auch für den Ochsenwechsel unterwegs, quittieren, versehe sich mit reichlichen Lebensmitteln (Konserven), Getränk und Jagdgewehr, Matratze und Decken und fahre nur in den kühlern Morgen-und Abendstunden. Diese Fahrt fordert von Ooty nordwärts etwa 80 km bis Nanjangud 3 Tage; etwa alle 8 km werden die Ochsen gewechselt, in elenden Dörfchen; zwischen 10 und 4 Uhr Rast im Schatten. Die 1. Tagereise führt durch Hochland mit Tiroler Landschaftsbildern, sodann senkt sich die Straße am Nordabfall des Nilgirigebirges in Zickzacklinien bis zum einsamen Bungalow von Sigur, wo man übernachtet.—Die 2. Tagereise führt durch die Vorberge des Nilgirigebirges durch fast unbewohnte Gegend; gute Jagd auf Dschungelhühner, Holztauben, Falken, zuweilen auch auf große schwarze Adler und Eulen; ferner auf Antilopen, Sambarhirsche, Wildschweine, Stachelschweine (sehr wohlschmeckend!), Hasen, Steinböcke (sehr scheu!), Marder, Schakale, zuweilen auch auf schwarze Bären und Panther. Zwischen dem mannshohen Gras und in den Dschungeln trifft man auch nicht selten auf Königstiger.

Übernachtung im Bungalow von Goondloped.—Die 3. Tagereise führt wiederum durch gutes Jagdgebiet, abends erreicht man
Nanjangud ( Nandschangad ), Stadt mit sehr heiligem Tempel, wo im März dreitägiges Wagenfest stattfindet; Endpunkt der Madras and Southern Mahratta Railway; man benutze womöglich noch den Abendzug nach
(15 M) Mysore, Maisur (770 m; Dâk Bungalow; Bahnwirtschaft; Gordon Hotel, gut; Royal Hotel ), Hauptstadt des gleichnamigen Staates, mit 68111 Einw., am Fuße des Chamundihügels, auf dem ein Tempel steht, wo bis zur Zeit von Haidar Ali Menschen geopfert wurden; auf dem Wege zum Gipfel steht ein riesiger Nandi (heiliger Stier des Schiwa). Alter und neuer Palast des Radschah. Marstall, Zoologischer Garten.
Ausflug nach Seringapatam (wo keine Schlafgelegenheit für Europäer und Hand der großen Fiebergefahr wegen dringend vor Übernachten dort gewarnt wird) mache man mit Wagen von Mysore. Seringapatam ( Srirangapattan ), die alte Hauptstadt des Staates Mysore, liegt auf einer Insel des Flusses Cauvery (Kaveri), hat nur noch 2000 Einw., zur Zeit Tippu Sahibs aber 150000. Im Mausoleum ruhen Haidar Ali und sein Sohn Tippu Sahib. Die Stadt ist nach dem sehr alten Tempel Vishnu Sri Rangam genannt. Der Besuch der engen, ungesunden Stadt hat geschichtliches Interesse.
Die Madras and Southern Mahratta Railway führt über
(54 M) Maddur ( Bahnwirtschaft ), unbedeutende Stadt mit zwei großen Wischnutempeln, Narasinh Swami und Varada Raja. Von hier Ausflug mit Tonga (10 Rup., 24 St., Vorausbestellung nötig) nach den Cauvery-Wasserfällen (lohnend in der Regenzeit; elektrische Kraftstation für das Kolargoldfeld), südlich nach (27 km) Malvalli (Dâk Bungalow), dann 20 km nach dem »See von Siva«. Die Wasserfälle sind bei der Insel Sivasamudram während der Regenzeit eine 1 km breite Wasserfläche; Höhe der Fälle etwa 90 m.
Von Maddur fährt die Bahn in 3 St. durch welliges Gelände mit bizarren Felsbrocken, Maisfeldern und Palmenwäldern nach
(102 M, 164 km) Bangalore (916 m; City Station mit Bahnwirtschaft; West End Hotel, 45 Z., Pens. 6-8 Rup.; Cubbon Hotel, 36 Z., Pens. 5 Rup.; Bowring Hotel; Cunningham Hotel; Droschken nach Tarif; Motorwagen der Indian Cycle & General Engineering Co., Stafford House, und des Motor House, South Parade; Bank of Madras), Hauptstadt des Vasallenstaates Mysore, mit 159046 Einw.; stark besetzte Militärstation und wichtiger Handelsplatz für Getreide, Baumwolle und Teppiche. Bangalores dichtbevölkerte Altstadt ( Petta ) hat enge, krumme Straßen, viele Moscheen und Hindutempel, in einem eine berühmte Statue der Göttin der Schönheit; südl. davon liegt das alte Fort mit dem Arsenal, im NO. das englische Viertel mit vielen Kirchen, der Wohnung des britischen Residenten für Maisur, Regierungsgebäude, Central College, Zentralgefängnis. Außerhalb der Stadt liegt der neue Palast des Maharadschah und der schöne Park Lal Bagh mit Botanischem Garten. Bedeutend ist die Teppichweberei, Anfertigung von goldenen und silbernen Tressen, Gerberei. Die Stadt liegt im Grünen, das aber weniger tropisch als in Madras ist; man sieht Ahorn und Pappeln. Bangalore ist als gesunde Stadt mit angenehmem Klima beliebter Ruhesitz für englisch-indische Pensionäre.
1) Ausflug nach den Cauvery-Wasserfällen mit Motorwagen von Bangalore (s. oben) teurer, aber schneller und bequemer als von Maddur mit Tonga (s. unter Maddur).
2) Ausflug nach den *Gersoppa-Fällen von Bangalore mit der Bahn (Poona-Linie) über (131 M) Birur (umsteigen; in 9 St., Rückfahrkarten I. Kl. 24, II. 12 Rup.) nach (169 M) Shimoga ( Dâk Bungalow ), Distriktshauptstadt mit 8000 Einw., am l. Ufer der Tunga; Manganeisengruben in der Nähe; von da mit Motorwagen (in Bangalore vereinbaren und Platz bestellen bei der Indian Cycle etc. Co.; 4 Personen je 38, 3 je 50, 2 je 75 Rup.; die Gesellschaft trifft auf Bestellung auch Fürsorge für Unterkunft und Verpflegung, Tag 10 Rup.).

Der Ausflug dauert von Shimoga je einen Tag hin und zurück mit Automobil; für Reisende mit Bullock-Tonga sind Rasthäuser in (24 km) Ayanur, (48 km) Anantpur, (74 km) Sagar, (88 km) Talgappe und (104 km) * Gersoppa-Fälle (auch Gairsoppa oder Jog Falls genannt); die vier Wasserfälle des Sharasvati -Flusses sollen zu den schönsten der Erde rechnen, der erste ( Radschah genannt) fällt 240 m fast senkrecht hinab, der zweite ( Roarer ) hat zwei Stufen, der dritte ( Rocket ) besteht aus vielen kleinen Fällen, der vierte ( Dame Blanche ) aus einer Reihe von Strudeln. Das Landschaftsbild mit dem Felsenbett und Uferdschungeln ist großartig; die malerische Wirkung wechselt mit dem Sonnenstand; Felsentauben umflattern die Fälle, Regenbogen überspannen das Flußtal. Dicht bei den Fällen sind zwei Bungalows für Fremde, deren Wächter auch einfache Nahrung kochen: doch nehme man reichlich Lebensmittel und Getränk mit.
Zur Fahrt nach Madras in Bangalore City Stat. umsteigen, dann über (145 M) Bowringpet Junction (Zweigbahn [10 M] nach Marikuppam, mit Goldminen des Kolargoldfeldes) nach (189 M) Jalarpat Junction (Bahnwirtschaft; umsteigen in den Zug nach Madras, dann über (241 M) Katpadi (Bahnwirtschaft; 6 km südl. die Tempel von Vellore, an einer Zweigbahn, die auch nach Villupuram, S.128, führt); ferner über (256 M) Ranipet (Stat. für die [8 km südl.] geschichtlich interessante Stadt Arcot, die schon Ptolemäus erwähnt) und über (279 M) Arkonam nach (321 M) Madras (S.100 ).

Von Madras nach Calcutta.

Madras and Southern Mahratta Railway vom Zentralbahnhof in Madras, Schnellzug Vm. mit durchgehenden Wagen bis (1032 M, 1661 km) Calcutta (Howrah Stat.) in 43 St. für I. Kl. 91, II. 44 Rup. 4 annas; Gepäcküberfracht (S.50 ) pro maund 6 Rup. 4 annas. (Wegen Änderungen des Abfahrtbahnhofs erkundige man sich vorher.)
Geographisches. Die Bahnfahrt längs der flachen Ostküste des Dekhans bietet landschaftlich wenig, ist aber doch weniger einförmig als die durch die Gangesebene. Der östliche Küstenstreifen der vorderindischen Halbinsel ist gut angebaut; da die natürliche Feuchtigkeit dazu vielfach nicht ausreichte, sind zahlreiche Kanäle angelegt, die das Flußwasser überallhin verteilen. Der Bahnbau hat zahlreiche Brücken nötig gemacht; denn das Dekhan dacht sich nach O. hin ab, und die Zahl der in die Bai von Bengalen mündenden Wasserläufe ist deshalb sehr groß. Meist sind es kleinere Flüsse, die von den Ostghats, dem östl. Randgebirge des Dekhans, herabkommen, aber dazwischen auch einige große, nahe der Westküste der Halbinsel entspringende Ströme: Kistna, Godavery, Mahanadi. Der größte von ihnen ist der Godavery, 150 km länger als der Rhein und mit einem Einzugsgebiet von der Größe Preußens. Die Verkehrsbedeutung aller dieser Flüsse ist gering. Die großen Ströme laufen in Deltas aus, die besonders fruchtbar sind, aber von der Bahn umgangen werden müssen. Der Küstenstrich selbst ist hafenlos, sandig, vielfach mit Dünen besetzt, aber mit Kokos-und Palmyrapalmen bewachsen. Mehrfach sind große Haffe entstanden, so nahe nördlich von Madras, und der Chilkasee (S.133 ). Küstenstädte von Bedeutung fehlen.

Von Madras fährt man über (23 M) Ponneri (Bahnwirtschaft) nach (85 M) Gudur (Bahnwirtschaft) und (110 M) Nellore (Bahnwirtschaft; Dâk Bungalow, gut), in dessen Hindutempel römische Münzen aus dem 2. Jahrh. gefunden wurden, Stadt von 30000 Einw., am Pennar-Fluß, Missionsquartier; dann über (130 M) Bitragunta (Bahnwirtschaft) und (182 M) Ongole (Bahnwirtschaft) über den breiten Kistna-(Krischna-)Fluß nach (268 M) Bezwada Junction (Bahnwirtschaft; Dâk Bungalow), Stadt mit 12000 Einw., Bahnknotenpunkt für Hyderabad (S.98 ) und Bellary; in der Nähe der Höhlentempel Undavilli und der Amararshnaraswami-Tempel, 1361 erbaut, und andre Sehenswürdigkeiten für Reisende, die noch nicht tempelmüde sind.—Bei (305 M) Ellore (Bahnwirtschaft), mit Teppichwebereien, ist der Vereinigungspunkt der Kistna-und Godaverykanäle; die Bahn überschreitet später auf großer Brücke den 3,5 km breiten Godaveryfluß und erreicht gleich darauf die alte Orissa-Königsstadt (361 M) Rajahmundry (Radschamandry; Bahnwirtschaft); etwa 40 km flußaufwärts durchbricht der Godavery die Ostghats in landschaftlich schönen Schluchten.—Bei (392 M) Samalkot Junction führt r. eine Zweigbahn (8 M) nach der kleinen Hafenstadt Cocanada (Hotel Viktoria) mit Reede für Küstendampfer. —Der Schnellzug fährt über (426 M) Tuni (Bahnwirtschaft) nach (485 M) Waltair (Bahnwirtschaft; von hier Zweigbahn [3 km] nach dem kleinen, geschützten Hafenplatz Vizagapatam[Dâk Bungalow], mit 41000 Einw., in hübscher Lage).—Dann über (522 M) Vizianagram (Bahnwirtschaft), Hauptstadt eines der größten Zanindari-Staaten mit schönem Palast des Maharadschah, und (656 M) Berhampore (Bahnwirtschaft) nach (686 M) Rambha, am Südende des schönen Chilkasees, eines Haffes, an dessen Ufern man vielerlei Wild, in der kühlen Jahreszeit viele Arten Wasserhühner sieht.