Die Temperatur nimmt in der kühlen Jahreszeit landeinwärts ab (Rangoon Januar 23,7°, Mandalay 20,4°), in der heißen aber zu (Rangoon April 29,4°, Mandalay 31,8°). Die Vegetation des Küstengebiets ist sehr üppig; die Inseln des Irawaddydeltas sind großenteils von Sumpfwald und Röhricht bedeckt, die Berge von tropischem Regenwald. Die dichten Wälder, die einen großen Teil des Innern bedecken, bestehen vielfach aus Teakbäumen, die weniger Regen bedürfen; ihr Holz bildet einen Hauptausfuhrgegenstand; daneben gibt es Feigen-und Magnolienbäume sowie Brotfruchtbäume. Tierwelt wie in Ostindien, dazu vier Arten Nashörner. Vögel und Reptilien sind sehr farbenprächtig.
Bevölkerung. Das herrschende Halbkulturvolk der Birmanen ist wohl ein Mischvolk aus mongolischen, vorderindischen und malaiischen Elementen. Sie sind klein, hellbraun, wohlgestaltet, sehr lebhaft und geschäftlich rührig, gegen Fremde meist höflich und gastfrei, aber unzuverlässig und verschlagen. Männer und Frauen sind sehr putz-und vergnügungssüchtig und in ihrem Leben und Gebräuchen wesentlich von den Hindu verschieden. Die Kultur ist vom benachbarten Vorderindien aus stärker beeinflußt als von China her. Aus Vorderindien ist sowohl der Brahmanismus gekommen, der zahlreiche schöne Tempelbauten, namentlich in Oberbirma, hinterlassen hat, wie auch der heute herrschende Buddhismus, der übrigens mit brahmanischen Ideen ganz durchsetzt ist. Jeder Mann muß eine Zeitlang als Mönch leben; Klöster, Phoongyi-Kyaung, findet man in jeder Stadt und jedem Dorf, ältere sind oft prächtig aus Teakholz geschnitzt und mit Spitztürmen, Pyathats, geziert. Die Priester, kahlgeschoren und mit gelben Seidengewändern, sind hochangesehen, worauf der Reisende stets Bedacht nehmen muß, um sich vor Unannehmlichkeiten zu bewahren. Der Oberpriester, P'ha-T'hena-Baing, ein hoher Reichswürdenträger, hat seinen Sitz in Mandalay. Die Tempel, Phra, sind Prachtbauten, die Pagoden stets pyramidenförmig. Die Priester sind gegen höfliche Fremde sehr artig und zeigen alles gern. Öffentliche Theateraufführungen ( Pwe ), die abds. 8 Uhr im Freien beginnen und oft über Nacht dauern, sind sehenswerte Volksfeste.
Den kulturellen Mittelpunkt des Landes bildet das Irawaddytal, in dessen Ebenen große Mengen von Reis, Baumwolle, in viel geringerm Umfang auch Erdnüsse, Tabak, Zuckerrohr und Sesam gebaut werden; die Ausfuhr von Reis (nach China) ist sehr stark. Im nördl. Gebiet kultiviert man Mais, Weizen, Hirse, Hülsenfrüchte, Ölsaat; im Gebirge auch Tee, der teils als Gemüse gegessen, teils eingesalzen zur Getränkbereitung benutzt wird. Viehzucht ist unbedeutend, man hält nur Zug-und Lasttiere: Pferde, Büffel, Elefanten, Rinder. Wichtig ist der Bergbau auf Edelsteine (besonders Rubine und Saphire), Petroleum und Kohle.
Der Handelsverkehr findet vorwiegend auf den schiffbaren Flüssen statt, auf dem Irawaddy mit Dampfern der Irawaddy Flotilla Co. bis Bhamo, 1180 km von der Mündung, und auf dem Chindwin. Außerdem mehrere Bahnlinien, s. S.145 und150.
Der Ostteil Oberbirmas wird von dem wilden Gebirgslande der sogen. Schanstaaten eingenommen, die erst in ihrem Nordteil durch die bis nahe an die Grenze der chinesischen Provinz Yünnan führende Eisenbahn ein wenig erschlossen, im ganzen aber noch ziemlich unerforscht sind. Die Staaten der Schanvölker, die dieses Gebiet hauptsächlich bewohnen, stehen zu England im Verhältnis von Schutzstaaten. Die Schan sind ein Naturvolk, aber mit einer nicht ganz geringen Kultur, und leisten im Ackerbau (Tee und Baumwolle) und Viehzucht Tüchtiges. Sie sind mongolischen Ursprungs, also Verwandte der Chinesen.
Beste Reisezeit nach der Regenzeit, etwa von Mitte November bis Ende Februar; aber auch der März ist oft noch angenehm kühl und sehr geeignet für Ausflüge.
Die Hauptreize einer Reise ins Innere Birmas bestehen in der Fahrt auf dem majestätischen Irawaddystrom, die den Genuß der Tropennatur unter den angenehmsten Verhältnissen ermöglicht, und im Studium der äußerst liebenswürdigen Bewohner und ihrer Kultur, besonders ihrer religiösen Bauwerke.

Rangoon.

Vgl. den Plan S.147.

Ankunft zur See. Bei China Bakir kommt der Lotse an Bord, dann dampft man auf dem Rangoonfluß (dem östlichsten Mündungsarm des Irawaddy) aufwärts und ankert nach etwa 2 St. Fahrt vor der Stadt, 24 Seem. oberhalb der Mündung. Beide Flußufer zeigen reichen Pflanzenwuchs; von weitem sieht man Schornsteine und die goldglitzernde Dachspitze der Shwe Dagon-Pagode, später erkennt man Warenschuppen und Holzlager und Häuser der Stadt. Landung erfolgt mit Dampfbarkassen der betr. Dampfergesellschaft oder mit Booten der Eingebornen (»sampans«; 4 annas für 10 Min. Fahrt). Bei hohem Wasserstand legt der Dampfer am Ufer vor der Mitte der Stadt an. Zolluntersuchung wie in Indien (S.49 ); von indischen Häfen kommende Reisende haben keinen Zoll zu zahlen.
Gasthöfe: Minto Mansions Hotel, im Cantonment nahe Gymkhana; 80 Z., neu und besteingerichtet, gute Verpflegung, Din. 3 Rup., Pens. 9-15 Rup., Oktober bis April 15-17 Rup.— Strand Hotel (Pl. a), in schöner Lage, empfohlen. — Royal (Pl. b), Pens. von 10 Rup. an.— Criterion Hotel. —Viele Boarding Houses: Allendale, im Cantonment, Aberdeen House u. a.; Pens. 5-11 Rup. Vorausbestellung von Zimmern ist zweckmäßig. Man kann auch auf den Irawaddy-Dampfern gut übernachten. — Restaurants in den großen Gasthöfen; ferner Chiesa, italienische Konditorei; Vienna Bakery, Fytche Square.
Post u. Tel. in Strand Road.
Wagen: Ticca gharries nach Tarif. Man beachte, daß die Kutscher meist »Madrassis« sind, die Hindostanisch verstehen, aber weder Straßen-noch Geschäftsnamen kennen! Man nehme den Stadtplan mit!
Straßenbahnen (elektr. Bahn mit 2 Klassen). Eine Linie von Strand Road zur großen Shwe Dagon-Pagode; eine andre zum Dalhousie Park, eine dritte Linie nach Pazundaung.
Eisenbahnen: Burma Railway, Hauptlinie nach Mandalay und Myitkyina mit Zweiglinien nach Moulmein, Myingyan, Alon, Lashio und Katha; außerdem Linie Rangoon-Prome mit Zweiglinie nach Bassein (vgl. Karte »China und Japan« und die bei S.155 ). Der Hauptbahnhof (Terminus) liegt Ecke Phayre Street und Montgomery Street; die Prome-Linie hat noch Nebenstationen bei Godwin Road, Prome Road und Alon sowie eine große Station im Vorort Kemmendine; die Mandalay-Linie hat den Bahnhof Pazundaung.—Lokalverkehr besteht zwischen Rangoon-Hauptbahnhof-Pagoda Road-Lanmadaw-Cantonment-Gymkhana-Mission Road-Kemmendine-Kamayut-Okkyin-Tamaing-Gyogon und Insein und zurück.
Dampfer: British India Steam Nav. Co. (Agent Bulloch Bros., Strand Road), nach Calcutta 3mal wöchentl.; nach Madras (Fahrzeit 4 Tage), nach Tavoy und Mergui, nach Penang und Singapore wöchentl.— Norddeutscher Lloyd (Agent: Krüger & Co., Ltd., Tel.-Adr. »Nordlloyd, Rangoon«), durch Zweiglinie der British India Steam Nav. Co. alle 14 Tage nach Penang (Fahrzeit 3 Tage, Aufenthalt in Penang etwa 3 Tage), dort Anschluß an die aus-und heimreisenden Reichspostdampfer.— Bibby Line, nach Colombo alle 14 Tage (Fahrzeit 4 Tage).— Österreichischer Lloyd (Agent Società an. Coloniale di Trieste, Tel.-Adr.: »Lloydiano-Rangoon«), einmal monatl. nach Calcutta (von Colombo und Madras kommend) und von da nach Triest.— Henderson Line, 14tägig über Port Said nach London.
Geld wie in Indien, s. S.49; aber indisches Papiergeld muß in Birma mit Verlust gewechselt werden; Banknoten des Rangoon Treasury gelten in ganz Birma. 1 £ = 15 Rup.— Banken: Bank of Bengal, Strand Road. — Hongkong and Shanghai Banking Corporation; Korr. der Allg. Deutschen Creditanstalt in Leipzig.— National Bank of India, Phayre Street; Korr. der Deutschen Bank; alle drei der Berl. Disconto-Gesellschaft.— Nederlandsche Handels Maatschappij. Cook's Office (s. unten) besorgt ebenfalls Bankgeschäfte.
Die Sprache der Birmanen ist ein Glied der indochinesischen Sprachfamilie. Man beachte Judson, »Grammar of the Burmese language« und dessen »Dictionary«. Englisch wird jedoch in den Gasthöfen und auf den Eisenbahnen gesprochen.

Theater: Reisende europäische Gesellschaften geben zuweilen in der Jubilee Hall in Pagoda Road Vorstellungen. —Nationale Vergnügungen (Pwes) suche man zu erkunden: Zat Pwe ist Vorstellung mit Gesang, Tanz und Ulk; Yokthwe Pwe ein Marionettentheater; Yein Pwe, Ballettänze mit Musik und Gesang, finden nur bei besondern Festlichkeiten statt, sind frei (werden vom Veranstalter des Festes bezahlt) im Freien von 8 Uhr abds. die Nacht hindurch.
Reisebureau. Thos. Cook & Son, östl. Ecke der Phayre Street und Merchant Street (Tel.-Adresse: »Coupon, Rangoon«), besorgt zusammenstellbare Fahrscheine für alle Ausflüge mit Bahn oder Flußdampfer und erledigt auch alle Geldgeschäfte. (Nützlich ist Cook's Handbook Burma.)— Scott & Co., Merchant Street.
Konsulate: Deutsches Reich, Konsul C. Kauffeld.— Österreich-Ungarn, Konsul Michael Sevastopulo.— Deutscher Klub in Commissioners Road.
Polizeiamt in der Pagoda Road beim Bahnübergang und an andern Plätzen.
Ärzte: Die Zivilärzte im Cantonment; Dr. de Souza, Dalhousie Street; Dr. Pearse, Dr. Pedley, beide Signal Pagoda Road. Die Ärzte haben Sprechstunden in den Apotheken.— Zahnärzte: Dr. Panhans (deutsch), Solay Pagoda Road; Osborn (Amerikaner), Phayre Street.— Apotheken: De Souza & Co., Dalhousie Street 215.— Rangoon Medical Hall, Merchant Street 72. — Krankenhaus: General Hospital in der Commissioners Road; Ärzte: Major Barry, Major Röst.
Buchhandlung: Myles Standish & Co., Merchant Street 75.— Zeitungen: Rangoon Gazette; Rangoon Times; Burma Herald.— Photographien: P. Klier & Co., Signal Pagoda Road 3 und Merchant Str., Ecke der Phayre Street. — D. A. Ahuja (für photographische Artikel), Sule Pagoda Road.
Geschäftsadressen. Reiseartikel und europäische Bedürfnisse: Laidlaw & Whiteway.— Rowe & Co., Fytche Square.— Watson, Allen & Roberts, Merchant Street 73.— W. Macfie & Co., Merchant Street 16.—Kuriositäten, Ebenholzschnitzereien, Elfenbein-, Gold-und Silberwaren: Klier & Co., Merchant Str., Ecke der Phayre Street.—Goldschmiede und Holzschnitzer in Godwin Road; gute Schnitzarbeiten liefert auch das Hauptgefängnis ( Central Jail ), Old South Boundary Road; Buddhafiguren in Bronze und Alabaster und andre Spezialitäten im Vorort Kemendine.— Basare: Suratee Bazaar in China Street.— Rangoon Bazaar gegenüber; außerdem öffentliche Märkte ( Municipal Bazaars ), Strand Road u. in Kemendine.
Zeiteinteilung für Birma. a) Für 10 Tage (die gewöhnliche Zwischenzeit zwischen zwei Dampferabfahrten): Ankunftstag früh Stadt Rangoon, Nm. Bahnfahrt nach Katha, von da am 3. Tag früh mit Dampfer nach Bhamo;— 4. Tag Bhamo;—mit demselben Expreßdampfer am 5. Tag früh zurück, Nm. an Katha, mit Bahn von da nach Mandalay;—6. Tag: Mandalay;—7. Tag: früh ab nach Gokteik Gorge, Nm. dort an;—8. Tag: Vm. ab Gokteik Gorge nach Rangoon;—9. Tag: abds. Ankunft Rangoon;—10. Tag: Vm. Rangoon, mitt. Abfahrt mit Dampfer.
b) Bei längerm Aufenthalt: 1. Tag: Rangoon;—2. Tag: Bahnfahrt nach Mandalay;—3. u. 4. Tag: Mandalay; —5. Tag: Amarapura und Ava; —6. u. 7. Tag: Gokteik Gorge;— 8. Tag: Bahnfahrt nach Katha;—9. Tag: Dampferfahrt nach Bhamo;— 10. Tag: Bhamo;—11. bis etwa 20. Tag: Dampferfahrt Bhamo-Mandalay-Prome-Rangoon. Der Reiseplan ist abhängig vom Fahrplan der Irawaddy Flotilla Co.
Geschichte. Der Platz, wo Rangoon steht, ist seit alters heilig durch die Shwe Dagon-Pagode. In den Kämpfen zwischen den Ländern Ama und Pegu vertrieb der Bauer Alompra die Bewohner Pegus und machte 1753 Rangoon zur Hauptstadt der letzten Königsdynastie von Birma. Der Übermut des Königs Phagyidan führte zum Kriege mit England, Rangoon wurde 1824 von den Engländern erobert, aber erst 1852 zur Hauptstadt von Britisch-Birma gemacht. Seitdem hat sich die Stadt zu einem wichtigen Ausfuhrhafen für Reis und Teakholz entwickelt.

Lageplan von Rangoon. Lageplan von Rangoon.

Rangoon, Hauptstadt von Britisch-Birma und Sitz des Lieutenant Governor's, mit 234881 Einw., liegt auf 16° 47' nördl. Br. am Ostrande des Irawaddydeltas, am linken Ufer des Rangoonflusses (Hlaing), des östlichsten Mündungsarmes des Irawaddy, dicht oberhalb der Einmündung des Peguflusses und nach O. begrenzt von dem schmalen Wasserarm Pazundaung Creek (an dessen Ufern die meisten Reismühlen liegen). Die Stadt ist weitläufig gebaut mit regelmäßigen Straßen. Im W. liegt das Chinesenviertel, im NW. das Cantonment, zugleich Europäerviertel, mit breiten Straßen und schönen Gärten sowie vielen Kasernen. Im nördlichen Teile dieses Viertels liegt die große Tempelanlage der *Shwe Dagon-Pagode (s. unten) und östl. davon der prächtige *Dalhousie Park mit den *Royal Lakes. Südl. angrenzend der *Victoria Park, in dem sich die Agri-Horticultural Gardens, das kleine Phayre Museum und der Zoologische Garten befinden. Erwähnenswerte Gebäude sind das Seemannsheim ( Sailor's Home ) und der Chinesische Tempel in Strand Road, das Sekretariat in der Dalhousie Street, das General Hospital in Commissioners Road, das Gouvernment House in Kemmendine Road, die Kathedrale und das Rangoon College mit Bibliothek, alten Pali-und Birmahandschriften auf Palmenblättern in China Street. Nicht alle Straßen haben Namen und Hausnummern, was das Zurechtfinden in der Stadt erschwert. Die Sägewerke für Teakholz (in denen Elefanten zum Lastentragen verwendet werden) liegen meist in Aloon, am Westende der Strand Road. Man versäume nicht, die arbeitenden Elefanten (wood piling elephants) am Fluß anzusehen, früh 6-9, dann 3 Uhr bis abends.

Rundfahrt. Morgens 1 / 2 -8 Uhr beginne man mit den Basaren (S.146 ), insbesondere dem Suratee Bazaar in der China Street und dem Municipal Bazaar am Strand; dann ist die beste Zeit, um die Tätigkeit der sehr geschäftsgewandten, Riesenzigarren rauchenden interessanten Birmaninnen zu bewundern; die Basare werden viel besucht, nur um Erkundigungen einzuziehen, zu schwatzen und zu flirten. Dann fahre man durch China Street bis zur Commissioners Road, in diese l. zum sehenswerten neuen General Hospital, gegenüber das Rangoon College und der Deutsche Klub; von da weiter zum Central Jail (eins der größten Zuchthäuser im britischen Reich), das Verkaufsräume der Sträflingsarbeiten (meist schöne Holzschnitzereien) hat und auch innen sehenswert sein soll; Erlaubnis zur Besichtigung beim Superintendent im Gefängnis.—Dann durch Dalhousie Street bis zum Fytche Square, wo die achteckige Sule-(Solay-)Pagode steht; ihr äußerer Bau ist kaum 70 Jahre alt, aber die Stûpa im Innern soll aus dem 1. Jahrh. stammen und schließt noch eine kleinere Stûpa von der Königin Schinsobu ein. Auf der Terrasse der Pagode interessante Reliquienschreine und Statuen.—Die Hauptsehenswürdigkeit Rangoons, die *Shwe Dagon-Pagode, besichtigt man am besten 4 Uhr Nm. Man fährt vom Strand durch China Street und Pagoda Road bis vor ihren nach S. gelegenen Haupteingang. Sie ist der heiligste Buddhatempel in ganz Hinterindien, wahrscheinlich fast 2 1 / 2 Jahrtausende alt (588 v. Chr. erbaut) und steht mitten auf befestigten Terrassen auf einem Hügel des Pegu Jomagebirges. Eine schöne Allee führt von der Stadt zum Haupteingang mit reich verziertem, von fabelhaften Ungetümen aus weißem Stuck bewachtem Tor, zu dem man auf breiter Freitreppe hinansteigt. Auf der Treppe Verkäufer aller Art; Gebetfähnchen, Opferkerzen, Puppen, Tempelblumen, Gongs und Glocken, Eßwaren, dazu Führer und Bettler in Menge. Innerhalb des Tores öffnet sich der farbenprächtige Tempelplatz, in dessen Mitte die große, im untern Teil mit Blattgold, im obern Teil mit Goldplatten bedeckte Pagode über achteckiger Grundfläche von 413 m Umfang sich in vielen Abstufungen flaschenförmig 98 m hoch erhebt. Ihre Spitze trägt als Herrscherzeichen ein goldenes Schirmgestell, reich mit Edelsteinen, besonders den prächtigen birmanischen Rubinen, verziert und mit goldenen und silbernen Glöckchen behängt, und » Ti « genannt; der letzte Ti von 14 m Höhe und 4 m Durchmesser und 1, 2 Mill. Mk. Wert wurde 1871 vom König Mindun Min von Oberbirma gestiftet. Acht Haupthaare Gautamas (Buddhas) im Innern der Pagode werden von unzähligen Pilgern jährlich verehrt.

Die Vergoldung der Pagode ist verschwenderisch dick, die Edelsteine, mit denen die Pagode und ihre zahlreichen Buddhastatuen und andern Figuren u. Tempel früher geschmückt waren, sind seit Besitznahme des Landes durch die Engländer fast sämtlich verschwunden. Die Pagode (auf deren Sockel noch im Jahre 1903 ein wilder Tiger, der sich zur Stadt verlaufen hatte, geschossen wurde) ist rings umgeben von kleinern Tempeln und Altären mit Buddhastatuen aus Teakholz geschnitzt oder aus Stuck oder Marmor; dazwischen stehen Elefanten, Löwen und phantastische Manotthika-Figuren aus Stein und reichem Holzschnitzwerk, ferner heilige Pfosten, wie Flaggenstangen mit langen Eisenbändern, und gekrönt mit dem Adler Wischnus, Karaweik; dazwischen wachsen heilige Bo-Bäume und Palmyra-Palmen.—Diese seltsame Tempelanlage wird von Priestern und Mönchen, Bettlern, Musikanten, Wahrsagerinnen, hübschen, aber geschwätzigen Weibern, Krähen und Hunden bevölkert, während stets zahllose Glöckchen läuten. Man besuche dieses »Märchenbild« öfters und zu verschiedenen Tages-und Abendstunden und wird stets neue Reize entdecken.—Am Osteingang steht die fast 40 Tonnen schwere Glocke, die in den Fluß fiel, als die Engländer sie als Beute mitnehmen wollten, später aber wieder von den Birmanen gefischt und zum Tempel gebracht wurde.

Noch vor Sonnenuntergang sollte man eine Spazierfahrt durch den künstlerisch angelegten *Victoria Park mit Zoologischem Garten und Agri-Hortikultur-Garten, dann durch den schönen Dalhousie-Park um den Royal Lake herum machen, der durch Bougainvillea-Hecken eingerahmt ist und kaum 1 km östl. von der großen Pagode liegt; die goldene Pagodenspitze ist im Hintergrund des Parks zu sehen.—Um birmanische Klöster kennen zu lernen, wende man sich an den liebenswürdigen alten Mönch Uthilawuntha, der dicht beim Bahnhof Pazundaung eine gute Schule leitet und gern europäische Besucher empfängt. Dort ist man in der Nähe der Reismühlen, deren Besichtigung zu empfehlen ist; Erlaubnis wird meist gern gegeben.