Rundfahrt (in den untern Straßen mit Rikscha, in den obern mit Tragstuhl). Vom Landungsplatz bei der Ice House Street in die große Geschäftsstraße Queen's Road Central, vorbei am Stadthaus (City Hall), neben dem mehrere Bankgebäude stehen, weiterhin der Uhrturm neben dem Postamt und vorbei an der Zentralmarkthalle bis zur Queen's Road West im Chinesenviertel; von da am Hafen längs Connaught Road oder durch eine der obern Straßen, z. B. Holywood Road, zurück zum Park ( Public Gardens ), an dessen Nordseite in schönem Garten der Palast des Gouverneurs liegt. In der Nähe ist der Bahnhof der Drahtseilbahn (S.221 ), die hinaufführt nach * Victoria Peak (551 m); Auffahrt sehr malerisch mit prächtigen Ausblicken; vom obern Bahnhof führt eine Treppe zum Peak Hotel; der Weg r. führt an Kasernen vorbei zum Gipfel mit Signalstation (20 Min.), wo herrliche *Aussicht auf das Meer im S. mit den Inseln und auf den Hafen. Zurück gehe man die steile Peak Road bergab, oder wende sich vom obern Bahnhof nach l. um die kleine Bergkuppe nach O. und kehre auf Bowen Road zur Stadt zurück. Oder man steigt sw. hinab vorbei am Wasserbehälter und dem französischen Kloster Pok Fulum (Erholungsstation) und wendet sich um die SW.-Ecke der Insel, erreicht nach etwa 3 St. anstrengendem Marsche die Chinesenstadt und kehrt auf der Game Road oder Bonham Road zurück. Man beachte, daß alle diese Wege, da sie viele Windungen und Zickzacklinien machen, länger sind, als man sie vom Gipfel des Peak schätzen kann. Den Peak besuche man öfters, lasse sich nicht durch trübes Wetter abhalten, da man oben stets reine, frischere Luft (und gute Verpflegung im Hotel) findet. Auf allen Wegen kann man sich ohne Führer auf den Zickzackwegen leicht verlaufen und zu sehr großen Umwegen gezwungen sehen. Auch hüte man sich, einen photographischen Apparat zu zeigen.—Schöne Spaziergänge bieten Kennedy Road und Bowen Road. — Ausflug nach Happy Valley mit Rikscha oder elektrischer Straßenbahn bis Stat. »Bowen Road«, bis Robinson Road, dann l. auf der schönen Bowen Road 6 km; oder (event. im Tragstuhl) vom Uhrturm am stattlichen Army Hospital vorbei bis zum Rennplatz (Race course), an dessen Westseite nebeneinander der mohammedanische, katholische, protestantische, parsische und hindustanische Friedhof liegen. An Renntagen im Frühjahr versammelt sich ganz Hongkong auf dem Rennplatze; die Gasthöfe und Klubs haben Tribünen dort. In der Nähe liegt der Spielplatz ( Recreation Ground ) des Golf Club und östl. davon der hübsche East Point Hill. Rückfahrt am bequemsten durch das östliche Chinesenviertel ( Wanshai ), vorbei am Royal Naval Hospital, und durch die Queen's Road East, an der r. die englische Marinewerft mit Werkstätten, Vorratslagern und Trockendock liegt.—Mit Fährdampfer (S.221 ) in 9 Min. hinüber nach Kaulun ( Kowloon ); Rikschas sind zu haben; dort liegen die großen Waren-und Kohlenlager, Werftanlagen mit Docks und Kasernen für englisch-indische Truppen. Der Ort ist ohne Sehenswürdigkeiten, aber wichtig für den Seehandel. Etwa 3 km nördl. liegt der chinesische Fischereihafen Yaumati, wo auch Dschunken gebaut werden.
Eisenbahn Kaulun-Kanton (170km; I. Kl. $ 5,40, II. 2,70; Fahrzeit des Schnellzugs 5 St.). Die 1910 fertiggestellte Bahn beginnt im Nordzipfel der östl. an Kowloon grenzenden Hongham Bay. Um Raum für die Bahnhofsanlagen und Kais zu gewinnen, mußte ein Teil der Bucht zugeschüttet werden. Die vorgelagerte Bergkette durchschneidet die Bahn in dem 2198 m langen Beacon Hill-Tunnel und läuft am Tolohafen entlang in NW.-Richtung über Lofa, wo das chinesische Gebiet beginnt, und Schaklung (der einzigen Station des Schnellzugs) nach Kanton (S.225 ).
1. Seitentour: Hongkong-Kanton.
Dampfer, s. S.221 (die französischen Schiffe haben bessere Küche, die englischen bessere Kabinen); 90 Seem.; Fahrzeit etwa 7 St. bei Tage, 12 St. nachts. Für die Nachtfahrt Schlafkoje vorausbestellen. Eilige fahren am besten nachts nach Kanton, verbringen hier den Tag und kehren 5 Uhr abds. mit dem gleichen Dampfer nach Hongkong zurück, da Nachtlager in Kanton nicht zu empfehlen. Ankunft Mitternacht, man schlafe auf dem Dampfer bis früh.—Cook & Son geben Fahrkarten für Kanton einschl. Dampferfahrt und Führung aus; zu empfehlen.— Eisenbahn s. oben.
Die Fahrt ist landschaftlich schön; zunächst mit westl. Kurs zwischen den Inseln Mahwan und Lantao durch, dann nördl. in die 30 km breite Mündung des Kantonflusses, eigentlich eine Meeresbucht, die von W. her durch das Delta des Sikiang schon großenteils ausgefüllt ist. Man sieht anfangs nur einzelne kleine Inseln, bis die kahle Küste mit geschwungenen Berglinien näher tritt, das Wasser gelb wird und die Ufer in der Bocca Tigris zusammentreten; diese Enge wird von Inseln gebildet, auf denen chinesische Küstenwerke, meist verfallen, zu sehen sind. Durch die Enge gelangt man in den Perlfluß, dessen Ufer gut bebaut sind; man sieht in der Ebene Bananen, Obstbäume und Reisfelder. Zum Abgeben von Post und Reisenden stoppt der Dampfer bei Whampoa ( Huangpu ), chinesischer Stadt mit verfallenen Werftanlagen, Marine-und Militärakademie, Torpedo-und Seeminenabteilung; es ist der Ankerplatz für große Seeschiffe mit Ladung für Kanton. Weiter oberhalb wird das Fahrwasser flach (3,5 m Tiefe). Die Zahl der Dschunken und Sampans nimmt zu, das Getümmel und Getöse wirkt sinnverwirrend; die Dampfpfeife muß ununterbrochen heulen, um eine schmale Fahrrinne zu erzwingen. Einzelne Türme von Kanton erscheinen: etwa 100000 Kantonesen leben auf dem Wasser in Booten aller Art, in zehnfachen Reihen dicht nebeneinander. Schmutzige Holzhütten und ärmliche Steinhäuser, Speicher, Pagoden, einzelne Gärten, ein Stück Stadtmauer mit Wachttürmen, das ist der Anblick der Riesenstadt vom Fluß aus; das schönste Wahrzeichen ist der Turm der französischen Kathedrale.
Kanton.
Vgl. die Karte S.226.
Ankunft. Der Dampfer legt im Stadtgebiet nicht weit von der Insel Schamien an; man gelangt mit Tragsessel oder wegen des Gepäcks mit Sampan (5-10 cents) nach dem Gasthof. Für eintägigen Aufenthalt (genügt!) vermittelt der Dampferkapitän Führer mit Tragsessel; der Dampfer gibt Tiffin mit (das man an der fünfstöckigen Pagode verzehrt), in der Stadt erhält man nichts für Europäer Eßbares.
Gasthof: Hotel Victoria, auf der Insel Schamien; 20 Z., Pens. $ 8-12, Ged. $ 1 1 / 2, Hausboot zum Dampfer 50 c.; als Nachtquartier nicht zu empfehlen. Die sogen. Blumenboote ( Flower Boats ), wo halb chinesische, halb europäische Gastmahle zu haben waren, sind 1909 abgebrannt und nicht erneuert worden.
Hand Europäer werden dringend davor gewarnt, sich ohne Begleitung bekannter Chinesen in einem Boot auf dem Fluß aufzuhalten!
Post: Deutsches, englisches, französisches, japanisches Postamt auf der Insel Schamien, chinesisches in der Stadt.— Telegraph chinesisch auf Schamien.
Tragsessel ( chair ) mit 3 Trägern $ 1 1 / 2 -2 1 / 4 für den Tag.— Sampans (Boote) für Flußfahrten nach Zeit, etwa $ 1 stündlich.
Dampfer nach Hongkong: Abfahrt 8 Uhr Vm. (Fahrzeit 7 St.); 5 Uhr Nm. (Fahrzeit 7-12 St.). Fahrpreise: englische Dampfer $ 8, französische 5, chinesische 4, ohne Mahlzeiten;— nach Macao: jeden Wochentag 8 Uhr Vm. für $ 5;—nach den Vertragshäfen Samschui und Wutschau am Westfluß dreimal wöchentl., für $ 15, hin und zurück $ 25.
Eisenbahn: Kanton-Samschui in 2 St.; Kanton-Hankau im Bau, 90 km im Betrieb; Kanton-Kaulun (S.224 ).
Plan von Kanton. Plan von Kanton.
Banken: Hongkong & Shanghai Banking Corp.; Banque de l'Indochine, Korr. der Berliner Disconto-Gesellschaft; Deutsch-Asiatische Bank im Hause der Herren Arnold Karberg & Co.; Carlowitz & Co., Korr. der Deutsch-Asiatischen Bank, sämtlich auf der Fremdenniederlassung Schamien.
Fremdenführer sind unentbehrlich, man nehme aber nur solche mit guten Empfehlungen durch Vermittelung von Thos. Cook in Hongkong (s. S.221 ), der die alte Führerfamilie Ah-Cum ( John und Ah-On ) als zuverlässigste empfiehlt, oder des Dampferkapitäns oder des Gasthofs; sie erhalten etwa $ 2 und einen Tragsessel für den Tag, größere Gesellschaften nach Übereinkunft; man überträgt ihnen am besten die Gestellung der Tragsessel nebst je drei Kuli (zu etwa $ 2); Besichtigungsplan verabrede man vorher mit dem Führer womöglich mit Hilfe eines ortsansässigen Europäers. Der Führer ist auch bei Einkäufen nicht gut zu entbehren, aber nicht stets zuverlässig; auch chinesische Speise-und Spielhäuser kann man mit ihm besuchen. Hand Wegen des oft fremdenfeindlichen Pöbels gehe man nicht ohne Führer und Tragsessel in die Stadt und meide jede Volksansammlung. Besuch öffentlicher Hinrichtungen ist des gebildeten Europäers unwürdig und ekelhaft.
Konsulate: Deutsches Reich, Konsul. Dr. W. Rößler, Dolmetscher Tigges.
Klub: Canton Club, auf Schamien, international für Europäer, Einführung durch Mitglieder.
Krankenhaus: Ein französisches und ein amerikanisches Hospital.
Einkäufe: Die Gewerbe liegen meist gassenweise zusammen. Man findet: Jade-Schmucksachen (Nephrit), Silber, alte und neue Seidenstickereien, Specksteinschnitzereien, Schwarzholz- und Elfenbeinschnitzereien u. a. Die Preise sind meist billiger als in Hongkong und Schanghai; viele der dortigen Waren werden in Kanton hergestellt, doch ist in Schanghai die Auswahl für europäischen Geschmack leichter. Für Europäergeschmack bestimmte Waren (Seide, Silber, Elfenbein) in der Sai Hing Gei (2 Minuten von der Brücke).