Ein Dampfschiff ist für die Legung einem Segelschiff vorzuziehen, weil es von Wind und Wellen weniger abhängt; doch muß es genügende Größe, Stabilität und Tragfähigkeit haben. Bei mehreren derartigen großen Unternehmungen hat sich das Riesenschiff Great Eastern von über 3000 t Netto-Gehalt vortrefflich bewährt. Noch geeigneter sind die besonders für die Zwecke der Kabellegung und -ausbesserung gebauten großen Dampfer der Kabelgesellschaften, beziehungsweise Kabelfabrikanten. Gegenwärtig sind 29 solcher Dampfer mit Legung neuer Strecken und Reparaturen der alten unausgesetzt beschäftigt.

Diesen Schiffen liegt, namentlich wenn es sich um Versenkung größerer oder um das Auffischen und Zusammenspleißen gebrochener Kabel handelt, eine Arbeit ob, die das Schiff, die Mannschaft und die Ladung den bedenklichsten Wechselfällen aussetzt. Abgesehen von den Launen der Witterung und des Meeres, denen die Kabelschiffe durch ihre Belastung und die zur Versenkung der Kabel erforderlichen Vorrichtungen in erhöhtem Maße ausgesetzt sind, werden die Bewegungen dieser Schiffe durch ihre Arbeiten in einer Weise gehemmt, die es ihnen außerordentlich erschwert, anderen Schiffen auszubiegen. Die Gefahr eines Zusammenstoßes mit anderen Fahrzeugen ist um so größer, als die Arbeiten der Kabeldampfer regelmäßig auf den belebtesten Hochstraßen des Oceans auszuführen sind und ihrer Natur nach nicht unterbrochen werden dürfen. In nicht seltenen Fällen hat zur Rettung des Schiffes das Kabel an unpassenden Stellen gelegt oder gar abgeschnitten und dem gänzlichen Verlust ausgesetzt werden müssen. Vor ca. 10 Jahren ging der Dampfer Gomos bei Legung des Kabels von St. Vincent nach Pernambuco infolge eines Zusammenstoßes zu Grunde. Aus gleicher Ursache wurde der Telegraphendampfer Robert Lowe in den Gewässern von Neufundland schwer beschädigt.

4. Kabelschutz. Bei dem großen Anlagekapital und bei der Wichtigkeit der telegraphischen Verbindungen ist es begreiflich, daß man schon sehr frühe daran dachte, wenigstens die Kabellinien unter den Schutz der Mächte zu stellen. Die ersten derartigen Bestrebungen gingen bereits 1869 von den Vereinigten Staaten von Amerika aus, aber erst auf der internationalen Konferenz zu Paris vom 27. Oktober 1883 kam eine diesbezügliche Vereinbarung zu stande. Die Übereinkunft, welche von 32 Staaten abgeschlossen wurde, bezweckt den internationalen Schutz der Kabel wenigstens in Friedenszeiten. Das von Cyrus Field angestrebte Ideal, die unterseeischen Telegraphen-Verbindungen vollständig zu neutralisieren, ist durch den Vertrag nicht erreicht worden.

5. Statistik der unterseeischen Telegraphenverbindungen. Die Zahl sämtlicher submariner Kabel beträgt 731. Hiervon gehören 546 Kabel den Staatsverwaltungen, 185 sind Eigentum von Privatgesellschaften. An letzteren gab es 1883 23, von denen 17 ihren Sitz in London hatten. Die ausgedehntesten submarinen Leitungen (fast 17000 Seemeilen) besitzt die Eastern Telegraph Company. Die Länge sämtlicher Privatkabel übertrifft jene der Staatsverwaltungen fast um das Zwölffache.

Die Ausdehnung der sämtlichen unterseeischen Telegraphenverbindungen für das Jahr 1883 erhellt aus folgender, dem Journal télégraphique entnommenen Zusammenstellung.

A. Staatsverwaltungen.

Länder. Zahl der
Kabel
Länge (in Seemeilen)
der Kabel. der Drähte.
Deutsches Reich  32  436,19  1042,24 
Österreich  29   97,49   103,94 
Dänemark  32  111,68   410,18 
Spanien   3  129,10   129,10 
Frankreich  41 2329,273 2345,273
Großbritannien und Irland  92  576,194 1528,163
Griechenland  13  104,60   104,60 
Italien  15  250,29   262   
Norwegen 224  245,76   245,76 
Niederlande  14   40,70    61,81 
Europäisches und kaukasisches Rußland   5  201,80   209,84 
Schweden   7   58,60    58,60 
Türkei  12  330,66   333,66 
Britisch-Indien   7 1743,35  1743,35 
Japan  11   55,498  103,368
Russisch-Asien   1   70,017   70,017
Süd-Australien   2   43,50    43,50 
Neu-Caledonien   1    1       1   
Niederländisch-Indien   1   54,91    54,91 
Neu-Seeland   3  196,315  284,94 
Britisches Amerika   1  200     200   
546 7276,927 9336,281

B. Privatgesellschaften.

Namen der Gesellschaften. Zahl
der
Kabel
Länge (in Seemeilen)
der Kabel. der Drähte.
1. Submarine Telegraph Company  10   803,69  3728,64
2. Vereinigte deutsche Telegraphen-Gesellschaft   2  1119    1794  
3. Hamburg-Helgoländer Telegr.-Gesellschaft   1    32      32  
4. Direct Spanish Telegraph Company   2   699,13   699,13
5. Mediterranean Extension Telegr. Company   3   198     198  
6. Black Sea Telegraph Company   1   350     350  
7. Indo-European Telegraph Company   1     8      24  
8. Great Northern Telegraph Company  17  5916    6142  
9. Eastern Telegraph Company  49 16814,85 16859,85
10. Eastern and South African Telegraph Company   4  3858    3858  
11. Eastern Extension Australasia and China Telegraph Company  15 11265   11265  
12. Anglo-American Telegraph Company  15 10437,56 11035,70
13. Directed United States Cable Company   2  2983    2983  
14. Compagnie française du Télégraphe de Paris à New-York   4  3409,34  3409,34
15. Western Union Telegraph Company[16]   4  5537    5537  
16. Brazilian Submarine Telegraph Company   4  4296    4296  
17. Cuba Submarine Telegraph Company   3   940     940  
18. West-India and Panama Telegr. Company  20  4119    4119  
19. Western and Brazilian Telegraph Company   9  3801    3801  
20. River Plate Telegraph Company   1    32      64  
21. Mexican Telegraph Company   2   709     709  
22. Central and South American Telegraph Company   9  3178,11  3178,11
23. West Coast of America Telegr. Company[17]   7  1698,72  1698,72
185 82214,40 86721,49