Achtes Kapitel.
Die bedeutendsten Dampfschiffahrts-Gesellschaften der Erde.
Der Erfolg der ersten oceanischen Dampfschiffahrts-Gesellschaft, welche durch Stephan Cunard 1840 gegründet und von der englischen Regierung subventioniert wurde, regte allenthalben die Idee an, Dampferlinien ins Leben zu rufen. Zunächst freilich stellten sich der Entwicklung der überseeischen Dampfschiffahrt noch mancherlei Hindernisse und Schwierigkeiten entgegen, trotzdem aber bildeten sich in verhältnismäßig kurzer Zeit zahlreiche Dampfschiffahrts-Gesellschaften, die für einen regelmäßigen Verkehr zwischen den Haupthandelshäfen der Welt sorgten. In Europa sind die bedeutendsten derselben, nach Ländern geordnet, folgende:
I. Deutsches Reich.
In Deutschland stehen unter den Dampfschiffahrts-Gesellschaften obenan der Norddeutsche Lloyd und die Hamburg-Amerikanische Paketfahrt-Aktien-Gesellschaft. Beide Gesellschaften unterhalten vorzugsweise den Verkehr mit Amerika.
Der Norddeutsche Lloyd[212] wurde am 20. Februar 1857 durch den vielverdienten Konsul H. H. Meier in Bremen gegründet und gelangte allmählich zu solcher Blüte, daß er nun das erste und bedeutendste See-Institut Deutschlands ist[213]. Die Gesellschaft, welche anfänglich nur über vier Schiffe verfügte, besaß Ende 1885 eine Flotte von 40 Seedampfern mit rund 100000 t (genau 103466 t). Die gesamte Flotte des Norddeutschen Lloyd hatte im gleichen Jahr (ohne die Schleppkähne) einen Brutto-Raumgehalt von 106838 t und einschließlich der Schleppkähne mit 11501 Registertonnen 118339 t. Der Anschaffungswert der Schiffe betrug im ganzen 69½ Mill. M.
| Größe und Preis der acht Schnelldampfer des Norddeutschen Lloyd. | ||
|---|---|---|
| Name des Dampfers. | Brutto- Tonnengehtalt. | Totalpreis in Mark. |
| Elbe | 4510 | 3150000 |
| Werra | 4815 | 3600000 |
| Fulda | 4814 | 3830000 |
| Eider | 4719 | 3770000 |
| Ems | 4728 | 3710000 |
| Aller | 5380 | — |
| Trave | — | — |
| Saale | — | — |
An Bequemlichkeit der Passagierräume, an Sauberkeit und Reinlichkeit, an Behaglichkeit und luxuriöser Ausstattung der Salons, an Vorzüglichkeit und Reichhaltigkeit des Tisches stehen die Lloyddampfer, wie uns bereits früher die Betrachtung der „Ems“ dargethan, unerreicht da. Jedem Schiffe ist auch ein Arzt beigegeben.
Ebenso vereinigen die Dampfer alle Fortschritte im Bau der Schiffsmaschinen und Motoren.
Gegen Unglücksfälle ist jede denkbare Fürsorge zur Rettung getroffen. Jeder Dampfer ist mit 8–10 Rettungsbooten versehen; letztere führen Wasservorrat, Kompaß und Ruder. Die Mannschaft ist in der Bedienung der Boote besonders eingeübt, und die zu jedem Boote gehörenden Leute sind im voraus bestimmt. Unter dem Kopfende der Matratze findet jeder Passagier einen Rettungsgürtel aus Kork. Zur Sicherung gegen Feuersgefahr bestehen strenge Verordnungen, die auch unnachsichtig durchgeführt werden. In der That sind denn auch in der Zeit von 1858–1881 im oceanischen Verkehr, obwohl in diesem Zeitraum 1761 oceanische Rundreisen gemacht und in diesem Verkehr 967582 Passagiere befördert wurden, nur vier Strandungen vorgekommen, und nur eine derselben war von Menschenverlust begleitet.