Sehr verderblich wird den Kabelleitungen zuweilen auch das Ankern der Schiffe, sowie die Seefischerei. So wurden in der verhängnisvollen Nacht des 2. Januar 1856 durch ein Segelschiff, das Anker geworfen hatte, die Kabel von Dover nach Ostende und von Dover nach Calais, damals die beiden einzigen Leitungen zwischen England und dem Kontinent, zerstört, und an den Küsten Algiers wieder sind nicht selten Korallenfischer durch ihre Geräte Urheber von Kabelbrüchen.
Endlich fehlt es sogar nicht an absichtlichen Angriffen des Schiffsvolks auf die Kabel, indem letztere, von dem Schiffsgerät erfaßt und an die Oberfläche gebracht, nicht sorgfältig und vorsichtig losgemacht und wieder versenkt, sondern einfach, um das Gerät schnell wieder klar zu machen, durchhauen werden.
Eine häufig auftretende Folge von Leitungsstörungen sind — und deshalb sei ihrer an dieser Stelle gedacht — Verstümmlungen oder Entstellungen von Telegrammen[25]. So telegraphierte eine Londoner Firma ihrem Agenten: „Sendet Schienen zehn (engl. ten) Fußlängen.“ Die Buchstaben t und e werden nun im Morse-Alphabet durch einen Strich, beziehungsweise einen Punkt dargestellt; bei der Übermittlung des Telegramms erzeugte jedoch der empfangende Apparat statt des Striches einen Punkt; dadurch wurde aber aus dem Worte „ten“ „in“, und die Depesche lautete jetzt also: „Sendet Schienen in Fußlängen.“ In ähnlicher Weise wurde ein Telegramm verstümmelt, in welchem der Aufgeber bat, ihn am Bahnhofe mit einem Mietwagen (englisch hack) zu erwarten. Der Buchstabe h wird nun durch vier Punkte dargestellt; statt dieser gab aber der Apparat nur drei (s), und das Wort hack wurde in sack (Sack) umgewandelt. Die Folge war, daß der Aufgeber des Telegramms bei seiner Ankunft nicht den verlangten Wagen, sondern einen Sack vorfand. Besonders oft verwechselt der Telegraph die Buchstaben x und y. Immer wieder haben daher vielgeplagte Eisenbahnbeamte nach einem verlorenen „black boy“ (Negerjunge) suchen müssen, weil der Telegraph in seiner Schwäche aus x ein y machte und statt „black box“ (schwarzer Koffer) die Worte black boy wiedergab.
Mitunter begegnet es dem Telegraphen, den Botschaften, welche über seine Drähte eilen, vom Original ganz abweichende Worte zu unterschieben. So war Herr So-und-So, welcher telegraphisch Eis bestellte, wütend über die Neckerei des Telegraphen, der „Eis“ in „Thee“ veränderte, so daß von diesem sogleich eine große Kiste an ihn abging. In derselben Weise wurde ein Telegramm mitleidslos entstellt, worin ein Reisender um Nachsendung seiner in einem Coupé zurückgelassenen Perücke (wig) bat. Als das Telegramm seinen Bestimmungsort erreichte, war aus „wig“ „wife“ (Weib) geworden. Sofort wurden die eingehendsten Nachforschungen nach der vermißten Dame angestellt, doch ohne Erfolg, bis der Irrtum aufgeklärt und der verlorene Gegenstand seinem Eigentümer wieder zugestellt wurde. Gelegentlich der von dem Papstgegner Murphy in Bury (Lancashire) gehaltenen Vorträge erlitt derselbe durch den Pöbel Mißhandlungen; hierbei wurden einem Telegramm zufolge sieben der Excedenten „boiled“ (gekocht) statt „bailed“ (verhaftet) und gegen Bürgschaft freigelassen.
Viele der Entstellungen entstehen freilich auch ohne Schuld des Apparates. Zuweilen sind solche durch nachlässiges Arbeiten der Beamten veranlaßt. So wurde ein berühmter Arzt auf eine nutzlose Reise geschickt durch ein Telegramm folgenden Inhalts: „Kommen Sie nicht zu spät.“ Das Ursprungstelegramm hatte gelautet: „Kommen Sie nicht, zu spät.“ Bei der Beförderung der Depesche wurde aber das Komma fortgelassen, und so erwuchs dem Empfänger die Unannehmlichkeit einer nutzlosen Reise. Andere Irrtümer entstehen dadurch, daß die Aufgeber sich eine zu kurze Abfassung des Telegramms gestatten. Diese ist, nebenbei bemerkt, auch Ursache, daß zuweilen im Privatverkehr ganz sonderbare Telegramme vorkommen, wie: „Onkel soeben gestorben, komme mit dem Kurierzug“; oder: „Geld erhalten, danke bestens, nächstens mehr“. Ein anderer, nicht weniger häufiger Fehler der Aufgeber ist schlechte Schrift. Einige gelungene Beispiele von hierdurch veranlaßten Entstellungen mögen diesen Abschnitt beschließen. Ein Kellermeister erhielt einst zu seiner großen Verwunderung von seinem Herrn den telegraphischen Auftrag, ihm sofort „ten bobs“ (zehn Faustschläge) zu senden, da er derselben dringend bedürfe. Die „ten bobs“ waren aber ursprünglich „tin boxes“ (zinnerne Büchsen). So telegraphierte auch gelegentlich der Versammlungen, welche vor einigen Jahren in Braemar periodisch stattfanden, ein Graf nach Edinburg, man möge ihm einen „cocked hat“ (Dreimaster-Hut) senden. „Cocked hat“ wurde indes zu „coocked ham“ (gekochter Schinken) gemacht, den man auch sogleich absandte, zu maßloser Überraschung und Entrüstung des hohen Herrn. Ein anderes Telegramm erhielt man mit folgendem Inhalt: „Bitte, schicken Sie mir Ihr Schwein (pig) an den Bahnhof entgegen“; es sollte heißen „gig“ (ein Wagen). In einem Falle hatte ein Telegraphenbeamter zu Philadelphia Quartier für eine Anzahl „prisoners“ (Gefangene), anstatt für ebensoviel persons (Personen) bestellt; ein anderer hatte in einer Depesche, in welcher eine auf Reisen befindliche Tochter, die von ihrer Mutter lange Zeit keine Nachricht erhalten hatte, ihre Besorgnis hierüber mit den Worten ausdrücken wollte: „ich bin ängstlich (worried)“, statt des Wortes „worried“ das Wort „married“ (verheiratet) substituiert. Diese der Mutter ganz unvorbereitet gekommene Mitteilung veranlaßte dieselbe, da sie sich durch eine so übereilige und selbständige Handlungsweise ihrer Tochter aufs tiefste verletzt fühlte, eine ganze Flut von eben nicht schmeichelhaften Herzensergießungen auf das Haupt der Unschuldigen auszuschütten. Ein anderer Schnitzer, der ernstlicherer Natur war und in Cleveland (Ohio), wohin die Depesche aufgegeben war, bedeutende Aufregung hervorrief, bestand darin, daß der Telegraphenbeamte in dem Telegramm sagte: Präsident Hayes „starb“ (died), während er sagen wollte: Präsident Hayes „dinierte“ (dined).
Fig. 13. Limnoria lignorum.
(Nach Ternant, Les Télégraphes.)