In der Union beträgt die Zahl der ausgelieferten Postkarten fast 326 Mill. Stück; sie machen somit von der Postkarte unter sämtlichen Staaten der Erde den häufigsten Gebrauch. Japan figuriert in der Statistik mit 32 Mill. (1884: 36,6 Mill.) und Britisch-Indien mit fast 22 Mill. Karten (1884: 38,6 Mill.).
Was die Zahl der expedierten Drucksachen, Warenproben u. s. w. betrifft, so befördert in Europa die meisten derartigen Sendungen Frankreich: über 367 Mill. Sehr gering ist die Zahl solcher Sendungen in den industriearmen Gebieten der Balkanhalbinsel.
In den Vereinigten Staaten beliefen sich diese Sendungen auf 495 Mill.; dieselben übertreffen also auch in dieser Hinsicht alle übrigen Staaten der Erde. Von den außereuropäischen Gebieten kommt ihnen zunächst Neu-Südwales mit 18 Mill.
Ganz außerordentlich groß ist auch die Zahl der postmäßig versendeten Zeitungen. So wurden ausgeliefert an Zeitungsnummern: in Deutschland 527 Mill., in Frankreich 341 Mill., in Großbritannien fast 143½ Mill., in Österreich-Ungarn an 130 Mill. u. s. w. Die unterste Stufe nehmen auch in dieser Beziehung die Balkanstaaten ein.
Geradezu enorm ist die Zahl der in den Vereinigten Staaten expedierten Zeitungsexemplare; sie betrug 874 Mill.
Daß die Post durch die Beförderung dieser Millionen und Millionen von Zeitungen und Drucksachen einen großen Anteil an der geistigen Entfaltung der Völker hat, ist außer Zweifel. Ein amerikanisches Blatt preist deshalb die Post als den „mächtigen Mauerbrecher, der die Finsternis der Unwissenheit zerstört“, und ein Präsident der Vereinigten Staaten nennt das Postamt den „großen Erzieher des Volkes“.
Von höchstem Interesse ist eine Vergleichung der Staaten bezüglich der Zahl der Briefe, die durchschnittlich auf jeden Kopf der Bevölkerung trifft. Man erhält dadurch eine Art Censurentabelle für die Bildung der betreffenden Nationen, aber auch für den Grad der Entwicklung der Posteinrichtungen in den bezüglichen Ländern. Am stärksten ist nach unserer Tabelle der Briefverkehr in Europa entwickelt, in Großbritannien und Irland mit 42,3 Briefen und Karten pro Kopf; daran reihen sich die Schweiz, Deutschland, Belgien, die Niederlande und Frankreich, dieses mit 19,8 Briefen und Karten pro Kopf. Den geringsten durchschnittlichen Briefverkehr weisen auf Rußland und die Staaten der Balkanhalbinsel.
Diese Censurentabelle gilt übrigens nicht ohne weiteres; sie will vielmehr mit gewissen Einschränkungen angewendet sein. Die auffällige Erscheinung z. B., daß die Schweiz, deren Posteinrichtungen im allgemeinen jenen in Deutschland gleichen, und deren Bevölkerung kaum eine höhere Durchschnittsbildung besitzt als die deutsche, eine so erheblich höhere Brieffrequenz aufzeigt, erklärt sich leicht, wenn man an die Hunderttausende von Reisenden denkt, welche einer Völkerwanderung gleich alljährlich das Land überschwemmen und die eigene Bevölkerung desselben von drei Mill. Einwohnern unverhältnismäßig steigern. Der Briefverkehr Großbritanniens ist nach der Tabelle mehr als doppelt so groß wie der in Deutschland. Thatsächlich aber kommt die Brieffrequenz im Deutschen Reiche derjenigen in England nahezu gleich. In England befaßte sich nämlich die Post bis in die jüngste Zeit, abgesehen von dem Postanweisungsverkehr, nur mit der Beförderung von Briefen, Postkarten, Warenproben, Drucksachen und Zeitungen, in Deutschland hingegen auch mit der Expedition von Paketen, Postaufträgen und Geldbriefen. Fast jedes durch die Post versandte Paket und jeder Geldbrief wird nun in Deutschland erfahrungsgemäß auch zu brieflichen Mitteilungen benutzt; beide Arten von Sendungen stellen mithin in den meisten Fällen einen Brief dar: all diese Mitteilungen kommen aber bei der obiger Berechnung zu Grunde gelegten Anzahl von den Briefsendungen nicht in Ansatz.
Es wirken eben zu den oben angeführten Ergebnissen sehr verschiedenartige Umstände mit. So ist auf die Entwicklung, beziehungsweise den jetzigen Umfang des Briefverkehrs auch der Umstand von Einfluß, ob die ermäßigte Brieftaxe schon seit längerer Zeit in einem Lande eingeführt ist oder erst seit wenigen Jahren besteht. Selbst Sitten und Gewohnheiten eines Volkes sind für den Briefverkehr maßgebend. Der Reisetrieb z. B. ist bei einigen Völkern mehr, bei anderen weniger ausgebildet; ersteres ist der Fall besonders bei den Engländern, Nordamerikanern, Deutschen und Schweizern, letzteres bei den Franzosen, Italienern und Spaniern. Demgemäß befindet sich ein größerer Teil der zuerst erwähnten Nationen vielfach außerhalb der Heimat und steht mit dieser durch die Posteinrichtungen in steter Verbindung. Erwähnenswert ist ferner, daß in Frankreich, wie es den Anschein hat, aus Rücksichten der Etikette bis jetzt von der Postkarte für Familien- und Verwandtschafts-Beziehungen wenig Gebrauch gemacht wird. Sie dient dort im wesentlichen nur zu kürzeren geschäftlichen Mitteilungen. Es werden denn auch, wie aus den obigen Angaben ersichtlich, in Deutschland mehr als fünfmal soviel Postkarten verwendet, als in Frankreich.
Unter den Ländern außerhalb Europas stehen bezüglich der Häufigkeit des Briefverkehrs obenan Neu-Seeland (mit 44,17 Briefen und Karten pro Kopf), dann die australischen Provinzen Neu-Südwales und Victoria (mit 37,31, beziehungsweise 33,49), ferner die Vereinigten Staaten und Canada (mit 27,81, beziehungsweise 16,62). Den niedrigsten Stand des Korrespondenzbedürfnisses zeigt unter den großen außereuropäischen Staatsgebieten Britisch-Indien mit 0,62 Briefen und Karten pro Kopf (1884: 0,71).