Die Gesamtzahl der im Jahre 1884 auf der ganzen Erde beförderten Postsendungen ist auf mehr als 12000 Millionen zu veranschlagen. Auf den einzelnen Menschen entfielen an Postsendungen für das gleiche Jahr 9 Stück[91].
IV. Personenbeförderung.
Während alle übrigen Zweige des Postdienstes eines stetigen Aufschwunges sich zu erfreuen haben, zeigt die Personenbeförderung überall, wo sich die Post mit derselben überhaupt noch befaßt, einen ebenso stetigen Rückgang. Nur die deutsche Reichspost hat es nach der Berner Statistik vom Jahre 1884 im Laufe des bezeichneten Jahres noch auf eine Anzahl von 3406383 Postreisenden gebracht. — Verhältnismäßig am stärksten ist der Personenpostverkehr in der Schweiz. Auf dem kleinen Gebiete der Eidgenossenschaft sind während des Jahres 1884 im ganzen 734897 Personen durch Postfuhrwerke befördert worden.
V. Feldpost.
Die Feldpost ist eine Einrichtung, durch welche die Postverbindung einer Armee im Felde einerseits mit ihrer Heimat, andererseits nach und von den einzelnen Truppenkörpern hergestellt und bis zum Eintritt des Friedens unterhalten wird. Das Bedürfnis derartiger Einrichtungen war schon früh vorhanden, doch hatte man im Altertum keine der Feldpost der neuern Zeit ähnliche Einrichtung. Erst durch die Errichtung regelmäßiger Posten unter Kaiser Maximilian I. waren die Grundlagen hiefür gewonnen. Daß bereits im 30jährigen Kriege Feldpostillone verwendet wurden, ist mehrfach bezeugt. Der erste Staat, welcher die Feldpost von Grund aus organisierte, war Brandenburg-Preußen; 1716 bereits begegnet uns hier das erste Feldpostamt, und zwar im vorpommerschen Kriege. Es hatte die Aufgabe, der preußischen Armee in Feindesland zu folgen und die Postverbindung für letztere mit der Heimat durch reitende Postillone zu unterhalten. In den zahlreichen Kriegen, welche Preußen führte, namentlich aber im siebenjährigen Kriege, wurden diese Keime weiter ausgebildet und erhielten durch engen Anschluß an die militärischen Kommunikationseinrichtungen, in denen ja Friedrich d. Gr. Meister war, eine Grundlage, auf der im wesentlichen noch jetzt die Organisation der deutschen Feldpost beruht.
Die mächtige Entfaltung der modernen Verkehrsmittel hat auch im Feldpostwesen bedeutende Umwälzungen hervorgerufen. Schon der deutsche Krieg von 1866 stellte große Anforderungen an die Feldpost, noch weit mehr der deutsch-französische Krieg von 1870/71. In diesem Kriege beförderte die deutsche Feldpost bis zum 31. März 1871 an Briefen und Postkarten nicht weniger als 89659000 Stück, ferner Geldsendungen im Betrage von 179596860 M., an Zeitungen 2354310 Exemplare und außerdem noch 1853686 Stück Päckereisendungen. Die Zahl der Feldpostanstalten, Relais und Landespostanstalten in Frankreich, sowie in Elsaß-Lothringen betrug 411, die Zahl der Beamten und Unterbeamten 2140[92].
VI. Postanstalten.
Die Gesamtzahl der zur Wahrnehmung des eigentlichen Postbetriebes bestimmten Postanstalten im Bereiche des Weltpostvereins belief sich nach der Berner Statistik von 1884 auf 133799. Die meisten hiervon, 50017, entfallen auf die Vereinigten Staaten von Amerika. Deutschland ist mit 15428 vertreten, England mit 16434, Frankreich mit 6587 und Britisch Indien mit 6721. Dabei ist übrigens nicht zu vergessen, daß der Begriff „Postanstalt“ diesseits und jenseits des Oceans etwas verschieden aufzufassen ist.
Die höchste Poststation der Erde ist Rumihuasi (4966 m) in den Anden, und die einfachsten Postbureaus befinden sich an der Südspitze von Amerika und auf Booby-Island in der Torresstraße. Was das erstere Postamt betrifft, so hängt dort an einem Felsen des äußersten Vorgebirges der Magellanstraße, gegenüber Feuerland, ein Fäßchen, das durch eine eiserne Kette befestigt ist. Dasselbe wird von jedem vorüberfahrenden Schiffe geöffnet, um entweder Briefschaften hineinzulegen oder demselben Briefe zu entnehmen. Diese Postablage verwaltet sich sonach von selbst, sie ist dem Schutze der Seefahrer anheimgestellt, und man hat kein Beispiel, daß jemals ein Mißbrauch des öffentlichen Vertrauens stattgefunden hätte. Jedes Schiff übernimmt die freiwillige Expedition der Einlagen, deren Bestimmungsort in der Richtung seiner Fahrt liegt.