An Buonarroto … in Florenz.
[Carrara], den 23. November 1516.
Buonarroto! — Du schreibst mir in Deinen zwei letzten Briefen, Lodovico sei todkrank gewesen, der Arzt habe aber neuerdings erklärt, bis auf weiteres sei er ausser Gefahr. Wenn es so ist, komme ich nicht nach Florenz, denn es würde mir sehr schwer fallen. Sollte aber noch Gefahr sein, so will ich ihn um jeden Preis noch einmal sehen, ehe er stirbt, und müsste ich auch mit ihm sterben. Aber ich hoffe zuversichtlich, es geht ihm gut, und deshalb komme ich nicht. Sollte ein Rückfall eintreten, wovor Gott ihn und uns behüten möge, so sieh zu, dass ihm die geistlichen Tröstungen und die Sakramente der Kirche nicht fehlen, und lass Dir von ihm sagen, ob er wünscht, dass wir etwas Bestimmtes für sein Seelenheil tun. Sorge auch, dass ihm für sein leibliches Wohl nichts abgeht, denn ich habe mich nur für ihn geplagt, um ihm noch bis zu seinem Tode helfen zu können. Sag' Deiner Frau, sie solle mit Liebe für seinen Haushalt sorgen; ich werde Euch alles vergüten, wenn es nötig ist. Sparet nichts, und sollten wir auch alles darangeben, was wir besitzen. Damit mag es genug sein. Lebt in Frieden und Du schreibe mir, wie es steht, denn ich bin in grosser Angst und Sorge. — —
10.
An Papst Clemens VII. in Rom.
Florenz, [1524].
Heiliger Vater! — Mittelspersonen verursachen oft viel ArgerÄrger und Verwirrung, deshalb wage ich es, ohne eine solche an Eure Heiligkeit über die Gräber hier in San Lorenzo zu schreiben. Ich weiss wirklich nicht, was besser ist, das Schlimme, das Nutzen bringt, oder das Gute, das Unheil anrichtet. Doch so viel weiss ich gewiss: ich mag noch so untauglich und unvernünftig sein, aber wenn man mich ruhig hätte fortfahren lassen, wie ich angefangen hatte, dann wären jetzt alle Marmorblöcke für die Arbeiten in Florenz, und zwar mit geringeren Kosten, als bis jetzt bereits aufgewendet wurden, schon für ihren Zweck zugehauen und in so gutem Zustande, wie alle anderen, die ich bisher schon hergebracht habe.
Nun fürchte ich, dass sich die Sache noch lange hinziehen wird, und weiss nicht, wie sie ausgehen kann. Ich bitte daher im voraus Eure Heiligkeit um Entschuldigung für den Fall, dass sich etwas Missliches ereignen sollte, denn ich habe keine Autorität und glaube deshalb auch für nichts verantwortlich zu sein. Ich bitte aber Eure Heiligkeit, wenn Ihr mir irgendeinen Auftrag zuweisen wollt, mir in meiner Arbeit keinen Vorgesetzten zu geben, sondern mir Vertrauen zu schenken und freie Hand zu lassen. Ihr werdet dann sehen, was ich vollbringen und wie ich Euch Rechenschaft über meine Tätigkeit geben werde.
Die Laterne der Kapelle von San Lorenzo hat Stefano vollendet und enthüllt. Sie gefällt jedermann und wird, so hoffe ich, auch Eurer Heiligkeit zusagen, wenn Ihr sie seht. Wir lassen jetzt die Kugel anfertigen. Sie wird einen Arm im Durchmesser betragen. Ich dachte, sie facettieren zu lassen, um sie von den übrigen etwas zu unterscheiden, und so wird sie denn auch ausgeführt.
Eurer Heiligkeit Diener