Michelangelo, Bildhauer.

11.

An Sebastiano del Piombo in Rom.

[Florenz, Mai 1525.]

Mein teuerster Sebastiano! — Gestern abend nahmen mich unser Freund, der Hauptmann Cujo, und einige Edelleute gütigerweise zum Abendessen mit. Das machte mir grosse Freude, denn dadurch wurde ich für kurze Zeit aus meiner Melancholie — wenn ich sie nicht Wahnsinn nennen soll — gerissen. Die Mahlzeit war sehr ergötzlich. Noch mehr freuten mich die Gespräche, die da geführt wurden; besonders als ich den Hauptmann Euren Namen nennen hörte, war ich ganz entzückt. Und wie nun besagter Hauptmann erklärte, Ihr seiet einzig auf Erden und in der Kunst und werdet auch entsprechend in Rom geschätzt, wäre meine Freude noch gewachsen, wenn das nur möglich gewesen wäre. Auf diese Art wurde mir bestätigt, dass mein Urteil über Euch nicht falsch war. Drum widersprecht mir nicht mehr, wenn ich Euch in meinen Briefen „einzig“ nenne, denn ich habe der Zeugen genug; dazu haben wir hier ein Bild, das weiss Gott jeden, der Augen hat, zwingt, mir recht zu geben.

12.

An Giovan Simone … in Settignano.

Florenz, [1533].

Giovan Simone! — Mona Margherita hat mich falsch verstanden. Als ich vorgestern morgen von Dir und Gismondo sprach — Ser Giovanni Francesco war dabei —, sagte ich, ich habe für Euch stets mehr getan als für mich und viele Mühen auf mich genommen, damit Ihr keine zu tragen hättet, Ihr aber habet nichts getan, als mich in ganz Florenz zu verleumden. So viel habe ich gesagt, und wollte Gott, es wäre nicht wahr, dass Ihr Euch wie Tiere benommen habt! Was Deinen Aufenthalt in Settignano angeht, so bleib nur dort, pflege dich und sieh zu, dass Du gesund wirst. Was an mir liegt, will ich stets für Euch tun, denn ich achte nur auf meine Pflicht, nicht auf Eure Reden. Dann wünschte ich, Du beschafftest dort eine Wohnung, damit auch Mona Margherita hinkommen kann, denn mein Vater hat sie mir vor seinem Tode empfohlen, und ich werde sie deshalb nie verlassen.

Michelangelo.