32.
An Lionardo …
Rom, [den 15. März 1560].
Lionardo! — Ich antwortete auf Dein Schreiben vom Samstag nicht, denn ich hatte keine Zeit. Nun sage ich Dir, dass ich mich über die Geburt Deiner Tochter sehr freute. Unsere Familie steht allein; so wird sie uns einst eine gute Verwandtschaft erwerben können. Haltet sie gut. Ich werde ja nicht mehr am Leben sein, wenn es soweit ist. Wenn es Zeit ist, dass Du nach Rom kommst, werde ich Dich benachrichtigen, wie ich Dir ja schon schrieb. Wisse, dass die grösste Plage für mich hier in Rom die Beantwortung Deiner Briefe ist.
Michelangelo Buonarroti.
33.
An Lionardo …
Rom, den 21. August 1563.
Lionardo! — Ich ersehe aus Deinem Schreiben, dass Du neidischen, schlechten Menschen Glauben schenkst, die dir Lügenbriefe schicken, weil sie mich nicht bestehlen und nach Gutdünken regieren können. Es ist eine Bande habsüchtiger Kerle, und Du bist ein Tor, dass Du ihrem Gerede über mich glaubst, als ob ich ein Kind wäre! Schaff' Dir die schamlosen, neidischen, verkommenen Menschen aus den Augen! Dann schreibst Du, ich habe Scherereien im Haushalt und anderes. Lass Dir gesagt sein, dass es mir nicht besser gehen und dass ich in jeder Beziehung nicht sorgsamer behandelt werden könnte. Ich habe ganz vertrauenswürdige und ehrliche Leute im Hause, die mich durchaus nicht bestehlen, wie Du zu glauben scheinst. Sieh zu, dass Deine Angelegenheiten gut gehen und kümmere Dich nicht um die meinigen, denn ich weiss mir zu helfen, wenn es nötig ist und bin kein Kind. Lass es Dir gut gehen!
Michelangelo.