Rom, den 16. Juni 1557.
Lionardo! — — — Mit meiner Gesundheit steht es schlecht; ich habe all die Beschwerden, die das Alter heimsuchen, ein Steinleiden, dass ich nicht urinieren kann, dazu Schmerzen in den Seiten und im Rücken, dass es mir oft unmöglich ist, eine Treppe zu ersteigen. Das Schlimmste sind aber die Sorgen, die mich quälen. Denn wenn ich all die Bequemlichkeiten aufgebe, über die ich hier verfügen kann, so lebe ich keine drei Tage mehr. Doch möchte ich auch nicht die Gnade des Herzogs verlieren, ebensowenig aber den Bau von Sankt Peter im Stich lassen oder mich selbst vernachlässigen. Bitte Gott, dass er mir helfe und rate. Sollte es mit mir schlimmer werden, mich etwa ein gefährliches Fieber anfallen, dann werde ich gleich nach Dir schicken. Lass Dir aber nicht einfallen, zu kommen, bevor Dich ein Brief von mir ruft.
Empfiehl mich Messer Giorgio. Er kann mir sehr nützlich sein, wenn er will, denn der Herzog ist ihm wohlgesinnt.
Michelangelo Buonarroti.
31.
An Lionardo …
Rom, den 15. Juni 1559.
Lionardo! — — — — — — Ich erhielt von Dir zwei Briefe, in denen Du mich sehr angelegentlich bittest, ich möchte nach Florenz zurückkehren. Du weisst, glaube ich, noch nicht, dass ich vor ungefähr vier Monaten durch den Kardinal von Carpi, der zur Baukommission von Sankt Peter gehört, vom Herzog von Florenz die Erlaubnis erhielt, in Rom beim Bau von Sankt Peter zu bleiben. Ich dankte Gott dafür und freute mich sehr. Nun, wie schon gesagt, schreibst Du mir so angelegentlich, ich weiss aber nicht, tust Du das, weil Du mich dort haben möchtest, oder steht die Sache anders. Sprich Dich deshalb ein wenig klarer aus, denn alles Derartige regt mich auf und ist mir lästig. — —
Michelangelo Buonarroti.
Das Schreiben fällt mir sehr schwer, Hand, Augen und Gedächtnis versagen. Ich bin alt!