G. p. 29. — Madr., 1546. — Luigi del Riccio war Geschäftsträger der Strozzi in Florenz. Mit Michelangelo war er eng befreundet und leistete ihm wichtige Dienste. Er verfolgte mit besonderem Interesse die dichterische Tätigkeit des Meisters, mit feinem Verständnis beurteilend, besprechend. Er bemühte sich auch um eine Herausgabe der Gedichte und vereinigte deren 87 in der nach ihm benannten Ricciosammlung. — Auf ein unbekanntes Vorkommnis hin schrieb Michelangelo das Gedicht in seiner ersten Fassung. Riccio erwiderte mit folgendem Madrigal:
Es darf kein Liebesdienst
Des Freundes lästig sein
Dem Freunde, denn ein alter, weltbekannter Satz
Verlangt, dass jedes Gut
Und jegliches Geschick
Ihnen gemeinsam sei. Ja Kerker, Tod
Sah man schon einen für den andern leiden,
Und Gut und Ehr' und Leben tauschen sie.