Drum kann ein Streit uns beide nicht entzweien,
Denn alles zu verzeihn, ist Freundschaft stets bereit.
Darauf arbeitete Michelangelo sein Madrigal zu einer zweiten, längeren Fassung um, die hier gegeben ist.
G. p. 167. — Son., 1551. — Giorgio Vasari lebte 1512–74 und betätigte sich als Maler, Architekt und Schriftsteller. Er stand beim Herzog von Florenz in grosser Gunst und hatte in Michelangelos späteren Jahren zwischen diesem und dem Herzog zu vermitteln (vgl. Brief 26. und 30). Mit dem Sonett dankt ihm der Meister für die Zusendung der „Vite degli artisti“.
G. p. 164. — Son., 1555. Dank für Geschenke.
G. p. 325–328. — Fragment einer Dichtung in Stanzen. Nach Frey würde dieser Teil in die Jahre 1536–40 fallen, während die Stanzengruppe, in denen der Dichter das Landleben preist und die übrigen Laster geisselt (G. p. 317–24), aus seinen letzten Jahren (1556) stammen, also zwei selbständige Dichtungen vorliegen würden. — Andere Deutungen für die Gestalten der Dichtung: der Gigant der Stolz, das Weib die Grausamkeit, oder Habsucht, oder der Geiz. Dazu Frey (a.a.O. 350): „All diese Interpretationen sind individueller Art und unverbindlich. Es muss gesagt werden, dass, so real Michelangelo diese Bilder ausgeführt hat, so unbestimmt ist gleichwohl für uns ihre Bedeutung gelassen, wohl weil auch dem Dichter während des Schöpfungsprozesses immer neue Gedanken, Vergleiche und Züge in den Sinn kamen, die die ursprüngliche Richtung abänderten. Gleichwohl lassen sich meiner Überzeugung nach doch Michelangelos Intentionen ahnen und deuten, wenn man, was durchaus nötig ist, mit den Stanzen das Sonett gegen die Pistojesen (G. p. 160) vereint. Dort die Pistojesen, die al ciel nemici, invidiosi, superbi; Söhne Kains hiessen sie, weil sie im Bruderkampfe sich gegenseitig totschlugen. Hier trägt das Weib das Kainszeichen; freut es sich und wächst del mal d'altrui, und die Pistojesen sind del danno loro amici. Wie zur Zeit Dantes Neri und Bianchi in Pistoja sich zerfleischten, so wieder zur Zeit der Revolution in Florenz. Und dann die Ermordung des Herzogs Alessandro (1537). Die città intera, die der Gigant mit dem Fusse deckt, wäre Pistoja, die montagne die dortigen Apenninen, die vielfach den Parteien ricovero boten wie dem Weibe le gran rocche. Besonders im Frühjahr 1537 waren die Wirren in Pistoja gross. … Man könnte annehmen, dass [Giovanni da Pistoja] … ausführlich von allen diesen Ereignissen Michelangelo unterhalten habe, und Schmerz und Zorn über das Gehörte hätten ihn zu Dichtungen veranlasst, die wohl niemals abgesandt worden sind.“