„Einen Jungen, und einen hübschen,“ entgegnete die Alte; „komm, Preziosa, und du sollst deine Wunder hören.“
„Wolle Gott, daß er keines jähen Todes sterbe!“ erwiderte Preziosa.
„Alles wird gut gehn,“ versetzte die Alte, „besonders da die Geburt bis jetzt gehörig vor sich gegangen; und das Kind ist ein wahres Goldbübchen.“
„Ist eine Dame in die Wochen gekommen?“ fragte der Vater des Herren-Andres.
„Ja, mein Herr,“ erwiderte die Zigeunerin, „aber die Geburt fand so im stillen statt, daß niemand davon weiß als Preziosa und ich und noch jemand; und somit können wir nichts darüber verlauten lassen.“
„Wir wollen auch nichts wissen,“ sagte einer der Anwesenden; „aber Gott gnade derjenigen, die ihr Geheimnis auf eure Zungen niederlegt und ihre Ehre eurem Beistand anvertraut.“
„Wir sind nicht alle so schlimm,“ erwiderte Preziosa; „vielleicht gibt es eine unter uns, die sich der Verschwiegenheit und der Wahrheitsliebe ebensosehr rühmen kann wie der vornehmste Mann in diesem Saal. Kommt, Großmutter, man schlägt uns hier zu niedrig an, denn wahrhaftig, wir sind weder Diebe noch Bettler.“
„Werde nicht böse,“ sagte der Vater, „denn wenigstens von dir, Preziosa, läßt sich, denke ich, Schlimmes nicht sagen; dein unschuldiges Gesicht bürgt für die Unschuld deines Treibens. Aber tu mir die Liebe, Prezioschen, und tanze ein wenig mit deinen Begleiterinnen. Ich habe da eine Golddublone mit zwei Gesichtern, von denen jedoch keins dem deinigen gleichkommt, obwohl die Köpfe Königen angehören.“
Kaum hatte die Alte das vernommen, so rief sie: „Auf, Mädchen, tummelt euch und macht den Herren ein Vergnügen!“