Preziosa ergriff die Schellentrommel, und sie tanzten ihre Wendungen und verschlungenen Schritte mit so viel Leichtigkeit und freiem Anstand, daß die Augen aller Zuschauer ihren Füßchen folgten, besonders die des Andres, die an Preziosas Füßen hingen, als fänden sie dort den Mittelpunkt ihres Himmels. Das Schicksal aber trübte ihm diesen Himmel plötzlich so, daß er sich in eine Hölle verwandelte, denn es traf sich, daß in der Lebhaftigkeit des Tanzes Preziosen das Papier entfiel, das ihr der Page gegeben hatte. Kaum aber war es gefallen, so hob jener Herr, der von den Zigeunerinnen eine so schlimme Meinung hatte, es auf, öffnete es unverweilt und rief:
„Vortrefflich! ein Sonettchen! haltet ein mit dem Tanze und hört mir zu, denn nach dem ersten Vers zu schließen, ist es gar nicht übel.“
Preziosen war dies verdrießlich, da sie den Inhalt noch nicht kannte. Sie bat, man möchte es ihr ungelesen zurückgeben; der Eifer aber, mit dem sie darum bat, schärfte in Andres nur die Begierde, es zu hören. Kurz, der Kavalier las mit lauter Stimme diese Verse:
Wenn Preziosa greift zum Spiel der Glocken
Und in die Luft die süßen Klänge hallen,
So läßt sie Perlen ihrer Hand entfallen,
Und aus dem Munde streut sie Blütenflocken.
Die Seele staunt, es steht das Herz erschrocken
Vor dieses Geistes holdem Erdenwallen,
Den nach des Himmels staubentrückten Hallen
Die Unschuld und die Reinheit wieder locken.
Gefesselt führt sie an dem kleinsten Haare
Viel tausend Seelen, und von ihren Füßen
Hervor läßt Amor Pfeil um Pfeile fliegen.
Sie hellt und blendet mit dem Sonnenpaare,
Worin der Liebe ewge Throne liegen,
Und läßt auf höhern Glanz noch für sich schließen.
„Bei Gott!“ rief der Kavalier, der vorgelesen hatte, „der Dichter, der dies schrieb, versteht sich auszudrücken!“
„Es ist kein Dichter,“ sagte Preziosa, „sondern ein sehr höflicher und freigebiger Page.“