— „Je nun, daß Du die Bela entführt hast . . . Ach diese Bestie von Asamat! . . . Nun, gestehe selbst,“ sagte ich zu ihm.

„Ja, wenn sie mir nun einmal gefällt?“

— Nun bitte ich Sie, was sollte ich ihm hierauf antworten? Ich war ganz verdutzt. Indessen sagte ich ihm nach einem kurzen Schweigen, daß, wenn ihr Vater sie wieder fordern sollte, man doch genöthigt sein würde, sie herauszugeben.

„Ist durchaus nicht nöthig.“

— „Ja, wenn er nun aber erfährt, daß sie hier ist?“

„I, wie soll er denn das erfahren?“

Ich war abermals festgefahren. — „Hören Sie, Maksim Maksimitsch“, begann Petschorin endlich, indem er sich erhob: „Sie sind ein guter Mensch, — bedenken Sie selbst, daß, wenn wir diesem Wilden seine Tochter wiedergeben, er sie entweder umbringt oder verkauft. Die Sache ist nun einmal geschehen, es kommt also bloß darauf an, daß wir sie nicht muthwillig selbst verderben; lassen Sie sie also bei mir und meinen Degen bei Ihnen . . .“

— „So zeigen Sie mir sie wenigstens,“ sagte ich.

„Sie ist hinter jener Thür; indessen habe ich mich heut selbst vergebens bemüht, sie zu sehen; sie sitzt, in ihren Schleier gehüllt, in einem Winkel und spricht nicht und rührt sich nicht; sie ist scheu wie eine wilde Gemse. Ich habe unsere Marketenderin in Dienst genommen: die versteht tatarisch und wird sie an den Gedanken gewöhnen, daß sie mein ist, denn sie soll Niemandem anders gehören als mir,“ fügte er hinzu, indem er mit der Faust auf den Tisch schlug. — Ich ließ ihn auch hierin gewähren . . . Was soll man machen? Sehen Sie, es giebt Leute, denen man durchaus ihren Willen thun muß.

— „Hat er sie denn wirklich“ fragte ich Maksim Maksimitschen, „so weit gebracht, oder verkam sie in der Gefangenschaft vor lauter Heimweh?“