— Ich muß gestehen, daß ich zum Theil, um mich zu zerstreuen, mich damit beschäftigte. Ich hatte ein Stück Termalama,[20)] womit ich ihren Sarg umziehen ließ, und garnirte ihn noch mit tscherkessischen Silbertressen, welche Grigorii Alexandrowitsch für sie gekauft hatte.
— Am andern Tage früh begruben wir sie, außerhalb der Festung, an dem Flüßchen neben dem Flecke, wo sie zuletzt gesessen hatte; rund um ihren Grabeshügel wachsen nun dichte Büsche von Akazia und Hollunder. Ich hätte ihr gerne ein Kreuzchen errichten lassen, aber, wissen Sie, das ist so eine Sache; sie war doch immerhin keine Christin . . .
„Aber was wurde aus Petschorin?“ fragte ich.
— Petschorin war lange krank; der Arme kam ganz herunter; indessen sprachen wir von der Zeit an nie von Bela; ich sah, daß es ihm unangenehm gewesen wäre, also weshalb denn? — Drei Monat später wurde er in das E. . . Regiment versetzt und reiste nach Grusien ab. Seitdem sind wir einander nie begegnet . . . Doch da fällt mir ein, daß mir unlängst Jemand sagte, er sei nach Rußland zurückgekehrt; in den Feldbefehlen habe ich darüber nichts gefunden. Uebrigens gelangen zu unser einem die Nachrichten immer ein Bischen spät.
Hier erging er sich in einer langen Abhandlung darüber, wie unangenehm es sei, alle Nachrichten ein Jahr später zu erfahren, wahrscheinlich nur um seine traurigen Erinnerungen zu beschwichtigen.
Ich unterbrach ihn nicht, noch hörte ich ihm zu.
Nach einer Stunde zeigte sich die Möglichkeit weiter zu reisen; das Schneegestöber ließ nach, der Himmel klärte sich auf und wir setzten uns in Bewegung. Unterweges brachte ich unwillkührlich noch einmal die Rede auf Bela und Petschorin.
„Hörten Sie denn gar nicht, was noch aus Kasbitsch wurde?“ fragte ich.
— Aus Kasbitsch! Nein, wahrhaftig, das weiß ich nicht . . . Ich habe wohl gehört, daß auf der rechten Flanke bei den Schapsugen ein gewisser Kasbitsch dient, ein toller Waghals, der in einem rothen Beschmete im Schritt durch unsere Kugelregen reitet und sich sehr artig verbeugt, wenn eine Kugel an ihm vorbeisaust; doch schwerlich möchte es jener sein! . . .
In Kobi trennten wir uns; ich reiste mit Extrapost und so konnte er mir mit seiner schweren Ladung nicht folgen. Wir hofften nicht, uns je wiederzusehen, indessen sahen wir uns wieder, und wenn Sie wollen, so erzähle ich es Ihnen; es ist eine ganze Geschichte . . . Gestehen Sie indessen, daß Maksim Maksimitsch ein Mann ist, der unsere ganze Hochachtung verdient? . . . Wenn Sie mir dies zugeben, so bin ich vollkommen belohnt für meine vielleicht allzulange Erzählung.